Die ersten zwei Teile von "Terminator" setzten Maßstäbe im Action- und Sci-Fi-Genre. Teil vier gab sich alle Mühe, die Reihe in den Abgrund zu reißen. Jetzt gibt es mit "Terminator Genisys" den Versuch einer Wiederbelebung. Dank eines ziemlich brillanten Einfalls gelingt die sogar.

Arnold Schwarzenegger feiert im Juli seinen 68. Geburtstag. Ohne ihm zu nahe zu treten, kann man sagen, dass er nicht mehr der Jüngste ist. Wie soll er da noch einmal als Terminator die Welt retten? Die Drehbuchautoren Laeta Kalogridis und Patrick Lussier greifen dafür ganz tief in die Trickkiste - doch dazu später mehr.

Schwarzenegger schlüpft wieder in die Rolle seines Lebens.

Zunächst einmal beginnt die Handlung genau so, wie wir es in Teil eins erzählt bekommen haben: Die letzten Menschen wehren sich in der Zukunft gegen die Maschinen, die auf der Erde die Macht übernommen haben. Als ihnen unter der Führung von John Connor (Jason Clarke) der vermeintlich entscheidende Schlag gelingt, müssen sie erkennen, dass kurz zuvor ein Terminator in das Jahr 1984 zurückgeschickt wurde, um John Connors Mutter Sarah ("Game of Thrones"-Star Emilia Clarke) zu töten. John schickt den Soldaten Kyle Reese (Jai Courtney) hinterher, um seine Mutter zu beschützen.

Als der aber im Jahr 1984 ankommt, ist alles ganz anders als bislang bekannt: Statt einer verschüchterten Kellnerin erwartet Kyle eine bis auf die Zähne bewaffnete Amazone - die einen auf brav programmierten Terminator (Schwarzenegger) an ihrer Seite hat. Der hat sie schon als kleines Kind vor einem Killerroboter gerettet und sie zur Widerstandskämpferin trainiert. Wer ihn geschickt hat, ist unbekannt - sicher ist nur, dass durch die Zeitsprünge nichts mehr so ist wie zuvor. Um die Machtergreifung der Maschinen aufzuhalten, müssen Sarah und Kyle in das Jahr 2017 reisen - wo sie ein neuer Feind bereits erwartet.

Eine Stunde Interviews mit Arnold Schwarzenegger, Emilia Clarke und Jason Clarke zu "Terminator Genisys". Das klingt nach viel Zeit für interessante Gespräche. Ist es aber nicht - wie ich beim Termin im Adlon Berlin leicht ernüchtert feststellen muss.

Kurz zusammengefasst klingt die Handlung von "Terminator Genisys" völlig verworren. Und tatsächlich muss auch Kyle Reese im Film irgendwann zugeben, dass er Kopfschmerzen bekommt, wenn er über Zeitsprünge und alternative Zeitebenen nachdenkt. Gleichzeitig hat das aber zwei sehr erfreuliche Nebeneffekte: Zum einen haben die Ereignisse von Teil drei und vier der "Terminator"-Reihe so nie stattgefunden - wir können die beiden mehr oder weniger misslungenen Filme also als überflüssig betrachten. Zum anderen wird so erklärt, wie es sein kann, dass das Äußere des T-800 etwas in die Jahre gekommen ist.

Die Hautschicht über dem Metallskelett des Terminators altert nämlich wie bei einem Menschen - wenn er lange genug unterwegs ist, dann sieht auch ein Roboter irgendwann wie ein älterer Herr aus. Und er ist lange unterwegs, der T-800: Während Sarah Connor und Kyle Reese mit der Zeitmaschine aus dem Jahr 1984 nach 2017 reisen, nimmt der Terminator "den langen Weg". Er wartet einfach 33 Jahre auf die Ankunft seiner beiden Mitstreiter. Damit entspricht seine äußere Hülle der eines Mitt-Sechzigers - und plötzlich ist es wieder völlig plausibel, dass Arnold Schwarzenegger noch einmal die Rolle seines Lebens spielen kann.

Für Studios sind mehrteilige Filmreihen ideale Geldmaschinen: Die Zuschauer wissen, was sie erwartet, die Werbung muss nicht erst umständlich erklären, worum es geht. Dabei geht den meisten Franchises aber spätestens rund um den dritten oder vierten Teil die Luft aus. "Terminator Genisys" schafft jetzt das Kunststück, mit einem fünften Teil wieder an alte Form anzuknüpfen. Die visionäre Qualität von James Camerons ersten beiden Teilen kann er natürlich nicht erreichen, aber das ist auch gar nicht das Ziel. Dieser Terminator ist einfach ein gelungener Action-Film mit einer interessanten Handlung und ordentlich herausgearbeiteten Charakteren. Großes Popcorn-Kino eben.