RTL hat sich Mühe gegeben, sein Dating-Format "Schwiegertochter gesucht" zu entstauben. Das Ergebnis ist mangelhaft. Peinliche Momente? Fehlanzeige! Und auch echte Freaks sucht man über weite Strecken vergeblich. Nur der liebeshungrige Esoteriker Heiko, ein alter Bekannter, quatscht noch verlässlich nebulöses Zeug. Immerhin.

Eine Kritik
von Bodo Klarsfeld

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Da waren sie wieder, die Junggesellen, die sich nicht länger alleine durchs Leben schlagen möchten, aber für eine Eroberung die Hilfe von Mutti benötigen. Das RTL-Dating-Format "Schwiegertochter gesucht" ist am Dienstagabend bereits in seine 13. Runde gegangen – und das aufpoliert für die Prime Time, um noch mehr Menschen vor den TV-Geräten abzuholen. Natürlich wieder dabei: Moderatorin Vera Int-Veen, die den im "Hotel Mama" dauerurlaubenden Männern dabei hilft, die richtige Frau fürs Leben sowie für Mutti zu finden.

"Schwiegertochter gesucht": Highend-Ferienwohnung statt Setting mit kackbrauner Ledercouch

Auf den Aufruf von Philipp, einem 31-jährigen Zeitsoldaten und langjährigen Single aus Schleswig-Holstein, hatten sich zum Beispiel jede Menge Frauen beworben. So etwa auch die Altenpflegerin Michelle (22) aus dem Münsterland, deren Hände im Vorfeld des Treffens "mächtig kribbelten".

Und tatsächlich: Zwischen den beiden knisterte es im Nu. "Ich glaube, ich gefalle dem Philipp schon. Seine Blicke haben doch sehr für sich gesprochen", meinte Michelle schelmisch grinsend.

Dass RTL für die drei Bewerberinnen – die beiden anderen wird man in der nächsten Folge kennenlernen – eine gediegene Villa am Strand mietete, erstaunte vor allem jene, die bis dato keine Staffel ausgelassen hatten. "Jetzt gibt‘s auch schon stylische Ferienwohnungen. Das ist nicht mehr mein 'Schwiegertochter gesucht'", war man auf Twitter entsetzt.

Romina im Kampfmodus: "Ich bin nicht da, um Freundinnen zu finden"

Über noch mehr Zuschriften als Philipp durfte sich jedoch Dennis freuen. Für ihren attraktiven Fortpflanz, der es mit seiner ansehnlichen Optik nie und nimmer in eine der älteren Staffel geschafft hätte, sucht Mutti Carmen eine bessere Hälfte.

Dass Mama ihrem Sprössling beim ersten Date im Nacken saß, überraschte Charleen aber dann doch ein wenig. Kaum waren sie und Dennis alleine und dabei, einander näher zu kommen, torpedierte Nadja, die zweite Bewerberin, die traute Zweisamkeit. "Das war schon ein kleiner Schock für mich", kommentierte Charleen die Intervention der Nebenbuhlerin – nicht ahnend, dass es noch schlimmer werden würde.

Denn als die dritte im Kampf um den schönen Dennis, die 29-jährige Romina aus Nordrhein-Westfalen, antanzte, hatten die anderen umgehend Pause. Denn: Romina schwadronierte ohne Punkt und Komma und machte von Anfang an eines klar: "Ich bin wegen Dennis da – und nicht, um Freundinnen zu finden."

Langeweile versus Schwermut

Dass man sich von "First Dates" kein Feuerwerk an Pointen oder tiefsinnige Dialoge erwarten kann, von denen man ein Leben lang profitieren wird, ist klar. Aber was sich den Zusehern am Dienstagabend bot, hatte etwa den Tiefgang einer Badeente, den Charme einer Melkmaschine und den Witz einer Schlaftablette. Wobei man nie genau wusste, ob die Angelegenheit mehr langweilig oder mehr traurig ist.

Die extreme Schüchternheit eines Dating-Protagonisten ist mit Sicherheit auch kein Quotentreiber, auf den man sich verlassen kann. Den Beleg lieferte der 28-jährige, extrem introvertierte Meik, dessen Mutter Anneliese ihn unter die Haube bringen will.

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Extreme Schüchternheit bei Meik

Geschlagene drei oder vier Mal in zehn Minuten meinte dieser zu seinen Bewerberinnen Francine, Rebecca und Sarah "Ich weiß jetzt gar nicht, was ich sagen soll". Und auch dazwischen gab sich der gelernte Koch irgendwas zwischen sehr lakonisch und extrem wortkarg. "Haste kein Selbstwertgefühl?", wollte Mama Anneliese von ihrem Sohn wissen. "Nee, nicht so viel", so dessen Antwort.

Und dennoch: "Meik ist so ein sweeter Boy", meinte etwa Junggesellen-Interessentin Rebecca, die in ihrem Leben noch nie ein Date hatte. Am ersten Abend wurde eine Partie Mensch-ärger-dich-nicht gespielt. Wie deprimierend ist das denn? Auch ein Zoff zwischen der dominanten Mutter und der selbstbewussten Francine konnte die triste Stimmung nicht mehr retten. Die beiden gerieten sich in die Haare, weil Francine mit den anderen Kandidatinnen das Bett nicht teilen wollte.

Helga sucht mit Heiko unentwegt den Nahkampf

Auch einem alten Bekannten durften "Schwiegertochter gesucht"-Stammseher wieder begegnen. Engelsfreund Heiko aus Sachsen-Anhalt ist bei der aktuellen Staffel erneut mit von der Partie. Während sein Bruder Guido in der Datingshow 2017 seine große Liebe gefunden hat, ist Heiko nach wie vor ein Suchender.

Auch auf ihn warten drei Frauen, wobei er es am Dienstagabend erst mit Hotelfachfrau und Frohnatur Helga zu tun bekam, die ihn bereits am ersten Tag ungefähr 27 Mal umarmte. "Ich spüre deine Energie, du spürst auch sicher meine Energie", so Heiko poetisch nach einem der unzähligen "Nahkämpfe".

Sigrid, Heikos Mama, die für den Sohnemann Weiblichkeiten sondiert, waren die haptischen Attacken von Helga weniger geheuer: "Mehrmals umarmen? Finde ich ein bisschen zu schnell", so die kritische Mutter des liebeshungrigen Esoterikers, der wieder einmal ständig von Engeln palaverte.

Ebenso Mangelware: Ironie und Sarkasmus aus dem Off

"Heiko ist wohl diesmal der einzige 'skurrile' Typ, der Rest ist mir zu normal", fand jemand auf Twitter kritische Worte. Ja, vermutlich war tatsächlich alles ein wenig zu normal, zu gerade, zu bieder. Selbst der neue Off-Sprecher verzichtete weitestgehend auf bissige Kommentare und sarkastische Bemerkungen. Eigentlich sollte man auch die Schwiegermütter künftig besser casten, denn "Schwiegertochter gesucht" ohne Drachen wird von fabelhaft immer weit entfernt sein.

"Schwiegertochter gesucht": Neue Staffel drastisch verändert

Das Format "Schwiegertochter gesucht" mit Vera Int-Veen wird künftig nicht mehr so sein, wie wir es kennen. Hier erfahrt ihr, welche massiven Änderungen sich der Sender überlegt hat. © ProSiebenSat.1