Noch am Fundort stellt Kommissar Thiel im "Tatort: Fangschuss" fest, dass das Opfer durch einen Kopfschuss getötet wurde. Trotzdem wird die Leiche noch einmal von Professor Boerne obduziert. Ist das wirklich nötig, obwohl die Todesursache doch bereits feststeht? Der "Tatort" im Kurzcheck.

Es ist eine typische Szene aus einem Krimi: Auf einem Seziertisch liegt eine Leiche und der Rechtsmediziner gibt seinen Befund an den Ermittler weiter. Auch im "Tatort: Fangschuss" erklärt Professor Boerne Kommissar Thiel, was er bei der Obduktion herausgefunden hat. Aber warum wurde der Tote mit dem Kopfschuss überhaupt noch einmal obduziert?

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Manchmal ist eine innere Leichenschau notwendig

Zunächst einmal: Es gibt es verschiedene Arten der Leichenschau.

Ganz grob unterscheidet man zwischen der äußeren und der inneren Leichenschau, erklärt Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke an einem Beispiel: "Ein Obdachloser wird tot aufgefunden. Jeder kannte ihn und er trank häufig Alkohol. Es mag zwar keine offensichtlich natürliche Todesursache vorliegen, aber auch keinen Hinweis auf eine besonders unnatürliche wie Erschlagen oder Erwürgen. Dann wird wahrscheinlich keine innere Leichenschau vorgenommen – das kostet ja auch Steuergelder – und am Ende wird dann eine vermutliche Todesursache festgelegt."

Ganz anders sieht es laut Benecke bei Fällen aus, die "ein hinreichendes Interesse" erzeugen. Bei einem Kopfschuss wie im "Tatort" könne das Opfer ja auch zufällig an einem natürlichen Tod gestorben sein und der Täter hätte auf eine Leiche geschossen. "Gerade, wenn ein soziokulturelles, juristisches oder politisches Interesse vorliegt, wird in der Regel eine innere Leichenschau gemacht", erklärt der Kriminalbiologe.