Die "Ewigen Helden" sind wieder da. Dass sich Profisportler nach ihrer Karriere ein bisschen schwer tun, gab es ja schon öfter. Da freut man sich als Zuschauer jedes Mal, wenn eine Karriere nicht im "Dschungelcamp" ausklingt, sondern nur bei den "Ewigen Helden". Die Show erinnert zwar stark an ein anderes Vox-Format, Spaß macht sie aber trotzdem noch.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock, Freier Autor

Seit der Mensch zu zweit ist, nutzt er diese Zweisamkeit vor allem zu einem: dem Wettkampf. Die Geschichte ist voll von Momenten, in denen Menschen nicht damit zufrieden waren, etwas zu können, sondern es darüber hinaus noch besser können wollten als andere.

Seit 2016 nun konzentriert Vox diesen ewigen Wettkampfgedanken in einer einzigen TV-Show. Bei "Ewige Helden" treffen ehemalige Profi-Wettkämpfer andere ehemalige Profi-Wettkämpfer, um gemeinsam, nun ja, Wettkämpfe zu machen. Nur eben nicht mehr professionell.

Einen Wettkampf in Originalität gewinnt man mit diesem Show-Konzept zwar wahrscheinlich nicht, aber dafür hat "Ewige Helden" in puncto Prominenz ein Alleinstellungsmerkmal. Was anderenorts nämlich alles so an vermeintlichen Berühmtheiten versprochen wird, entpuppt sich in der Regel als leeres Versprechen.

"Ewige Helden": Hier kämpfen wirkliche Promis

Bei "Ewige Helden" ist die Besetzung aber tatsächlich prominent. Es wimmelt hier geradezu von Olympiasiegern und Welt- und Europameistern: Pascal Hens, Jennifer Oeser, Magdalena Brzeska, Hilde Gerg, Philipp Boy, Moritz Fürste, Célia Šašić und Sascha Klein – viel mehr Gold- oder Silbermedaillengewinner hätte man wohl kaum zusammentrommeln können.

Und mit Doppelolympiasieger Markus Wasmeier ist sogar der Moderatoren-Posten prominent besetzt. Gut, dass ist nun ausgerechnet die Position, bei der man am meisten auf einen Profisportler zugunsten eines Profimoderators hätte verzichten können, aber sei's drum. Fakt ist, dass die Teilnehmer schon Helden waren, bevor sie zur Show gekommen sind.

Die Chance, durch die Show zu einem Helden zu werden, noch dazu zu einem ewigen, ist ohnehin vergleichsweise gering. Zumindest erinnert sich wohl kaum jemand noch daran, wer die ersten beiden Staffeln gewonnen hat.

Das soll die Leistung der Kandidaten natürlich nicht kleinreden, denn die Wettkämpfe sind augenscheinlich selbst für ehemalige Profiathleten anspruchsvoll. In insgesamt 24 Disziplinen treten die acht Sportler gegeneinander an, jeder hat dabei ein sogenanntes Heimspiel. Das bedeutet, dass ein Wettkampf auf die ehemalige Sportart des Kandidaten zugeschnitten ist.

"Ewige Helden": Wie "Sing meinen Song" - nur anders

Bei dem ehemaligen Handballer Pascal Hens hat die Athletenschar zum Beispiel am Strand von Sotogrande in Spanien ein Zielwerfen veranstaltet. Wie genau Vox das Heimspiel von Skifahrerin Hilde Gerg an der andalusischen Küste umsetzen wird, darauf darf man gespannt sein.

Sonst erinnert "Ewige Helden" wieder stark an das Voxsche Erfolgsformat "Sing meinen Song", bei dem eine Handvoll Musiker beisammen sitzt und sich gegenseitig die Lieder der anderen vorsingt. Es gibt lediglich zwei Unterschiede.

Zum einen singen die Sportler nicht gemeinsam, sondern machen zusammen Sport – womit wir wieder bei der Ausgangsthese mit dem Wettkampfgedanken sind. Aber Musik kann man eben auch nur schwer gegeneinander machen.

Ansonsten sitzen auch die Sportler abends in einer Villa, die selbst für einen "Bachelor" standesgemäß gewesen wäre, beisammen. Doch während sich die Musiker von "Sing meinen Song" abends gemütlich die Lampen anzünden, kreisen bei den Sportlern vorwiegend die Wasserflaschen.

Dafür blicken auch hier die Teilnehmer auf die einzelnen Karrieren zurück. So wie in der Auftaktfolge auf die von Pascal Hens, der wegen seiner vergleichsweise schmächtigen Arme schon früh nur Pommes genannt wurde. Wie er die Schule eher als Freizeitergänzung wahrnahm, seine ersten Schritte im Profi-Handball machte, über seine beiden Verletzungen bei den Olympischen Spielen 2004 und 2008 bis hin zum WM-Triumph von 2007.

Da wechselt "Ewige Helden" dann von einer Spielshow zu einer interessanten Dokumentation und nimmt ein bisschen Tempo raus.

Célia Šašić tippt auf den richtigen Favoriten

Das hebt sich die Show lieber für die Wettkämpfe auf und hier diskutieren die acht Sportler gleich einmal ihre Favoriten: "Turner sind für mich die perfekten Sportler, die können alles", mutmaßt Fußballerin Célia Šašić mit Blick auf Turner Philipp Boy.

"Fakt ist, dass ich seit 20 Jahren raus bin," redet hingegen Bodengymnastin Magdalena Brzeska ihre Chancen klein, ehe Šašić ein "Da war ich neun Jahre alt", demotivierend hinterher schickt. Am Ende einigt sich die Truppe wegen ihrer Vielseitigkeit auf Siebenkämpferin Jennifer Oeser als Favoritin.

Die aber sieht das Ganze realistischer: "Ich kann zwar vieles, aber nichts so richtig." In der Tat landet Oeser nach den ersten Wettkämpfen auf einem der mittleren Plätze. Richtiger lag da Célia Šašić mit ihrer Turner-These.

Philipp Boy legt nämlich einen fulminanten Start hin und gewinnt zwei der ersten drei Wettkämpfe. Besonders bitter für Pascal Hens: Der Handballer muss sich ausgerechnet in seinem Heimspiel dem Turner geschlagen geben. Zwar schaffen beide beim Zielwerfen am Strand gleichviele Treffer, aber Boy ist eine knappe Minute schneller.

Gewonnen haben neben Boy am Ende aber auch die Zuschauer. Zumindest die, die sich darüber freuen, verdiente Profisportler noch einmal wiederzusehen, ein paar Insider-Geschichten zu hören und mit ihnen auf ihre Karrieren zurückzublicken.

Dass die Sportler noch in Fantasie-Wettkämpen gegeneinander antreten, ist dabei eigentlich nur Nebensache. Dass sie Sport nicht nur vom Hörensagen kennen, haben sie ja nun wirklich bereits bewiesen.

Durchtrainierte Körper, deren Besitzer sich damit in Hindernisparcours duellieren – kennen wir das nicht irgendwoher? Ja, kennen wir. Doch trotz eines eindeutigen Vorbilds ist RTLs "Big Bounce – Die Trampolin Show" eine durchaus akzeptable Freitagabendunterhaltung.