"Mit Mindestabstand, aber maximaler Stimmung" wollte Florian Silbereisen am Samstagabend im Ersten die Schlager-Live-Shows vom Coronavirus zurückerobern. Das gelang ihm tatsächlich – mit einem Gewächshaus-Anzug, einer wilden Mischung und dem Bällebad des Grauens.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock

"Ich glaub', es geht schon wieder los." Es war kurz vor halb zwölf, als Roland Kaiser diese Zeilen in den alpinen Nachthimmel bei Kitzbühel schmetterte und irgendwie hatte er recht, aber irgendwie auch wieder nicht. Nicht, weil da das meiste schon gelaufen war, denn DJ Ötzi machte direkt im Anschluss mit seinem Klatsch-Stampf-Mitgröl-Klassiker-Cover "Hey! Baby" den Deckel auf diesen Abend.

Irgendwie hatte Kaiser aber doch recht, denn die Silbereisen-Show "Schlager, Stars & Sterne" holte am Samstagabend die Schlager-Live-Show-Welt aus ihrer Corona-Pause. Und das machte Silbereisen von Beginn an mit der ihm eigenen Superlativierei: Die "höchste Eurovisions-Show" habe man arrangiert, dazu eine "360-Grad-Kulisse", was eigentlich nur bedeutete, dass man aus Gründen des Corona-Sicherheitsabstands die Zuschauer um einen Speichersee nahe Kitzbühel drapiert hatte.

Zieht man diese Flunkerei einmal ab, blieb dennoch ein durchaus hübsches Alpenpanorama, zumindest für die ersten Auftritte, denn selbst in der heilen Schlagerwelt wird es nachts dunkel. Also sprang Florian Silbereisen lieber geschwind in einen Hubschrauber, um sich zur Bühne fliegen zu lassen, wo Beatrice Egli die Show bereits eröffnet hatte. In James-Bond-Manier hechtete Silbereisen nach der Landung wieder aus dem Heli, um die letzten Meter auf dem Motorrad zu überbrücken, dann endlich war er da und durfte die schlagerfreie Corona-Zeit zur coronafreien Schlager-Zeit erklären.

Florian Silbereisen macht, "dass wir wieder feiern können"

Mit einem "Einen wunderschönen Abend und herzlich willkommen!" begrüßte Silbereisen genau 196 Tage nach der letzten Live-Schlagersause das Publikum und ließ sich dafür von Beatrice Egli bewundern: "Du machst es möglich, dass wir wieder feiern können", erklärte Egli, als habe Silbereisen endlich einen Impfstoff gefunden. Wenige Stunden zuvor hatte die WHO übrigens den bisher höchsten Stand an Corona-Neuinfektionen vermeldet. Aber der Silbereisen hatte es zumindest für den Moment gerichtet und so stieg "Die große Seeparty in Österreich", wie die Show mit vollem Namen heißt.

Zur Feier des Tages hatte sich Silbereisen in einen kurzhosigen, weißen Anzug mit Gewächshausprint geworfen, von dem ihn niemand an diesem Abend abbringen konnte. Doch Silbereisens Anzug sollte nicht das Irritierendste gewesen sein.

Nach Egli und "den Jungs von Voxxclub" machte es Silbereisen spannend: "Österreich ist das Land der ganz großen Schlagersänger", verkündete Silbereisen und nennt als Beweis Udo Jürgens und Peter Alexander, ehe er rhetorisch fragte: "Wer könnte das Erbe besser fortführen?"

Ja, wer könnte das sein? Wer könnte der legitime Nachfolger der Legenden Udo Jürgens und Peter Alexander sein? Man weiß jetzt nicht genau, was an dieser Stelle schiefgegangen ist, ob es vielleicht ein Missverständnis gab oder Tonprobleme, aber Silbereisen holte tatsächlich Andy Borg auf die Bühne. Man will dem guten Herrn Borg wirklich kein Unrecht tun, aber der Erbe von Jürgens und Alexander? Das ist selbst für Schlagerwelt-Flunkereien ein bisschen zu viel.

"Schlager, Stars und Sterne": Bällebad mal anders

Doch allzu viele Gedanken konnte man sich darüber nicht mehr machen, denn schon standen die nächsten Künstler auf der Bühne: Es waren Angelo Kelly und Familie. Quasi die Kelly Family 2.0. Die neuen Kellys jedenfalls sangen den irischen Volkslied-Klassiker "The Wild Rover", der in Deutschland besser als "An der Nordseeküste" von Klaus und Klaus bekannt ist. Irritierenderweise passte das Lied auf Englisch sogar in eine Alpenkulisse.

Und wo wir schon bei Familie sind: Dafür, dass die Schlagerwelt in Familien-Hand bleibt, sorgten an diesem Abend Ben Zucker, der seine Schwester Sarah mitbrachte, Jürgen Drews, der seine Tochter Joelina dabei hatte, Lucas Cordalis und seine Frau Daniela Katzenberger und Matthias Reim, der seine Frau Christin Stark ansagen durfte. Ja, bei der "großen Schlager-Familie" achtet man aufeinander.

Für familienfreundliche Komik sorgte dann der Auftritt der Nockis – nicht zu verwechseln mit den Gnocchi. Während die Herren sangen, sollten wohl Tänzerinnen und Tänzer, die in durchsichtigen Gummibällen steckten, auf dem See eine kleine Choreografie aufführen. Offenbar wurde das aber nicht geprobt, denn die Damen und Herren bekamen es einfach nicht hin und fielen in den sich selbst drehenden Bällen hin und her. Aber hey, wer nichts wagt, der nichts gewinnt. Bei der Choreografie passierte zwar das Wenigste mit Absicht, dafür war sie aber der humoristische Höhepunkt der Show.

Eine wilde Mischung: "Schlager, Stars und Sterne"

In der zeigte Silbereisen wieder einmal die ganze Bandbreite dessen, was man so alles unter dem Titel "Schlager" zusammenwürfeln kann: Semino Rossi sang "Oh no Senorita", während zu seinen Füßen junge Frauen in Meerjungfrau-Kostümen mit den Flossen wedelten, die Draufgänger wollten nur, dass Marie glücklich ist, Heino verwurstete den Gefangenen-Chor aus Verdis Nabucco zu irgendeinem Heimat-Geschnulze, die Herren von Fantasy gaben auf dem Tretboot "Auf dem Tretboot" zum Besten, Nino de Angelo war mal wieder "Jenseits von Eden" und eine gewisse Melissa Naschenweng gestand, dass sie auf "Bergbauernbuam" steht.

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Ja, es geht schon wieder los. Wer vor Corona sein Glück in Silbereisen-Schlager-Shows gefunden hatte, bekam auch an diesem Samstagabend das, was er erwartet hatte: eine wirklich wilde Musik-Mischung, Dauer-Gute-Laune, Bilder von der Region, als habe der örtliche Tourismusverband mitgeholfen, dazu bekannte Gesichter, ein bisschen Humor, aber nicht zu keck und einen Moderator, der seinen Job so machte, wie man es von ihm kennt. Corona war an diesem Abend jedenfalls ganz weit weg. Zumindest in den Kitzbüheler Alpen.

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