Wenn in einem TV-Show-Duell der Name Stefan Effenberg auftaucht, dann kann man sich als Zuschauer auf Unterhaltung mit Ellbogen und fiesen Sprüchen freuen - wenn wir im Jahr 1996 wären. 2015 ist bei "Schlag den Star" so ein Duell vor allem eines: eine Unverschämtheit. Schuld daran hat aber nicht Stefan Effenberg.

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Es ist knapp zwei Wochen her, als Stefan Raab seinen TV-Abschied zum Jahresende bekannt gab. Das Medienecho war gewaltig, es hagelte Beileids- und Dankesbekundungen von allen Seiten, als hätte Raab höchst persönlich das Fernsehen erfunden. Eine TV-Zukunft ohne Raab, das schien für manche undenkbar. Doch halten wir mal für einen Moment unsere Tränen zurück und schauen genau hin, was uns in Zukunft fehlen wird. Es geht um eine inzwischen lieblos dahin geschluderte Latenight-Show, die x-ten Aufgüsse von Werbe-Event-Shows wie Stockcar-Rennen, Turmspringen, Autoball oder Wok-Fahren und ein Bundesvision-Song-Contest, der mehr Marketing-Veranstaltung als Contest ist.

Raab-Fernsehen war mal frech, provozierend, einfallsreich. Und der ehemalige Metzger war früher vor allem eines: ehrgeizig. "Ich habe niemals im Leben etwas gemacht, von dem ich nicht überzeugt bin", hat Stefan Raab im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" berichtet und damit seinen eigenen Anspruch an seine Arbeit definiert. Dass er seinem eigenen Maßstab inzwischen nicht mehr gerecht werden kann oder will, davon zeugte die gestrige "Schlag den Star"-Sendung von der ersten bis zur letzten Minute. Natürlich kann jeder Mal einen schlechten Abend haben, aber was uns der TV-Moderator präsentiert hat, war eine Demonstration der Lustlosigkeit.

Raab-TV: abgestandenes Instant-Fernsehen

Es sind die vielen kleinen Details der gestrigen Show, die zeigen, dass der Kölner nicht mehr voll bei der Sache ist und seine lahme Darbietung zu einem Event aufblasen muss. Das fängt bei der Auswahl des Gastes ein. In diesem Fall Stefan Effenberg. Für die Jahrgänge 1990 und jünger: Stefan Effenberg war mal ein Weltklasse-Fußballer, der immer ein bisschen auf die Sahne gekloppt hat – auf und neben dem Platz. Heute ist er vor allem noch als Namensgeber seiner Gattin Claudia "die Frau von Stefan Effenberg" bekannt, eine leidlich berühmte Boulevard-Nomadin. Was erwartet Raab von dem in die Jahre gekommen Star? Dass er sein Gegenüber umgrätscht wie früher oder ihm den Stinkefinger zeigt?

Sein Duell gegen Daniel Aminati, dem Moderations-Gesicht der Pro7-Sendung "taff", stilisierte Raab trotzdem zum "Fight der Champions" hoch. Während Effenberg tatsächlich die eine oder andere Trophäe im Schrank stehen hat, kann der Zuschauer über das Meisterliche bei Aminati nur rätseln. Und muss die Präsentation wirklich so plump sein? Braucht es wirklich einen Frank Buschmann, der als Kommentator ein langweiliges Tischtennis-Kopfball-Spiel als "hochklassiges Duell" verkauft, als wäre es das WM-Finale gegen Argentinien? Hätten die beiden einfach nur dagesessen und einen Becher Joghurt gegessen, Buschmann wäre genauso ausgeflippt.

"Schlag den Star": einfach nur unverschämt

Braucht es diese Pseudo-Extase wirklich? Ja, denn sonst fällt dem Zuschauer vielleicht auf, dass das, was "Schlag den Star" als hochklassig und spannend verkauft, nur lieblos zusammengeschustertes und abgestandenes Recycling-Fernsehen ist. Das merkt der Zuschauer auch schon an den kleinen Details, wenn sich Raab etwa nicht richtig auf seine Gäste vorbereitet. Das Publikum merkt es ebenso daran, wie wenig Mühe sich die Produktionsfirma gemacht hat und hier einfach nur alte "Schlag den Raab"-Ideen aufträgt. Das waren alles Spielchen, die man ohne großen Aufwand auch Zuhause nachspielen kann. Nichts, was den Namen "Show-Format" verdient hätte. Warum sollten sich Zuschauer so etwas anschauen? Irgendwann, in der dunkelsten Minute der Show, realisiert das Publikum, dass es gerade dabei zusieht, wie Stefan Effenberg bei "Schlag den star" an Kohlrabi riecht.

Wenn ein Pferd tot ist, sollte der Reiter absteigen, heißt es. Es ist Raab hoch anzurechnen, dass er selbst gemerkt hat, dass bei ihm die Luft raus ist. Es wäre ihm noch höher anzurechnen, wenn er das etwas früher gemerkt hätte. Und es wäre ein Zeichen von echter Größe gewesen, wenn Pro7 solche Shows wie die gestrige nicht mehr zeigen würde.