Stefan Raab nimmt seinen Hut und verabschiedet sich mit Understatement. Aber vorher liefert er in bester Laune und mit eifrigem Kampfgeist noch einmal einen kurzweiligen Wettkampf ab.

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Sehr emotional wird es nicht bei der letzten Folge von "Schlag den Raab" und damit bei Stefan Raabs letztem Fernsehauftritt überhaupt. Das ist gut so: Stattdessen machen sich alle Beteiligten daran, noch einmal einen richtig unterhaltsamen Samstagabend zu gestalten. Der beste Abschied ist vielleicht der, der gar nicht nach einem aussieht.

Neue Regeln, altbekannter harter Gegner

Dennoch ist bei der 55. Sendung "alles anders", wie es Moderator Steven Gätjen verspricht. Zumindest, was den üblichen Ablauf betrifft: Anstatt wie sonst einen einzigen Kandidaten gegen Raab antreten zu lassen, werden diesmal für jedes Spiel neue Gegner aus dem Publikum geholt. Jeder kann 100.000 Euro gewinnen, und die Sieger der einzelnen Spiele dürfen am Ende noch gegeneinander um den Jackpot wetteifern.

"Ich könnte ja heute alle gewinnen lassen", witzelt Raab schon zu Beginn. "Aber dann könnten wir den Abend abbrechen". Und so gibt er im Wettstreit nochmal sein Bestes und zeigt sich als knallharter Gegner, den man nur allzu gerne unterschätzt. Gleichzeitig wirkt er herzlicher und lockerer als bei der Sendung zuvor, klopft den Kandidaten aufmunternd auf die Schulter und scheint seinen letzten Kampf in vollen Zügen zu genießen.

Die letzten Wettkämpfe

Dass da eine beliebte Showgröße seinen Hut nimmt, merkt man tatsächlich nur gelegentlich. Gätjen erwähnt gerne mal, dass es sich um den letzten Wettstreit handelt, und hier und da werden Rückblicke auf Highlights der Sendung eingeblendet. Zum Beispiel auf ein Spiel, bei dem sich Raab als völlig geruchsblind entpuppte: Beim Schnüffeln verwechselte er Bier mit Wein, Ei mit Fisch und Birne mit Erdbeere. Oder auf die letzte Sendung, bei der er mit einem Elektro-Rollstuhl einen Unfall nach dem nächsten baute.

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Derartig auffällige Momente bieten sich in der heutigen Sendung nicht, aber bei den Geschicklichkeits- und Sportspielen zeigt sich Raab wieder in seinem Element.

Im bemerkenswertesten Wettkampf schießen Raab und sein Gegner, ein Fußballer namens Jörn, auf aufgetürmte Dosen – und das dauert endlos, weil die Sache viel schwieriger ist, als sie aussieht. Raab hat keine Eile und zerrt am Ende Kommentator Frank Buschmann sowie seinen Kumpanen Elton zum Spiel, damit die selber sehen, wie hart der Wettkampf ist. Elton scherzt: "Senden wir heute länger als gewohnt, also bis 3?"

Was sendet man ohne Raab?

Irgendwann kommt aber doch das Ende. Wie schon beim Finale von "TV Total" beendet Raab seine Show mit einem Ständchen. Mit Inbrust stürzt er sich auf "One Moment in Time", das in der Version von Whitney Houston stets als Schlussmelodie fungierte. Sonst ging es da passend zum Wettkampf immer um den Ehrgeiz: "To taste the sweet, I faced the pain". Vielleicht ist ihm diesmal die Zeile "My finest day is yet unknown" wichtiger.

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Aber dann bricht er das Lied ab und scherzt: "Ich hab' den Text vergessen!" Er verschwindet aus dem Bild, stattdessen erscheint ein Testbild mit "Schlag den Raab"-Schriftzug. Man wird um Geduld gebeten. Und um noch mehr Geduld. Einen kurzen Moment beschleicht einen das Gefühl, einer Andy-Kaufman-Aktion aufzusitzen: Wenn das Testbild noch lang genug bleibt und nichts mehr folgt, wäre das der perfekte Witz zum Verschwinden von Stefan Raab. Nach ihm gibt es nichts mehr zu senden.

Ein bisschen Spaß

Dann taucht er aber doch nochmal auf, mit E-Gitarre bewaffnet und rotem Rentiergeweih auf dem Kopf, und rockt mit den heavytones Chuck Berrys "Run Rudolph Run". Seine letzten Worte auf der Bühne sind sympathisches Understatement – aber sie klingen wie das Motto, unter dem er seine ganze Fernsehkarriere sah: "Machen Sie's gut. Ich hoffe, Sie hatten ein bisschen Spaß".

Man kann Stefan Raab skeptisch und kritisch gegenüberstehen, und man muss seinen nicht immer unumstrittenen Humor nicht teilen. Dennoch darf man vor seinen zahlreichen Talenten den Hut ziehen: Entertainer, Musiker, Produzent. Und man darf respektieren, was er in mehr als 20 Jahren Fernsehgeschichte auf die Beine gestellt hat. Irgendwann wird er vielleicht aus seinem selbstgewählten Ruhestand zurückkehren und sich wieder dafür einsetzen, dass die Leute ein bisschen Spaß haben. Und wenn nicht, dann ist zumindest der Gedanke schön, dass alle anderen aus seinem Abschied eine größere Sache gemacht haben als er selbst.