So richtig versteht wohl niemand den Erfolg von "Promi Big Brother" in diesem Jahr. Denn in der dritten Staffel der Show passierte vor allem eines: nichts. Das sollte sich im Finale ändern, in einer großen dreistündigen Live-Show. Doch was ergibt Langeweile plus Langeweile? Genau, noch mehr Langeweile. Unser Autor hat es sich trotzdem angetan. Das Protokoll einer zweihundertzweiminütigen Tortur.

20:15 Uhr: "Sind sie hart genug fürs Finale?", fragt der Sprecher. Da bin ich mir noch nicht so sicher. Die Promis offenbar auch nicht, sonst wären sie im Dschungelcamp gelandet.

20:16 Uhr: Die Befürchtung bewahrheitet sich. Menowin Fröhlich singt. Es beginnt, unangenehm zu werden.

20:17 Uhr: Aber wenn nichts hilft, gibt es ja immer noch Alkohol. Die Promis quietschen vor Freude. Irgendwie muss man sie schließlich auf Betriebstemperatur bringen. Was bei der Dauerbetankungsshow "Der Bachelor" funktioniert, klappt auch hier.

20:19 Uhr: Der Moderator liest seinen Text ab. Was er sagt, ist sowieso schnuppe. Ist das eigentlich Carsten Spengemann, der da moderiert? War der nicht gerade im Sommerdschungelcamp?

20:20 Uhr: Nein, es ist einer dieser Moderationsklone, die DSDS, "The Voice" und alles andere im Privatfernsehen moderieren. Tut mir leid, ich kann die einfach nicht auseinanderhalten.

20:21 Uhr: Schon wieder Menowin. Er spricht in einen Besenstiel. Er hält ihn offenbar für ein Mikrofon. Da hat sich wohl das erste Gehirn verflüssigt.

20:29 Uhr: Nino de Angelo rudert auf einem Rollbrett durch den Keller. Das muss wohl einer der Höhepunkte aus dieser Staffel sein, mit der man die Sendung füllen will. Wie lange geht das denn eigentlich? Wie bitte, DREI STUNDEN???

20:38 Uhr: Désirée Nick ist zu Gast im Studio. Sie soll erzählen, was sie am Abend zuvor gemacht hat. Sie schimpft lieber auf Menowin Fröhlich. Der Moderator (ist das doch Carsten Spengemann?) kommt kaum zu Wort. Das ist definitiv ein Plus.

20:48 Uhr: Frenetischer Szenenapplaus des Publikums. Hab ich etwas verpasst? Sieht nicht so aus. Howie Carpendales Sohn macht Werbung für seine neue Show. Irgendetwas mit Kindern. Der Praktikant am Schalter für das "Beifall"-Schild hat wohl einen nervösen Zeigefinger.

21:07 Uhr: Auftritt Cindy aus Marzahn, "The Mother of Big Brother". Jetzt wird’s wohl witzig. "Die einzige Zeit, wo Menowin lustig war, war beim Kacken auf dem Klo." Nee, doch nicht. Ich kann nur hoffen, dass sie keinen Gagschreiber hat. Das wäre fatal.

21:10 Uhr: Fun Fact Nummer eins: Der Sprecher mit dem albernen Stimmeffekt ist übrigens Phil Daub. Der moderierte früher beim Musiksender Viva. Seine Sendung "Wah Wah" war ein wirklicher Fixpunkt meiner Jugend. Nun ja, die einen müssen sich "Promi Big Brother" ansehen, die anderen daran teilnehmen. Sie entscheiden, was schlimmer ist.

21:11 Uhr: Fun Fact Nummer zwei: Passiert in dieser Show eigentlich noch was?

21:12 Uhr: Fun Fact Nummer drei: offensichtlich nicht. Ein Rückblick jagt den nächsten. Und was ergibt langweilig + langweilig + langweilig? Genau, arschlangweilig.

21:21 Uhr: Aha, jetzt, Action. Ach nee, doch nicht. Die erste Kandidatin ist raus. JJ. Was kommt eigentlich auf den anderen Sendern?

