"Tatort": Die zehn größten Aufreger

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Protestkundgebungen vor dem Hauptstadtstudio; ein wütender Ministerpräsident; ein echter Terrorist, der aus Versehen ins Bild geriet - die Geschichte des "Tatorts" ist reich an Skandalen. © teleschau - der mediendienst GmbH

Vorhang auf für ein kleines bisschen "Hardcore": Ivo Batic (Miroslav Nemec, li.) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) kommen im gleichnamigen "Tatort" aus dem Staunen nicht heraus. Am Pornoset werden sie von einer Darstellerin (Jara Maria Anders) in allerlei Geheimnisse der Szene eingeführt. Skandal?! Geschmackssache. Hier jedenfalls sind zehn "Tatort"-Folgen, die für Kontroversen sorgten ...
"Tatort: Reifezeugnis" (1977): Ein Lehrer Anfang 30 verliebt sich in eine Minderjährige, die sich lasziv zur besten Sendezeit auf dem Bildschirm als Verführerin gibt. Was damals ein Skandal war, wäre auch heute noch einer. Zumal: Nastassja Kinski (Bild), die damals die 17-Jährige spielte, war in Wahrheit erst 15 und zeigte viel Haut.
"Tatort: Tod im U-Bahnschacht" (1975): Drei Jahre lang ermittelte der Schauspieler Martin Hirthe (Bild) als Kommissar Schmidt in Berlin. Sein erster Fall sorgte deutschlandweit für Entsetzen ob einer Unfallszene, bei der die Kamera gnadenlos draufhielt. Sogar der CSU-Vorsitzende Franz Josef Strauß schaltete sich dem Vernehmen nach ein und beklagte einen "Banditenfilm aus Montevideo mit Bordelleinlage".
"Tatort: Der gelbe Unterrock" (1980): 35 Jahre lang behielt die ARD den "Tatort" mit Kommissarin Buchmüller (Nicole Heesters, r.) im viel zitierten "Giftschrank", ehe er Anfang 2016 noch einmal gezeigt wurde. Zum einen, weil er qualitativ - ganz objektiv gesehen - miserabel war. Zum anderem, weil er die Gewaltfantasien eines psychisch gestörten Kleiderfetischisten allzu deutlich formulierte.
"Tatort: Blutspur" (1989): Der Schimanski-"Tatort" wurde mehr als zehn Jahre nicht ausgestrahlt, weil er reihenweise Morde an Schiiten und anderen Minderheiten zeigt. Er gehört zu den brutalsten "Tatorten" aller Zeiten, aber fraglos auch zu den schlechtesten des legendären Duisburger Ermittlerduos.
"Tatort: Krokodilwächter" (1996): Auch der vierte Fall des mäßig erfolgreichen Berliner Duos Roiter (Winfried Glatzeder, r.) und Zorowski (Robinson Reichel) verschwand auf Ewigkeiten in den ARD-Archiven. Der Vorwurf: sexistische und menschenverachtende Darstellungen. Es ging um Ermittlungen im Rotlichtmilieu.
"Tatort: Bestien" (2001): Gleich zweimal geriet der "Tatort" aus Köln in die Schlagzeilen: Zum einen ließ Kommissar Ballauf (Klaus Behrendt, M.) die Mörderin trotz Beweisen laufen, was zu einer Diskussion zum Thema "Lynchjustiz" führte. Zum anderen ist in einer kurzen Szene auf Ermittlungsakten das Foto des NSU-Terroristen Uwe Mundlos zu sehen, der damals noch weitgehend unbekannt war.
"Tatort: Die Liebe der Schlachter" (2003): Der Bremer "Tatort" wurde vor allem in den Boulevardmedien zum Skandal gemacht. Ein Mann landet darin mit dem Rücken an einem Fleischerhaken und stirbt. Die explizite Darstellung dieser Tat sorgte für Aufsehen, wenngleich nicht lange. (Im Bild v.li.: Maja Maranow, Peter Kurth und Hannes Jaenicke.
"Tatort: Wem Ehre gebührt" (2007): Der Krimi löste erhebliche Proteste in der alevitischen Gemeinde aus, nachdem Themen wie Inzest und Ehrenmord behandelt wurden. Es kam zu Protesten vor dem ARD-Hauptstadtstudio. Der Film mit Aylin Tezel (r.) und Maria Furtwängler als Kommissarin Lindholm wird seither nicht mehr wiederholt.
"Tatort: Franziska" (2013): Aus Jugendschutzgründen durfte der Film erst um 22 Uhr gezeigt werden. Der tatsächlich psychisch fordernde Krimi brach mit einem Tabu: Er geht nicht gut aus. Die Titelfigur stirbt qualvoll. Tessa Mittelstaedt verabschiedete sich auf diese Weise als Kölner Ermittlerin Franziska Lüttgenjohann.
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