DJ BoBo hat schon immer polarisiert. Die einen lieben ihn für seine eingängigen Dance-Tracks und hypertrophen Konzerte, die anderen hassen ihn, weil er einfach "DJ BoBo"-Musik macht. Dem grundsympathischen Eidgenossen gehörte jedenfalls der erste Abend der neuen "Sing meinen Song"-Staffel. Seine Tracks wurden von den Kollegen Nura, Stefanie Heinzmann, Johannes Oerding, Gentleman, Joris und Ian Hooper neuinterpretiert und entschleunigt.

Robert Penz
Eine Kritik
von Robert Penz

"Sing meinen Song – Das Tauschkonzert" ist in seine achte Runde gegangen. Abermals heißt es in der neuen Staffel für eine Gruppe von Musikern, sich der Songs der jeweiligen Kollegen anzunehmen und eigene Interpretationen zu offerieren.

Und weil René Peter Baumann aka DJ BoBo in den sieben Staffeln zuvor noch nicht gehuldigt worden war, durfte auch er endlich mit eigenem Liedgut beschallt werden. Ihm gehörte der erste Abend. Die Dreharbeiten zur achten Staffel fanden übrigens nicht wie gewohnt in Südafrika, sondern der Coronakrise wegen in Deutschland statt – in einem Luxusressort an der Ostsee.

DJ BoBo – das eidgenössische Phänomen

DJ BoBo ist ein außergewöhnlich sympathischer Kerl, der im Laufe von drei Jahrzehnten seine Eurodance-Mucke von den Autoscooter-Plätzen in die großen Stadien dieser Welt überführt hat. Heißt: Der größte Popstar, den die Schweiz jemals hervorgebracht hat, hat sich längst im Musikgeschäft festgezurrt und füttert von dort am laufenden Band den breiten Geschmack mit veritablen Hits – darunter etwa "Somebody dance with me", "Everybody" oder "Love is all around".

Der heute 53-Jährige tourte zudem seinerzeit mit Michael Jackson und hatte einst sogar die Backstreet Boys und NSYNC in seinem Vorprogramm. Am Dienstagabend waren es die Kollegen Nura, Stefanie Heinzmann, Johannes Oerding, Gentleman, Joris und Ian Hooper, der Sänger der "Mighty Oaks", die sich mit den Tracks des 53-jährigen gelernten Bäckers auseinanderzusetzen hatten.

Motto des Abends: DJ BoBo hörbar machen

Johannes Oerding, der neue "Tauschkonzert"-Gastgeber trug zu Beginn gleich mal dick auf und bezeichnete den Eurodance-Veteranen aus der Eidgenossenschaft als "lebende Legende". Musikalisch startete der süße Reigen aber mit Stefanie Heinzmann, die sich den BoBo-Song "Love is all around" zur Brust nahm.

Die 32-Jährige quetschte aus der Kaugummi-Dance-Nummer eine patente Soul-Version mit zarten Dance-Einspritzungen. "Ich wusste gar nicht, dass das Lied so gut ist", gestand auch der Star des Abends selbst. Gleich danach gab Rapperin Nura BoBos Hit "Freedom", den sie mit eigenen Lyrics auflud, was die Kollegenschaft auf der Couch erstmals zappeln ließ.

"Man hat bei dem Text gespürt, dass sie ihre ganze Geschichte raushaut", kommentierte der Schweizer die Darbietung. Und überhaupt sei ja Nura einfach ein "Freedom Fighter". Heinzmann hatte indes "Pipi in den Augen".

Von wegen "härteste Jury der Welt"

Sänger Sasha behauptet einmal, bei "Sing meinen Song" stelle man sich der "härtesten Jury der Welt". Mehr daneben kann man eigentlich gar nicht liegen. Denn im Nebel der gegenseitigen Beweihräucherung tauchte auch in der ersten Folge der neuen Staffel nicht einmal ein Hauch von Kritik auf.

Dass die Serie ihres "Friede, Freude, Eierkuchen"-Settings seitens der TV-Konsumenten so leidenschaftlich aufgenommen wird, ist durchaus bemerkenswert. Sogar Zuseher, die nicht einen einzigen der teilnehmenden Künstler schätzen, aber dennoch regelmäßig bei "Sing meinen Song" vor der Kiste sitzen, soll es reichlich geben. Dass in diesem Format zumeist Protagonisten agieren, die ihr Handwerk prinzipiell verstehen und gut bei Stimme sind, könnte ein Grund für die Popularität des "VOX"-Produkts sein.

Nura: "Der könnte über Durchfall singen"

Denn auch Ian Hooper und Gentleman lieferten BoBo-Versionen untadeliger Qualität, im Grunde sogar echte Bretter ab. So legte der aus dem Nordwesten der USA stammende "Mighty Oaks"-Sänger spannenderweise eine tadellose Südstaatenrock-Version des Tracks "Life goes on" ab. "Der könnte über Durchfall singen, und es würde sich krass geil anhören", äußerte sich Rap-Schnauze Nura über die Performance des "Mighty Oaks"-Barden.

Gentleman wiederum transformierte die quietschbunte Tanznummer "Let the dream come true" in eine formidable Midtempo-Ballade, die den Schweizer Erfinder sichtlich berührte. Auch Joris, der bei "There is a Party" als Nachwuchs-Sinatra auf Swing setzte, und Stimmgewalt Johannes Oerding ("Pray") machten die Songs selbst für Leute, die bei DJ BoBo immer ein bisschen in die Verzweiflung rutschen, gut hörbar.

Nuras "Freedom" wird "Song des Abends"

"Ihr durchgeknallten Wahnsinnigen. Ich hab nicht zehn Prozent von dem erwartet, was da gekommen ist. Was habt ihr denn da ausgepackt?", freute sich BoBo, der sich am Ende der Sendung bei allen "für einen Megaabend" bedankte. Nuras "Freedom"-Version hatte es dem liebenswerten Schweizer besonders angetan. Er kürte ihre persönliche Vision von Freiheit zum "Song des Abends".