Mit der "rätselhaften Weihnachtsshow" erhöht ProSieben zum Ende des Jahres noch einmal die Schlagzahl und zeigt eine dritte Ausgabe seiner Erfolgsshow "The Masked Singer". In der geht es natürlich weihnachtlicher, mit nur drei Promis aber auch wesentlich knackiger zu als beim Original. Für eine große Überraschung sorgte ein Malle-Sänger im Geschenk-Kostüm.

Christian Vock.
Eine Kritik
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Um 22.11 Uhr ist sie dann endlich unten, die letzte Maske und Publikum, Rate-Jury und natürlich die Zuschauer zuhause wissen endlich, wer "The Masked Singer" gewinnt und unter der Maske der Gans steckt. Es ist: Yvonne Catterfeld! Aber Moment! Hatte nicht Alexander Klaws "The Masked Singer" gewonnen und steckte er nicht unter dem Kostüm von Mülli Müller? Die Antwort: Beides ist richtig.

Denn bei ProSieben ist man nicht auf den Kopf gefallen und hat aus den Schlagworten "Erfolgsshow" und "Weihnachten" für den zweiten Weihnachtsfeiertag eine Sonderausgabe seines Riesenhits "The Masked Singer" gebastelt. Da kann man dem Sender aus Unterföhring natürlich den Vorwurf machen, aus seiner Erfolgsshow mit allen Mitteln den letzten Werbecent zu wringen und läge damit gar nicht so falsch. Beispiele für so etwas gibt es ja viele.

Andererseits kann man aber auch fragen: Warum denn nicht? Zum einen ist es ja nicht verboten, mit seiner Arbeit Geld zu verdienen. Zum anderen wird Erfolg im Fernsehen nicht nur in Werbeeinnahmen gemessen, sondern auch in Marktanteilen.

Mit anderen Worten: Warum also sollte es verkehrt sein, ein Erfolgsformat fortzuführen, wenn es doch beim Zuschauer so gut ankommt? Eine Win-Win-Situtaion, wenn man es etwas neudeutscher haben will.

"The Masked Singer": nicht rätselhafter, aber weihnachtlicher

"The Masked Singer – die rätselhafte Weihnachtsshow" heißt das Ganze leidlich originell. Aber es ist eben nicht viel Spielraum, wenn man "The Masked Singer" und Weihnachten im Titel unterbringen will. Viel Spielraum hat man dann natürlich auch nicht beim Konzept, denn schließlich muss man die Show auch in der Weihnachtsedition irgendwie wiedererkennen. Und das sah dann so aus:

Da man die Show mit zwei Stunden kürzer und zuschauerfreundlicher gestaltet hat, treten nur drei kostümierte Promis auf: eine Gans, ein Rentier und ein Geschenk. Jeder Promi singt ein Lied, dann darf diesmal das Studio-, nicht das TV-Publikum entscheiden, wer zuerst rausfliegt und seine Maske fallen lassen muss. Das Ganze wiederholt sich noch einmal im Finalduell, sodass dann spätestens um 22.15 Uhr feststeht, wer die "rätselhafte Weihnachtsshow" gewinnt.

Damit wären wir dann auch schon beim Stichwort "Weihnachtsshow". Denn rätselhafter ist hier im Vergleich zum Original nichts, aber dafür natürlich weihnachtlicher. Das Studio ist mit allerlei Weihnachtsdekogedöns geschmückt und die Tänzer und Tänzerinnen sausen als Christbaum, Lebkuchenhaus, Grinch, Glöckchen oder Christbaumkugel herum.

Rea Garvey, Ruth Moschner und Andrea Sawatzki in der Rate-Jury

"Was ist denn hier mit Gold, Weihrauch und Myrre?", fragt Moderator Matthias Opdenhövel und führt mit dieser Wortspielerei die Ratejury ein. Die besteht wie immer aus Ruth Moschner und Rea Garvey, als Gastjurorin hat man Andrea Sawatzki eingeladen, die in der letzten regulären Ausgabe als Axolotl zu sehen war. Dass man mit den Kostümen ebenfalls einen Weihnachtsbezug hergestellt hat, ist offensichtlich, dass Gans, Rentier und Geschenk dann auch Weihnachtslieder singen, nur folgerichtig.

Die Gans beginnt mit "Santa Claus Is Coming to Town" und nachdem ein Weihnachtsengel – dass wirklich Bülent Ceylan darunter steckt, erfährt man erst kurz vor Schluss – die Indizien vorgelesen hat, ist offensichtlich, dass unter der Maske ein tierlieber Promi steckt: "Keiner muss Fleisch essen, denkt an unsere Gänse, Hühner und Schweine", heißt es in den Indizien. "Sie isst kein Fleisch", erkennt dann auch Sawatzki schnell die schöne Botschaft der Gans.

Das Rentier hat sich für eine Eigeninterpretation von "Fröhliche Weihnacht überall" entschieden und das Geschenk vertont ein Ave Maria. Das ist mal angenehm zu hören, mal weniger, aber an Weihnachten nimmt man ja auch sonst einiges in Kauf. Und bei "The Masked Singer" ging es ohnehin nie um einen Gesangswettbewerb, auch wenn doch recht auffällig ist, dass die meisten Gewinner doch hauptberuflich Sänger und Sängerinnen waren.

Dieser Promi steckte im Geschenk-Kostüm

Trotzdem liegt auch bei der Weihnachtsausgabe von "The Masked Singer" der eigentliche Spaß im Raten und da liegt die Jury gleich mal völlig verkehrt. Das Rentier muss sich nämlich schon nach Runde eins verabschieden und bevor es die Maske abnimmt, ist sich die Jury sicher, dass es unbedingt ein Sportler sein muss. Die Namen Robert Harting, Felix Neureuther, Bastian Schweinsteiger oder Stefan Kretzschmar schwirren durch den Raum.

Zur Überraschung aller steckt aber ProSieben-Moderator Steven Gätjen im Rentier-Kostüm. "Das ist nicht okay, weil du bist einer von uns", beschwert sich Rea Garvey, doch Gätjen ist das egal, er freut sich sichtlich, für einen Profisportler gehalten worden zu sein.

Noch größer ist Garveys Überraschung dann, als sich im Anschluss das Geschenk auspacken muss. Hier vermutete Garvey einen Hobby-Sänger und tippte auf Ingo Zamperoni. Stattdessen steckt aber Malle-Gröler Mickie Krause im Geschenk-Kostüm.

Ruth Moschner hatte da den besseren Riecher, aber auch einen Vorteil. Denn sie glaubte, die Beine von Krause erkannt zu haben. "Ich guck nie die Waden von jemanden an. Das ist eine ganz neue Erfahrung", gesteht hingegen Rea Garvey.

Dafür liegt der Sänger immerhin bei der Siegerin richtig. Denn nach knapp zwei Stunden und viel zu vielen Gans/ganz-Wortspielen nimmt Sängerin Yvonne Catterfeld ihre Gans-Maske ab. Da hatte Matthias Opdenhövel schon längst den Hinweis platziert, dass ProSieben Anfang Januar mit "The Masked Dancer" weiter auf der Erfolgswelle der Show reiten wird. Warum denn auch nicht.