Es war ein Flop fast mit Ansage: Nach RTLs Totalausfall mit den "Wild Girls" konnte auch ProSiebens "Reality Queens" bei den Zuschauern nicht punkten. Die Kombination aus Ignoranz, Möchtegern-Prominenz und Frauenklischees zieht offenbar nicht. Und dafür gibt es gute Gründe.

ProSieben setzt zwölf weibliche XYZ-Promis am Fuße des Kilimandscharo aus - und keiner will es sehen. Mit 8,2 Prozent beim werberelevanten Publikum ist die erste Folge von "Reality Queens" gnadenlos gefloppt. Das Schema "Möchtegern-Promi tourt durch die Wildnis" zieht beim Publikum offenbar nicht. Liegt es an den Rampenlicht-süchtigen Busenwundern oder am Nonsens der Superlative?

Beim Kennenlernen mit viel Champagner geht es schon los. Die Schuhabsätze werden gemessen. Nach dem Motto: je höher der Absatz, desto niedriger das Niveau.

XYZ-Promis, die keiner kennt

"Und was machst du so?", wird eine gefragt. "Ich bin ein Internetstar", antwortet diese. Kennt man sie wirklich? Nein, natürlich nicht. Dafür aber Dieter Bohlens Teppichluder. Die damalige Affäre des Pop-Titans schlürft ihren Champagner und plaudert über die gute alte Zeit - auf dem Boulevard-Titelblatt. Zur Erinnerung erklärt Janina Youssefian nochmal: "Das war nicht im Teppichladen. Das war im Pausenraum." In Wahrheit aber Schnee von gestern. Genau wie Sabrina Lange. Eine ehemalige "Big Brother"-Kandidatin aus jungen Reality-Jahren.

Zum Finale geht es bei "Catch The Millionaire" wild zur Sache.

Auch zwei "Bachelor"-Kandidatinnen reisen in die afrikanische Provinz. Die eine hat bei RTL Erfahrungen gesammelt, die andere im Schweizer Fernsehen. Während Nancy Sega bei Jan Kralitschka mit der Limousine vorfuhr, bekam Sunny S. Woodpecker bei Lorenzo Leutenegger irgendwann kurz vor Schluss keine Rose mehr. Dafür bedienen beide ein ganz bestimmtes Frauenbild. Nämlich jenes, das mit Streitereien um Belanglosigkeiten, Brustimplantat-Vergleichen und hohen Absätzen im Wüstensand suggeriert wird. Bei Bettie Ballhaus rückt die Kamera irgendwann die Brust in den Fokus. Es wird gegrabscht, dazu ein Hupsignal - da klappt sogar einem afrikanischen Stammeshäuptling im Hintergrund die Kinnlade runter -wen wundert es?

Zwei Teams und Ignoranz, die wehtut

Für Schauspielerin Nina Kristin ist bereits der Flug nach Tansania eine Herausforderung: "Die erste Challenge haben wir ja schon hinter uns: Wir sind 30 Stunden Economy geflogen. Das kommt bei mir nicht so oft vor." Klar, der Discounter-Reisebus fährt nicht in die afrikanische Provinz. Oder haben Sie etwa gedacht, Kristin fliegt nur Business-Class?

Teppichluder, Ex-Pornostar oder Nackedei: Wer findet nach Hause?

Nach einem Gepäck-Wettbewerb in Tansania werden die Damen in zwei Teams aufgeteilt. Die eine Gruppe heißt "Bunga Babes", die anderen "Matiti Girls". Beides steht in irgendeiner Sprache für - Sie wissen schon. Die Leichtbepackten dürfen ins Luxus-Camp, die anderen tragen ihre Rucksäcke durch die "Prärie". So spannend wie ein tropfender Teebeutel.

Nach ein paar Momenten des Ekels und Wir-sind-was-besseres-Augenrollen blicken die Damen irritiert ins Leere: Eine ist perplex, dass sie "keine Strommasten" in der Wüste entdeckt. Die andere ärgert sich über das umherschwirrende Ungeziefer: "Diese Mücken übertragen Malaria. Die wollen uns alle identifizieren." Nein, das ist kein Schreibfehler.

Bohlens Ex-Teppichluder schämt sich jedenfalls oder hat Angst, denn sie gehört nach eigener Aussage zu der Art Frau, die immer gestochen wird. Ein Schelm, wer nun Böses denkt.

C-Promis in der Wüste: Das braucht doch kein Mensch!

Knapp 145 Minuten dauert die erste Episode der fragwürdigen TV-Unterhaltung. Erlöst wurde der Zuschauer mit dem Ausscheiden von Ex-"Big Brother"-Kandidatin Sabrina Lange und Ex-Pornodarstellerin Kelly Trump. Zwei Namen, die sich die wenigen Zuschauer nicht mehr merken müssen.

Fünf Folgen sind noch geplant, ob die allerdings problemlos vom Sender gehen, ist mehr als fraglich. Das desinteressierte Publikum von "Reality Queens" könnte dem Sender einen Strich durch die Rechnung machen: C-Promis in der Wildnis braucht kein Mensch und will auch keiner sehen. Immerhin bleibt dem Zuschauer ein kleiner Trost: Noch tiefer kann das Privatfernsehen nicht mehr sinken.