Fehlende Reinigungsfirma, Darmbakterien in der Küche und miese Arbeitsbedingungen: In der neuen RTL-Reportage "Team Wallraff" decken Undercover-Reporter skandalöse Zustände in mehreren süddeutschen Burger-King-Filialen des Franchisenehmers Ergün Yildiz auf. Nicht wenigen Fast-Food-Freunden dürfte der Appetit dadurch gründlich vergangen sein.

Günter Wallraff ist eine Koryphäe des deutschen Investigativjournalismus. Seit den 1960er Jahren recherchiert der heute 71-Jährige als Undercover-Reporter und deckt so Missstände in Politik und Großunternehmen oder den alltäglichen Rassismus in unserer Gesellschaft auf. In der neuen RTL-Reportage "Team Wallraff - Reporter Undercover" tritt er nun vor ein breites Publikum.

Genau dieses Publikum spricht Wallraff in der ersten Folge auch an. Denn der erste Einsatz führt das Reporter-Team sozusagen in das Epizentrum des Massenkonsums: Die Fast-Food-Kette Burger King. Was die Journalisten dort vorfinden, verschlägt einem glatt die Sprache. Denn die Zustände, die in den untersuchten Filialen von Franchisenehmer Ergün Yildiz in Süddeutschland vorherrschen, sind alles andere als appetitlich.

Umettikettierung und Darmbakterien

Um den Profit zu maximieren, spart Yildiz an allen Ecken und Enden. Das fängt bei einem mageren Stundenlohn von 7,71 Euro Brutto an. Durch einen Trick wird dabei außerdem das Urlaubsentgelt gekürzt. Minijobbern werden gesetzliche Ansprüche wie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall komplett verweigert. Abgesehen von dem enormen Druck, der auf den Mitarbeitern lastet, schockieren vor allem die hygienischen Zustände. Um nach interner Vorschrift bereits abgelaufene Lebensmittel weiter als frisch verkaufen zu können, wird durch Umetikettierung die Haltbarkeit der rohen und verderblichen Ware einfach verlängert. So bekommt der Kunde am Ende teilweise längst abgelaufene Zutaten auf seinen Burger.

Weil eine Reinigungsfirma angeblich zu teuer ist, müssen manche Mitarbeiter sogar Toiletten reinigen und anschließend, ohne die Arbeitskleidung zu wechseln, Essen zubereiten. In einer Test-Filiale entnahmen die Reporter Proben, in denen ein Hygieneinstitut Darmbakterien nachweisen konnte. Andernorts gab es nicht einmal Geschirrspüler oder Dosenöffner.

Natürlich ist das Format extrem reißerisch und für den Massengeschmack aufbereitet. Darin liegt eine gewisse Ironie, die jedoch gleichzeitig das große Plus von "Team Wallraff" ist. Denn womöglich kann man die breite Masse nur mit Massenware zum Nachdenken anregen. (lug)