"Sing meinen Song" hat bei den Zuschauern längst eine treue Fan-Basis. Aus gutem Grund, denn zwischen den Auftritten plaudern die Künstler gerne aus dem Nähkästchen. In der Auftaktfolge der fünften Staffel verrät zum Beispiel Revolverheld-Frontmann Johannes Strate, warum die Band unbedingt ihren Namen ändern musste.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock, Freier Autor

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"Es war in der Tat ein ganz besonderer Abend, den ich mein Leben lang nicht vergessen werden", erklärt Johannes Strate am Ende der Auftaktfolge von "Sing meinen Song" sichtlich gerührt. Warum? Weil es dazu gehört.

Kein Künstler käme bei "Sing meinen Song – Das Tauschkonzert" auf die Idee, die Kollegen mit allzu ehrlicher Kritik zu überziehen, wenn die das eigene Liedgut interpretieren.

Ein "Hätteste mal besser gelassen" kommt hier sicher niemandem über die Lippen. Stattdessen erfolgt nach jedem Lied die obligatorische Lobhudelei, ob ernst gemeint oder nicht.

Bei Johannes Strate klingt die Rührung jedenfalls echt. Man kann natürlich nur spekulieren, aber vielleicht hat Johannes Strate diesen Moment der Glückseligkeit einem ganz bestimmten Ratschlag zu verdanken.

Niedecken: "Geht da hin!"

"Geht da hin!". Es war kein PR-Agent, der diese Worte sprach, sondern niemand Geringeres als Wolfgang Niedecken. In der dritten Staffel rief der BAP-Frontmann all seine Musiker-Kollegen zur Teilnahme an "Sing meinen Song" auf.

Dabei ist natürlich nicht auszuschließen, dass auch die eine oder andere Künstler-Agentur versuchte, ihre Klienten bei dem Erfolgsformat unterzubringen. Ein Platz beim Tauschkonzert verspricht für die Künstler schließlich nicht nur ein paar launige Tage unter Kollegen, sondern auch einen kleinen bis großen Marketing-Schub.

Also haben sich in den vergangenen Jahren so einige Künstler die Mikrofone in die Hand gegeben, die in ihrer Karriere schon einmal am kommerziellen Erfolg genippt haben. Deutsche Top-Künstler mit Weltformat fehlten zwar bislang auf der "Sing meinen Song"-Couch, aber das liegt schlicht daran, dass deutsche Top-Künstler mit Weltformat generell fehlen – zumindest im Segment Popmusik.

Davon abgesehen lässt sich auch die Gästeliste in der inzwischen fünften Staffel sehen: Johannes Strate, Judith Holofernes, Leslie Clio, Marian Gold, Rea Garvey, Mary Roos und natürlich Mark Forster, der zum ersten Mal die Rolle des Gastgebers übernimmt.

Judith Holofernes singt den Song des Abends

In der Auftaktfolge dreht sich alles um Sänger Johannes Strate und das Werk seiner Band Revolverheld. Den Anfang macht Rea Garvey und zeigt, dass der Song "Lass uns gehen" auch in einer englischen Version international ein Hit hätte sein können.

Ganz anderes Bild dagegen bei Leslie Clio, die hier zum ersten Mal im Deutschen Fernsehen auch auf deutsch singt. Clio hat "Halt dich an mir fest" "jamesbonig" gemacht, was zwar erfrischend gut funktioniert, in dieser Version aber dem deutschen Megahit nicht zu internationalem Ruf verholfen hätte.

Judith Holofernes wählte einen anderen Weg. Für ihre Version ließ sie musikalisch das meiste beim Alten, klopfte aber den Text von Revolverheld herunter: "Ich wusste sofort, ich möchte den Song so umschreiben, dass er das spiegelt, was ich alles aus Liebe tue. Das sind teilweise sehr, sehr spezifische Sachen, die ich sehr lustig finde, die aber alle komplett stimmen."

Und so wurde aus "Und wenn es für dich wichtig ist bis nach Barcelona trampen" in der Holofernes'schen Version "Ich würde, wenn's dir wichtig ist, den Hund auch Wolfgang nennen".

"Sing meinen Song" 2018: Judiths Holofernes' Revolverheld-Version geht ins Herz

© RTL Television

Nicht umsonst bekam Judith Holofernes am Ende des Abends von Strate die Auszeichnung des besten Songs.

Vom Tsunamikiller zum Revolverheld

Zwischen all den Neuinterpretationen, die man gut finden kann oder nicht, erzählen die Künstler auf der Couch natürlich auch diesmal wieder das eine oder andere Anekdötchen. So erfährt man zum Beispiel, dass sich die Band Revolverheld zuvor erst Manga und dann noch Tsunamikiller nannte – im Jahr 2004, als über 230.000 Menschen wegen eines Tsunamis ums Leben kamen, ein denkbar ungünstiger Zufall.

Natürlich fehlt auch in Staffel fünf nicht das obligatorische Pathos, die übertriebene Rührung und die Superlativierung der dargebotenen Leistungen.

Wer Spaß an "Sing meinen Song" haben will, der muss das einfach überhören. Wenn man das kann, dann ist "Sing meinen Song" auch in der fünften Staffel die beste Mainstream-Musiksendung im deutschen Fernsehen, mindestens aber die am wenigsten nervigste.

Teaserbild: © imago/Manngold