Das wäre doch nicht nötig gewesen: Wenn man sich das Fernsehprogramm so anschaut, käme man nie auf die Idee, dass man noch eine Kuppelshow brauchen könnte. RTL sieht das anders und schmeißt mit "Are You The One?" ein weiteres Format auf den Markt. Das ist immerhin nicht so peinlich wie manche Show der Trash-Konkurrenz. Noch.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock

Wie die Zeit vergeht. Wollte man sich im Fernsehen verlieben, hatte man lange nicht besonders viele Möglichkeiten. Bis 2005 war "Herzblatt" weitgehend alleine auf weiter Flur und die Partnervermittlung lief hier noch recht spartanisch ab. Nach drei Fragen stand der Traumpartner fest, danach ging es mit dem "Herzblatt"-Hubschrauber ins Hotel nach Bad Wiessee oder Sankt Oswald im Bayerischen Wald.

Inzwischen ist die ganze Sache ein bisschen aus dem Ruder gelaufen. Statt beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk läuft die ganze TV-Kuppelei nun bei den Privaten. Kaum ein Sender, der nicht jemanden an den Mann oder die Frau bringen will und das mit möglichst großem Aufwand. Ganz besonders am Herzen liegt die TV-Verkupplung aber der RTL-Gruppe.

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"Der Bachelor", "Die Bachelorette", "Love Island", "Adam sucht Eva" und wie sie alle heißen. Die Liste ist jetzt schon endlos und wird trotzdem immer noch länger. Inzwischen versucht RTL sogar, mit "Temptation Island" glückliche Paare wieder auseinander zu bringen.

Belohnung für die neu gefundenen Paare ist längst nicht mehr ein Flug mit dem "Herzblatt"-Hubschrauber, sondern die Wiederverwendung in anderen RTL-Trash-Sendungen, mindestens aber ein bisschen Aufmerksamkeit für den eigenen Instagram-Account.

"Are You The One?" oder wer passt zu wem?

RTLs neuester Streich heißt "Are You The One?", wobei "neu" auch nur die halbe Wahrheit erzählt. Die Show ist der deutsche Ableger der erfolgreichen MTV-Kuppelei und die hat das doch recht simple Prinzip "X sucht Y" ein bisschen modifiziert.

Im deutschen Ableger von "Are You The One" hat RTL jeweils zehn Single-Männer und -Frauen in eine Villa nach Südafrika eingeladen. Dort sollen sie sich ein bisschen die Zeit vertreiben, vor allem aber ihren "Perfect Match" finden. Mit Psychologen, Freunden und einem Persönlichkeitstest wurde nämlich zuvor analysiert, welcher Topf hier angeblich am besten zu welchem Deckel passt.

Gewinn nach "Matching Nights": 20.000 Euro

"Die Person, die perfekt zu euch passt, ist bereits hier unter euch", erklärt Moderator Jan Köppen dazu. Der Clou an der ganzen Sache: Wer hier zu wem passt, wird den Kandidaten natürlich nicht verraten, das müssen sie selbst herausfinden. Wenn das alle nach zehn "Matching Nights" geschafft haben, gewinnen die Kandidaten gemeinsam 200.000 Euro.

Damit auch jeder und jede ihren Traumpartner findet, bietet RTL den Kandidaten eine Vielzahl an Hilfestellungen: arrangierte Dates, allerlei Kennenlern-Spielchen und natürlich ein Luxus-Ambiente, wie Kandidat Kevin bei der Ankunft in der Villa sofort feststellt: "Die haben sogar die Wassermelonen in Herzchenform geschnitten!" Na, dann kann ja nichts mehr schiefgehen.

Aline: "Melissa, er macht Wimpern! Wie geil, oder?"

Damit das Ganze aber nicht allzu seriös wird, hat sich RTL an Bewährtes gehalten. Die Kandidatinnen und Kandidaten haben offensichtlichen Nagel- und/oder Fitness-Studio-Hintergrund und selbst die selbsternannten Denker wie Philosophie-Student Axel fallen bei all dem Muskel-Gepose nicht sofort als intellektuell auf. Kurzum: Die Kandidaten können auf den ersten Blick nur überraschen, wenn sie sich vom bekannten Trash-TV-Kuppelshow-Personal abheben, bei dem in erster Linie die Optik zählt.

Das klappt in Folge eins mal besser, mal schlechter: "Ich hab' halt gute Gene", weiß zum Beispiel Ivana über sich zu berichten und Kathi ist sich sicher: "Ich glaube, ich bin nicht schlecht gesegnet." Aline hingegen entdeckt schnell Giulianos Superkraft: "Melissa, er macht Wimpern! Wie geil, oder?" Der wiederum weiß genau, was er von der Show erwartet: "Ich brauch' Ärsche!"

Weniger peinlich als andere RTL-Formate

Das ist jetzt in puncto Niveau natürlich nicht gerade Premium-Qualität, aber in Folge eins zumindest wesentlich weniger peinlich, weil weniger offensichtlich, als man es von so manch anderer RTL-Kuppelshow kennt, wo statt Melonenherzchen Kondome bereitstehen. Für Zuschauer, die sich darauf einlassen können, dürfte der zusätzliche Reiz darin liegen, mit zu raten, wer wohl zu wem passt.

Bislang ist das Ganze noch ein bisschen Single-Kasperltheater ohne Anfassen, dafür aber mit Jugendherbergscharme. Wer das MTV-Original kennt, weiß, dass hier die Stimmung aber auch schnell kippen kann, wenn erst die Eifersucht aufflammt. Dementsprechend kann der Tipp von Ivana, als sich Männlein und Weiblein um die besten Zimmer streiten, schneller Wirklichkeit werden, als es sich ein RTL-Redakteur ausdenken kann: "Leckt einfach alles an!"

Diese TV-Kritik ist bereits am 14. April zum Start der Show bei TVNOW auf unserer Seite erschienen. Zur Free-TV-Ausstrahlung bei RTL am 6. Mai haben wir den Text erneut veröffentlicht.

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