"Promi Big Brother"-Logbuch-Eintrag 02/2021: Mit Daniel Kreibich hat der erste Kandidat die Sat.1 Space Force Unit "Woher soll man den kennen?" bereits nach der Auftaktsendung wieder verlassen. Hauptberuflich ist erHellseher und transferiert per kostenpflichtiger Telefon-Hotline Energie an zahlungswillige Anrufer. Quasi der Enkeltrick für Shopping-TV-Fans.

Marie von den Benken
Eine Kolumne
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Sein frühzeitiger Abgang zeigt jedoch, dass er tatsächlich gut im Vorausahnen ist. Daniel Kreibichs durchwachsener Auftritt in der Einzugsshow ließ vermuten, er würde mit ziemlicher Sicherheit nicht als Gewinner vom Big Planet zurückkehren. Insofern ein vorausschauender Abgang. Bevor man vom Bannstrahl der Zuschauer auf peinliche Art in die ewigen #PromiBB-Jagdgründe verbannt wird, streicht man dann doch lieber direkt proaktiv die Segel und lässt sich zurück an sein heimisches Hellseher-Telefon beamen.

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Daniel Kreibichs freiwilliger Ausstieg schürt beim neutralen Zuschauer kurz die Hoffnung, es würden nun vielleicht endlich die vollmundig angekündigten "Promis" nachrücken. Die zerschlägt sich aber im Laufe des Abends. Moderations-Altmeister Jörg Draeger bleibt das prominenteste Besatzungsmitglied der "PBB Enterprise". In dieser Crew würden nicht mal Jeff Bezos oder Richard Branson während ihrer privaten Kaffeefahrten ins Weltall A-Promi-Material auf dem Planeten der Einfältigkeit entdecken.

Ja, wo Lufen sie denn?

Anders als Kreibich ist Moderatorin Marlene Lufen in der Frühphase der neuen Staffel offensichtlich noch lange nicht ausgelastet. Der bunt befleckte Kaffeefilter, den sie heute als Raumanzug trägt, lässt jedenfalls vermuten, sie hätte noch bis kurz vor der Sendung spontan ihre Garderobe gestrichen. Oder jemand vom Team hat ihr recht plakativ die Qualität des Caterings beschrieben.

Stichwort Brechen: Schon im Einspieler zu Tag zwei wird das skandalfreudige Publikum mit Reality-TV-Buzzwords durchtränkten O-Tönen der vergangenen 24 Stunden angefüttert und heiß gemacht. Noch vor dem Titelsong (gesungen von David Hasselhoff, denn dieses Jahr bleibt uns wirklich nichts erspart) fallen Vokabeln wie "Ratten", "Lügen" und "Verarsche". Quasi die Grundzutaten für eine gute Sat.1-Trash-Suppe. Fast hat man das Gefühl, es fehlt nur noch Marcus Prinz von Anhalt, der während einiger homophober Aussetzer rein zufällig 500-mal seinen 450.000-Euro-Chronometer erwähnt.

Aber auch ohne Deutschlands unangenehmsten Adoptivsohn zündet die Nasa-Crew auf dem Raumschiff ins Reichweitenglück den ersten Fremdscham-Raketenantrieb. Nasa ist in diesem Fall übrigens die Abkürzung für "Nicht alle sind A-Promis". Rafi Rachek beispielswiese sieht mit seinem blondierten Haupthaar ein wenig so aus wie ein Profi-Fußballer, der seit vielen Jahren vergeblich auf den Anruf eines Topclubs wartet.

Um das Bild des erfolglosen Ballartisten komplett zu machen, nähert er sich heute zielstrebig auch inhaltlich dem Niveau eines durchschnittlichen Bundesligaspielers. Als Melanie verrät, sie hätte einen deutlich älteren Mann geheiratet, der bereits 56 Jahre alt ist, erklärt der wasserstoffblonde Generationsexperte: "Ich hätte ja nichts gegen einen Partner, der so 7 Jahre älter ist. Aber 30 Jahre älter?" Bitte? Dreißig Jahre älter? Ein 56-jähriger Mann? Es heißt ja, der Weltraum wirkt wie eine Verjüngungskur, aber wer Melanie Müller ernsthaft für 26 hält, der glaubt auch, Armin Laschet wird nächste Woche volljährig.

Es Müllert im All

Zum Glück wissen wir alle: Age Ain't Nothing But A Number. Für all jene Mitleser und Mitleserinnen, die der englischen Sprache lediglich auf dem Niveau von Modern-Talking-Texten mächtig sind: Das heißt in etwa "Sch... auf das Alter". Und das stimmt! Man kann erfolgreich sein, egal wie alt man ist.

Melanie Müller etwa hat mal Pornos gedreht und gehört jetzt zum eher bekannteren Teil des "Promi Big Brother"-Star-Ensembles. Bei einigen ihrer Astronautenkollegen und -kolleginnen habe ich Angst, es könnte umgekehrt laufen. Gut, dafür sieht Müller auch ein bisschen aus, als hätten Ivan Drago und Dolly Buster ein uneheliches Kind gezeugt, aber die Krawall-TV-Szene ist eben ein hartes Pflaster.

Viel geschmeidiger wirkt dagegen Heike Maurer. Ihr beruflicher Werdegang beim ZDF ist so interessant, Rafi möchte alles ganz genau wissen: "Hast du das studiert?" Ja klar, Rafi. Heike hat Lottofee studiert. An der Aktion Sorgenkind Fernuni. Aber auf Leeramt.

