So exzessiv das "Sommerhaus der Stars" verbal auch war, so harmlos ging es in der Finalfolge zu Ende. Andreas und Caro Robens holen sich beim Puzzeln den Sieg gegen Diana Herold und ihren Michael. Beim anschließenden Wiedersehen waren die Sommerhäuser dann aber noch einmal kurz in ihrer alten Verfassung.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock

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Mit dem Einzug von Eva und ihrem Chris war das Sommerhaus der Stars in zwei Lager gespalten: Team Mangold gegen Team Benetatou, Team Rose-Vergeber gegen Team Rose-Nichtbekommerin, Team Dampfkessel gegen Team Topfhandschuhe. Die einen wähnten sich auf der Seite des Rechts, den anderen blieb nur die Seite der Rechtfertigung. Um diese beiden Pole herum schwirrten die anderen Paare, manche mit fester Stammeszugehörigkeit, andere mit loser Mitgliedschaft.

Sowohl Andrej Mangold als auch Eva Benetatou sind vor der Finalfolge nur noch ein Wikipedia-Eintrag in der Geschichte des "Sommerhauses", doch das Dauer-Gezänk hat Spuren hinterlassen. Caro aus dem Hause Robens, das in dieser Schlacht zwischen Loyalität und Siegesaussicht schwankte, nahm in der vergangenen Folge nämlich Lisha aus dem fast ausgelöschten Team Mangold ihren Nominierungsschutz weg – trotz gegenteiliger Vorankündigung. Die Sache ging für Lisha noch mal gut aus, aber das Tischtuch war zerschnitten.

Mit dieser – wieder einmal – angespannten Ausgangslage geht es also am Sonntagabend ins Finale, für das Lisha – wieder einmal – verbal aufrüstet: "Lou und ich, wir wurden so verletzt, dass wir jetzt bis zur Nominierung so gut schauspielern und am Ende kriegen die den Koffer ins Gesicht geknallt. Ich bin der ekelhafteste Feind, den du nur haben kannst."

Lisha und Lou sind raus - "Finale der Schlangen"

Dass das keine leere Drohung ist, kann man sich anhand von Lishas bisherigem Gesamteindruck zwar schon denken und nachdem sich "die Pharos" als letzte Verbündete verabschieden müssen, hat Lisha nun auch noch freies Schussfeld auf den Feind, ohne, dass es noch zu Kollateralschäden kommen könnte.

Das Dumme ist nur: Nach einem Wissensspiel ist es für Lisha und Lou schneller vorbei als man "juckt mich nicht" sagen kann und so muss die "Koffer-ins-Gesicht-Geste" erst einmal ausfallen. Dementsprechend kann Lisha ihre Meinung Caro nicht mehr ins Gesicht sagen, sondern nur noch dem Kameramann: "Das wird für mich das Finale der Schlangen. Da sind Leute, die ihre Seele verkauft haben für 50.000 Euro."

Ein gutes Preis-Leistungsverhältnis, dürften sich Caro und Andreas Robens denken, schließlich haben andere ihre Seele schon für deutlich weniger verkauft. Am Ende jedenfalls besiegen die beiden Bodybuilder im Finalspiel Diana Herold und ihren Michael. Für 50.000 Euro können sich die beiden nun als Sieger wähnen – aber da hatten sie ja auch noch nicht die ausgestrahlten Zusammenschnitte der Show gesehen.

"Sommerhaus der Stars": Georgina Fleur will Sendezeit nachholen

Die gibt es stattdessen noch einmal beim obligatorischen Wiedersehen im Anschluss an die Finalfolge und beim Betrachten wird klar, dass sich von den Teilnehmern eigentlich niemand so recht als Sieger fühlen sollte. Erst recht nicht, nachdem im Studio noch einmal von Angesicht zu Angesicht die Fetzen fliegen.

Den Auftakt macht Georgina Fleur, die offensichtlichen Nachholbedarf in puncto Selbstdarstellung hat, nachdem sie und ihr Freund Kubilay Özedmir bereits in Folge eins das Haus verlassen haben, weil Özdemir Mangold ins Gesicht gespuckt hatte. "Das ist ja auch meine Show. Ihr habt auch meine Sendezeit gestohlen, indem ihr mich da raus gemobbt hat wie nix", macht Fleur klar, warum sie überhaupt dabei war und wen sie in der ganzen Angelegenheit als eigentliches Opfer sieht. Immerhin kann sich Özdemir noch zu einer Entschuldigung bei Mangold für sein Anspucken durchringen.

Damit konnten Fleur und Özdemir die entgangene Sendezeit zumindest ein bisschen nachholen, ehe Moderatorin Angela Finger-Erben das schmutzige Wäsche waschen und olle Geschichten aufwärmen einleitet. Inhaltlich kommt dabei erwartungsgemäß wenig heraus, es werden alte Beschuldigungen und Animositäten ausgepackt, hier und da ein paar Beleidigungen eingestreut, aber auch ein bisschen Selbstreflexion.

Jennifer Lange: "eine sehr negative Zeit"

Andrej Mangold macht darauf aufmerksam, dass das Ganze nur eine Show sei, Lisha gesteht, dass sie Manches falsch eingeschätzt habe, Andreas Robens rät Fleur und Özedmir zu einer Behandlung, Diana Herold zeigt sich von Mangold enttäuscht, Lou kommt nicht zu Wort und Eva Benetatou ruft zum gesamtgesellschaftlichen Sinneswandel beim Thema Mobbing auf. Nur Denise Kappés und ihr Henning sowie die Pharos sagen – nichts.

Wer bei dem Hauptstreit der Show zwischen Team Eva Benetatou und Team Mangold nun Opfer und wer Täter war, ist am Ende auch nicht mehr aufzuklären, aber auch reichlich egal. Einig scheint man sich lediglich zu sein, dass alles mindestens eine Spur zu heftig war oder wie Lisha es formuliert: "Ich glaube, es ist einfach Vieles zu weit gegangen." Dem mag man kaum widersprechen.

Dementsprechend dürfte auch der Zuschauer unterschreiben, was Jennifer Lange über die Episode "Sommerhaus" denkt: "eine sehr, sehr emotionale und sehr negative Zeit". Das scheint inzwischen auch RTL zu dämmern, denn das Streit-Niveau im "Sommerhaus" ist auch dem Kölner Sender in der Nachschau unangenehm, wie RTL vor kurzem erklärt. Umso verwunderlicher, dass Moderatorin Finger-Erben das Wiedersehen mit den verharmlosenden Worten beschließt: "Ihr habt uns eine nervenaufreibende, spannende Staffel beschert."

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