Kennen Sie noch die Nullerjahre? Als plötzlich eine Talentshow nach der anderen im Fernsehen auftauchte? Sat.1. entdeckt das Format gerade wieder für sich und warf gestern Abend nach Gottschalks "Little Big Stars" nun "It's Showtime" in den Ring der Sonntagabendunterhaltung.

Eine Jury, ein Publikum und Künstler, die vor beiden ihre Talente vorführen. Sieht man sich das Grundkonzept von "It's Showtime" an, könnte man meinen, dass die Sat.1-Innovationsabteilung, sollte es eine solche geben, gerade vollständig im Urlaub ist. Im Jahr 2017 eine neue Talentshow zu starten, ist ungefähr so originell wie Fan des FC Bayern München zu sein.

Die Juroren Michelle Hunziker (M.), Michael Bully Herbig (l.) und Sasha (r.) freuen sich auf das Battle der Besten ...

Sat.1 macht es trotzdem und dafür, dass man für besagte Idee allenfalls Anfang des Jahrtausends einen Innovationspreis bekommen hätte, klopft der Sender mächtig auf die Sahne.

Von einem "Wettkampf der Superlative" schreibt Sat.1 auf der Sendungs-Webseite und der Off-Sprecher kündigt sogar "Die spektakulärste Show des Jahres" an, bevor er weitere Superlative auf den Zuschauer loslässt.

Gut, dass die Show den Zusatztitel "Das Battle der Besten" nicht des Stabreims wegen trägt, sondern um dem Zuschauer schon im Vorfeld die Brillanz dessen zu demonstrieren, was er gleich sehen würde, das kennt man als regelmäßiger TV-Zuschauer bereits. Dass auf solche Versprechen in der Regel wenig zu geben ist, aber leider auch. Kurzum: Es wird ziemlich viel versprochen.

"It's Showtime": Talentshow eben

Nach den ersten paar Minuten merkt man aber schnell, dass Sat.1 mit spektakulär nicht das Format gemeint haben kann, denn das unterscheidet sich von all den anderen Shows in keiner Weise. Es gibt die gleichen Schnitte, Kameraeinstellungen und aus dramaturgischen Gründen mindestens einmal pro Auftritt Ausrufe der Begeisterung aus der Jury. Offenbar traut der Schnitt, wie inzwischen üblich, dem Zuschauer nicht zu, selbst zu entscheiden, ob er das Gesehene wirklich so spektakulär findet.

Frank Elstner würde seinen Kollegen gerne in der Ekel-Show sehen.


Immerhin darf die Jury ihre Zuneigung selbst bestimmen und macht das, wie bei anderen Shows in der Regel auch, mit einer ordentlichen Portion Bauchgefühl: "Es war eine Riesenshow, für mich sind das neun Punkte", "Ich fand's wirklich sehr, sehr witzig und unterhaltsam" oder "Ich bin total verliebt in diese Jungs" lauteten dementsprechend die Begründungen.

Dafür ist "It's Showtime" aber eben einfach nur eine Fernsehtalentshow und kein Wettkampf mit Notar und Videobeweis. Wie soll man denn auch bitte urteilen, ob das rückwärts eine Treppe hochlaufen während man den Bruder auf dem Kopf hat, im Vergleich zum Poledance einer 66-Jährigen nun zehn oder nur neun Punkte wert ist?

Beeindruckende Talente und angenehme Jury

Was an "It's Showtime" aber dann doch anders ist als bei anderen Shows, ist schnell erklärt: 1. Es sitzt kein Dieter Bohlen in der Jury. 2. Stattdessen verteilen Michael "Bully" Herbig, Sänger Sasha und Moderatorin Michelle Hunziker. ihre Punkte 3. Die Regeln sind minimal anders. Es treten pro Kategorie drei Künstler auf, die von der Jury bewertet werden. Aus den Kategoriesiegern wählen die Zuschauer dann den Gesamtsieger. Gestern Abend gab es Artisten, Tänzer, Magier und die Kategorie Oldies but Goldies.

Lohnt sich bei so wenig Innovationsgeist das Einschalten trotzdem? Diese Frage dürfte man am Ende tatsächlich mit einem Ja beantworten, denn es gibt doch ein paar Punkte, die für "It's Showtime" sprechen.

Michael "Bully" Herbig ist zurück im TV: Zusammen mit Michelle Hunziker und Sasha sitzt er in der Jury von "It's Showtime". Im Interview verraten die drei, was hinter der neuen Sat.1-Show steckt - und vor was sie richtig Schiss haben.


Der Hauptgrund dürften auf jeden Fall die Showeinlagen sein. Zwar trat beispielsweise die Tanzgruppe Dance Industry auch schon bei der ProSieben-Show "Got to dance" auf, aber der Großteil der Künstler zeigte tatsächlich Vorstellungen der Kategorie "Das habe ich so noch nicht im Fernsehen gesehen".

Da gab es Cyr-Reifenkünstler, Verbiege-Tänzer, einen Zauberwürfel-Magier, eine Alte-Männer-Tanzgruppe oder eben besagtes Bruder-Paar, dessen Hauptfähigkeit darin besteht, dass der eine mit einem beliebigen Körperteil auf einem ebenso beliebigen Körperteil des anderen stehen kann.

"It's Showtime": Funktioniert als Familienshow

Zudem ist vor allem die Jury positiv aufgefallen. Statt eines unangenehmen Runtermachens der Künstler bildeten Hunziker, Sasha und Herbig eine wirklich funktionierende Einheit, bei der jeder seinen Part witzig und vor allem charmant spielte. Besonders "Bully" Herbig blühte als Alleinunterhalter auf.

Ein paar allzu einstudierte Einlagen gab es gestern zwar auch, aber alles in allem war das fast durchweg angenehm und dass über das Moderatoren-Pärchen Annemarie und Wayne Carpendale erst hier zu lesen ist, liegt einzig und alleine daran, dass die beiden den Abend auffällig unauffällig über die Bühne brachten.

"It's Showtime" funktioniert als angenehm unaufgeregte Familienshow, sofern die Kinder sonntags bis 23.30 Uhr aufbleiben dürfen. Gelohnt hat sich der gestrige Abend auch für die Tänzer von der Dance Industry. Die bekamen zuerst fast die Hälfte aller Zuschauerstimmen und danach noch 25.000 Euro Preisgeld vor Steuern.

Dass Thomas Gottschalk bei seinem "Little Big Stars" von einem völlig übermotivierten Schnitt die eigene Show versaut bekam, dürfte das Entertainer-Idol sicher geärgert haben. Vielleicht hat er ja inzwischen ein kleines Entschuldigungssträußchen nach Kalifornien geschickt bekommen und kann sich nun mit seiner ehemaligen "Wetten, dass..?"-Co-Moderatorin Michelle Hunziker freuen, dass wenigstens ihr dieses Schicksal erspart geblieben ist.

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