"Das Supertalent": Publikum "schluckt" Bohlens Favoriten

Siebenmal stand er schon vor der Jury. Jetzt hat er sich endlich durchgesetzt. Stevie Starr ist das "Supertalent" 2018.

"Ich liebe diesen Mann": Stevie Starr konnte sich auf Dieter Bohlen verlassen. Worte vom Boss haben Gewicht. "Ich hab' nie verstanden, warum der hier noch nie gewonnen hat." Schon mehrere Male wollte der Engländer mit dem robusten Magen "Supertalent" werden. Jetzt ist der Drops geschluckt!
Brachialer Körpereinsatz: Er stopfte sich schon Billard-Kugeln in die Gurgel. Trotzdem schaffte es Stevie Starr bislang nie zum "Supertalent"-Sieg. Dabei stand er schon siebenmal vor der Jury. Kaum zu glauben, doch "wohl recherchiert", wie Daniel Hartwich versicherte. "Wir sind ja hier bei RTL und nicht beim 'Spiegel'."
Trotzdem: Was die Jury im Finale sagte, war wumpe. Das "Supertalent" wählen die Zuschauer - per Anruf. Nur so lassen sich frühere Katastrophen erklären. Diesmal konnte Daniel Hartwich in der Vor-Weihnachtssendung wenigstens frohe Botschaften verkünden. "In diesem Jahr wird kein Hund gewinnen." Er hielt Wort.
Mach mal wieder halblang: Luciano, Holger und Rosario meinten zu wissen, was das Publikum - und vor allem Dieter Bohlen - hören wollte. Songs von Beatrice Egli, Pietro Lombardi oder Vanessa Mai. Ganz schön ranschmeißerisch. Und letztlich auch verzweifelt erfolglos!
Die drei Step-Out-Artisten hatten es dank Sylvie Meis direkt ins Finale geschafft. Ihr Herz war ihnen auch diesmal wieder sicher. Allerdings auch frecher Spott von Dieter Bohlen: "Einen fliegen lassen - und jeder freut sich. Das muss man auch erst mal schaffen." Wo er Recht hat.
"Das sieht man sonst nur auf LSD", ätzte Daniel Hartwich über Olena Uutais Tierstimmen-Techno-Show. Trotzdem gefiel ihm immerhin ihr Outfit: "Viel Inspiration für den Weihnachtsbaumschmuck."
Nanu? Kevin James im "Supertalent"-Finale? Ach nee: Es war dann doch nicht der "King of Queens", sondern Andreas Maintz, der Bäcker mit der wuchtigen Bühnenpräsenz. Den Breakdancer hatten vor allem seine vielen Fans im Saal schon als sicheren Sieger gesehen. Doch es kam anders, bitter anders.
Kann es sein, dass nur Sylvie Meis so richtig von Sänger Kevin Elsnig überzeugt war? Dieter Bohlen jedenfalls heuchelte die Sympathie für die hohen Töne nur. "Ich habe als zweiter Eunuch bei Modern Talking gearbeitet."
Hannes Schwarz, der furiose Feuermeister, dachte auch, er wäre ein Buddy von Bohlen. Doch dann zündete seine Zündel-Show nicht wirklich - obwohl er sich reinhängte und brüllte wie ein Stier.
Die Fair Play Crew hatte es nur durch einen traurigen Zufall ins Finale geschafft. Sie rückten nach für die Seiltänzerin Ameli, die sich beim Training den Arm gebrochen hatte. Immerhin: Bohlen versprach ihr, dass sie 2019 direkt im Endkampf antreten darf. Für den Comedy-Tanz der Crew interessierte sich ohnehin kaum jemand.
Oh weh: Noch mal Tierstimmen! Bitte nicht: Gennady Papizh hatte es seltsamerweise ins Finale geschafft. Am Schluss seiner kruden Nummer ließ es die Bühnentechnik auf ihn regnen. Und irgendwie passte das. Begossener Pudel.
Genauso rätselhaft, was eigentlich der US-Muskelmann JD Anderson in der Endrunde verloren hatte. Rumbrüllen, schwitzen und dann mit Kawumm allerlei Gegenstände zertrümmern: Für ihn mag das therapeutisch wirken. Eine Show ist das noch lange nicht.
Das sympathische Trio Mo' Voces, die Dieter Bohlen per Golden-Buzzer-Druck ins Finale geholt hatte, hätten dagegen locker siegen können. Sie punkteten mit tollen Stimmen und einer sympathischen Präsenz. Und sie hatten das Mitleid des Chef-Jurors im Rücken: "Es macht mich traurig, dass so tolle Musiker putzen gehen müssen."
In einer gerechten Welt hätte auch der Pizzabäcker Lorenzo Sposato souverän siegen können. Aber immerhin: Er landete unter den besten Drei. Von einer "Gänsehaut" sprach Dieter Bohlen. Und glaubt man Daniel Hartwich, dann war Sylvie in den Castings dahingeschmolzen "wie eine Scheibe Gouda im Steinofen". Lecker!
Gewinner der langen Nacht war dann eben doch der Schluck-Zauberer Stevie Starr. "Ich könnte ihn abküssen", sagt Bohlen vor dem Auftritt. So ganz so berauschend war der dann doch nicht - trotz putziger Weihnachtsatmosphäre. "Du bist Kult bei uns geworden", lobte ihn Sylvie. Sie war froh, dass diesmal keine Messer aufblitzten.
Stevie Starr ist eben nicht nur ein Super-, sondern auch ein Durchhalte-Talent. Und er profitierte von einer letztlich doch schwachen Konkurrenz. Nur den letzten Gag, den Daniel Hartwich ihm nahelegte, wollte er dann doch nicht mehr durchziehen. "Ich würde so gerne sehen, wie du 100.000 Euro verschluckst."