21:37 Uhr: Ab jetzt herrscht Frauenmangel im Container. Das Playmate des Jahres aus "Der Bachelor" ist auch raus. Die sieht nach zwei Wochen im Promiknast übrigens aus, wie diese Zaubertroll-Puppen aus den 90ern. Ja, wirklich!

21:52 Uhr: Zurück zu den verbliebenen Kandidaten im Keller. Menowin Fröhlich, Nino de Angelo und David Odonkor. Letzterer vergleicht die Show tatsächlich mit dem Sommermärchen 2006. Er sollte schleunigst seinen Manager feuern. Um im Trash-TV zu landen, brauchte Eike Immel zumindest Jahrzehnte.

22:16 Uhr: Mit lustig hat es "Promi Big Brother" zwei Stunden lang versucht. Jetzt soll es die Tränendrüse richten. Nino de Angelo spricht mit seiner Frau. Erst heult sie, dann er. Wie zu erwarten. Aber sind das nicht die zwei, die sich noch vor ein paar Monaten öffentlich gezankt haben? Nun ja, was macht an nicht alles für die Karriere.

22:30 Uhr: Das Heulen war vergebens. De Angelo ist raus. Jetzt kann er sich nicht mehr im Container vor seiner Frau verstecken.

22:31 Uhr: Menowin Fröhlich und David Odonkor sind die letzten beiden Kandidaten im Haus. Sie laufen in ihrer Zelle auf und ab. Menowin striegelt sein Haar, David schiebt sich Küchenrollenpapier unter die Achseln. So spektakulär kann Fernsehen sein.

22:42 Uhr: "Danke, Deutschland!", brüllt Menowin unkontrolliert in eine der Kameras. Wenn das die Zuschauer dieser Show Deutschland sind, bleibt wohl nur auswandern.

22:48 Uhr: Cindy aus Marzahn ist wieder zurück. Jetzt wird’s … Ach nee, lassen wir das.

23:08 Uhr: Wilfried von den "Wildecker Herzbuben" erklärt, dass er nach seinem Auszug aus dem Container Linsensuppe gegessen hat. Wie hätten wir ohne diese Information das Wochenende überstehen sollen?

23:09 Uhr: Der Moderationsklon animiert die Zuschauer zum Anrufen. Wie alle zwei Minuten. Seit zwei Tagen. Die Leitung ist nämlich seit Donnerstagabend offen. Irgendwie müssen die sechsstelligen Gagen der Promis ja wieder reinkommen.

23:12 Uhr: Jetzt wird es spannend. Wer gewinnt? "Wir" … "schalten" … "ins Haus" … "sobald" … "die Grafik" … "da ist." So bekommt man drei Stunden Sendezeit natürlich auch voll.

23:15 Uhr: So, fertig. Drei Stunden sind um. Ach nee, doch nicht. "Eure Berühmtheit hat euch ins 'Promi Big Brother'-Haus geführt", sagt der Sprecher aus dem Off. Redet der von der gleichen Show? "Nur einer von euch ist der beliebteste Prominente des ganzen Landes." Er meint definitiv eine andere Sendung! Oder zieht jetzt noch Günther Jauch ein? Das wäre tatsächlich ein Knaller!

23:19 Uhr: Günther Jauch kommt nicht. Stattdessen heult David Odonkor. Er hat gewonnen.

23:23 Uhr: David Odonkor heult immer noch.

23:29 Uhr: David Odonkor heult nicht mehr. Stattdessen sitzt er stumm da. Kann bitte mal jemand diese Show beenden? Bitte?

23:34 Uhr: Offensichtlich nicht. "Respekt an Deutschland", sagt David Odonkor. Den kann ich leider nicht erwidern.

23:35 Uhr: Aber jetzt! Wieder Fehlanzeige. "Wir sehen uns nächstes Jahr wieder", droht der Moderationsklon. Das klingt nicht gut.

23:37 Uhr: "Promi Big Brother ist nie wirklich vorbei", sagt der Ex-Viva-Moderator. Das ist definitiv eine Drohung. Sogar eine äußerst schwerwiegende. Hoffentlich hat er unrecht. Zumindest dieses eine Mal. Noch einmal stehe ich das nicht durch. Da schaue ich lieber noch mal eine Ausgabe des Sommerdschungelcamps. In Zeitlupe.