Promi Spliss Brother

Viel Zeit für Lotto-Anekdoten aus der Zeit, als lineares Fernsehen noch relevant war, bleibt aber nicht, denn im "Clash of the D-Promi-Titans" wird das große Splissgeddon ausgerufen. Spielerfrau gegen Bachelor-Restposten. Ina Aogo gegen Mimi Gwozdz. Mimi, die von Geburt an unter akutem Vokalmangel im Nachnamen leidet, hadert mit ihrer Haarpracht. Sie unterrichtet ihre Mitreisenden, die Kälte in der Raumkapsel hätte ihre Spitzen zerstört. Beauty-Adlerauge und Trichoptilosis-Beauftragte Ina schließt diese Kausalkette hingegen aus: "Du hattest auch schon vorher Spliss, das habe ich genau beobachtet."

Haarbruch-Detektor Ina und Haarspitzen-Jammerlappen Mimi liefern sich daraufhin ein episches "Nein" - "Doch" - "Nein" - "Doch" Feuerwerk, auf das sogar Louis de Funès neidisch wäre. So oder so, Mimi ist ab heute die Bella Swan des Weltalls: "Twilight – Spliss zum Morgengrauen".

Doch mit diesen (Achtung, Friseurwitz!) Spitzen gegen Mimi hat Ina ihr Lästerpulver noch nicht verschossen. Im Einzelgespräch mit Big Brother lässt sie sich zu einem Daniela-Büchner-Diss der Extraklasse hinreißen: "Uwe sagt, Danni Büchner hat komische Gesichter." Klingt erstmal skandalös, könnte allerdings auch eine Fehlinformation sein. Wenn man nämlich mal die einschlägigen Presse-Bilder der letzten fünf Jahre betrachtet, hat die unterschiedlichsten Gesichter der Besatzung eindeutig Melanie Müller.

Khan denn Liebe Sindermann sein?

Zur großen Freude der Fangemeinde hat Eric Sindermann anschließend noch weitere Kugeln im Gossip-Revolver. Seine Vermutung lautet: Eric und Melanie haben sich abgesprochen. Jetzt nicht á la Jay Khan, der im Vorfeld eines anderen größeren Reality-TV-Formats seinerzeit Mitkandidatin Sarah Knappik zu einer inszenierten Lovestory bewegen wollte. Glückwunsch an dieser Stelle zur Tochter übrigens, Sarah (#TeamMarly)! Eher im Sinne von: Wenn wir so tun, als würden wir uns nicht kennen, können wir eine märchenhafte Kennenlern-Story vorgaukeln und uns Sympathiepunkte beim Publikum erschleichen.

Wie brisant und vor allem wie wahrheitsnah diese Vermutung ist, kann am zweiten Tag noch nicht abschließend beurteilt werden. Vor allem, weil Big Brother die Weltraumtouristen zu einem Spiel in die Arena ruft. In einer Mischung aus Twister, Fly-Yoga und Seiltanz setzt sich Profiboxerin Marie Lang durch und darf auf den Big Planet ziehen. Mal sehen, wie Lang sie da bleiben darf. Als Bonus gestattet ihr Big Brother, zwei weitere Kapselkandidaten in den Luxusbereich mitzunehmen. Ihre Wahl fällt auf Mimi (weil sie so traurig über ihre Haare war) und Danni (weil sie sich mit ihr am besten verstanden hat).

Da sich niemand sicher sein kann, nicht umgehend von den Zuschauern via Telefon-Voting zur Rückkehr in die Trostlosigkeit der Raumkapsel gezwungen zu werden, erledigt jeder Neuankömmling erstmal rasch das Wichtigste: Marie lässt sich rumführen, Mimi pflegt ihre Haarspitzen und Danni sucht einen Mülleimer.

Wer die Dynamik solcher TV-Formate kennt, weiß, dass sich Mimi und Marie die Hektik hätten sparen können. Wann immer im deutschen Fernsehen die Menschen zu Hause an den Empfangsgeräten jemandem eins auswischen können, trifft es Danni Büchner. Und tatsächlich: Ihre Halbwertszeit auf dem Big Planet liegt bei etwa drei Minuten, dann muss sie mit lieben Grüßen von der Wohnzimmercouch wieder zurück in die beengte Raumfähre.

Dort hat man derweil den Einkauf erledigt. Und weil bei Sat.1 der Kunde König ist, trägt Eric Sindermann auch beim 60-Sekunden-Schnellshoppen im intergalaktischen Supermarkt seine Krone. Die fünf Euro Gruppen-Budget verteilt er dort dann hektisch auf zwei Packungen Nudeln, ein Glas Sauce, zwei Packungen Toastbrot und einen Schokopudding. Ob diese doch sehr übersichtliche Verpflegungssituation zu ersten Ressourcenkämpfen innerhalb der Reisegruppe für resozialisierungsbedürftige Ex-Promis führen wird, das sehen wir morgen. Und ich berichte für Sie!

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Alles Lüge? Rafi Rachek wittert bei "Promi Big Brother" eine Verschwörung

Nach einer eher ruhigen Auftaktsendung brachte Tag zwei von "Promi Big Brother" (Sat.1) Weltraumwinde ganz unterschiedlicher Art: Es gibt einen Astronauten weniger, aber auch jede Menge peinliche Geständnisse und erste Lästereien. Ob sich da etwa schon eine kleine Weltraumexplosion ankündigt?