Wie jedes Jahr kürt Guido Maria Kretschmer seine "Shopping Queen des Jahres". Hilfe sollen die Kandidatinnen dabei von vier Prominenten bekommen. Zumindest theoretisch. Denn Kelly aus Berlin stellt schnell fest: Mit Desirée Nick diskutiert man nicht.

Eigentlich war es vorher klar. Wer Desirée Nick in seine Show einlädt, braucht sich nicht zu wundern, wenn das extrovertierte Gesamtkunstwerk die Sendung übernimmt. Zunächst ist bei der üblichen Sonderausgabe zum Jahresabschluss von "Shopping Queen" alles wie gehabt.

Designer kritisiert Kleidungsstil - und schmiert ihr danach Honig ums Maul.

Guido Maria Kretschmer hat vier besonders unterhaltsame Gewinnerinnen noch einmal eingeladen. Und weil sich alle so gut verstehen und der Designer der Mann ist, dem die Frauen vertrauen, der Sätze sagt wie: "Ihr seid so warme Menschen", wird sich erst mal gedrückt. Guido Maria Kretschmer, der Star zum Anfassen.

Kelly friert das Lächeln ein

Wie in jedem Jahr bekommen Karen, Anne, Tina und Kelly prominente Shopping-Begleiter vorgesetzt. Jana Ina Zarrella, Charlotte Würdig, Motsie Mabuse. Das Prozedere ist ähnlich wie bei der Begrüßung durch Kretschmer: gespannte Erwartung, quietschen, drücken, sich dufte finden. Bis Kelly aus Berlin an der Reihe ist.

Ihre Shoppingbegleitung sei "eine liebe Freundin", sagt Kretscher. Als Desirée Nick den Raum betritt, hat Kelly Mühe, ihre Gesichtszüge unter Kontrolle zu behalten. In die Kamera stammelt sie: "Ich liebe ehrliche Menschen, von daher passt das." Wie viel Liebe sie zu geben hat, testet die Nick sofort aus. Sie öffnet Kellys Jäckchen, blickt auf ihr Dekolleté und sagt: "Man kann ja gerade auch, wenn man flach ist, wunderbar mädchenhaft … Nun ja, man muss halt anders arbeiten." Kelly friert da schon das Lächeln ein. Der Rest freut sich, dass es ihn nicht erwischt ist. Und quietscht: Es gibt Designerhandtaschen für lau!

Anziehen, ausziehen, verzweifeln

Die erste Stunde plätschert vor sich hin, wie es bei "Shopping Queen" oft der Fall ist. Anziehen, ausziehen, ein bisschen Panik, fluchen, kreischen, verzweifeln und doch irgendwie fertig werden. Der Höhepunkt ist, dass sich Kandidatin Anne die Haare abschneiden lässt. Bis die Nick und Kelly an der Reihe sind.

Im Auto sagt die Berlinerin brav in die Kamera: "Die Desirée Nick ist eine ganz Liebe. Aber das ist ihre Bühne, das ist ein Job wie jeder andere, das muss man verstehen." Es klingt, als habe es sie die Entertainerin unter Androhung von Elektroschocks vorher auswendig lernen lassen.

Kellys Verständnis wird nicht lang anhalten. War die Modestudentin bei ihrem ersten Auftritt in "Shopping Queen" in diesem Jahr alles andere als einfach, trifft sie jetzt auf den passenden prominenten Gegenpart. "Richtig entspannt ist es bei denen aber auch nicht", sagt Guido Maria Kretschmer und lacht.

Das Gegenteil dazu liefert Jana Ina Zarella auf ihrer Shopping-Tour mit Tina. Sie findet grundsätzlich alles "super". Auch, als die Nick sie anruft, und erklärt, Kelly sei gerade beim Brazilian Waxing. Aus der knappen Short hätten überall Haare rausgeschaut. Die Kandidatin verzieht entrüstet das Gesicht. Noch regt sich so etwas wie Gegenwehr in ihr.

Bereits wenig später lässt sie alle Hoffnung fahren. Sie steckt von Kopf bis Fuß in einem von Desirée Nick ausgesuchten rosa Etwas und schmollt. Dann heult sie. "Nach anderthalb Stunden ist sie ein rosa Wrack", sagt Kretschmer. Als Kelly noch ein letztes Mal protestieren will, fährt ihr die Nick dazwischen: "Du kriegst goldene Ohrringe. Diskussion beendet."

"Ich habe sie gerettet"

Am Ende sieht sie auf dem Laufsteg aus wie ein Klon von Desirée Nick. Die sagt: "Vorhang auf für die neue Kelly!" Guido Maria Kretschmer amüsiert sich köstlich. Nur die rosa Kelly ist ganz still und lächelt wächsern vor sich hin. Auch als die Entertainerin den Arm wie eine Autopresse um sie legt und sagt: "Ich habe sie gerettet." Kretschmer verkündet, dass sie letzte wurden, doch die Nick verzieht keine Miene. Anne hat gewonnen.

"Es war so ein bisschen Rollenspiel, Mutter, Tochter, sehr süß", fasst Kretschmer zusammen. Aber er steht schließlich auch nicht ganz in rosa da. Mit einer Mutter, die man nicht einmal seinem schlimmsten Feind wünschen möchte.