Erdrutschsieg: Claudia Emmanuela Santoso gewinnt mit Coach Alice Merton das "Voice"-Finale

Wer auch nur den geringsten Zweifel an ihrem fulminanten Sieg hatte, musste die permanenten, lautstarken "Claudia, Claudia"-Sprechchöre während des Live-Finales von "The Voice of Germany" komplett überhört haben. Mit der Indonesierin siegte nach einer grandiosen Staffel ein echtes Ausnahmetalent.

Als Alice Merton bei den Blind Auditions - nach vier leidenschaftlichen Buzzern für Claudia - die schüchterne Asiatin in ihr Team locken konnte, war "TVOG" eigentlich schon gelaufen. Am Ende steht fest: Auch der Show-Debütantin Merton ("No Roots") gelang ein Coup. Sie ist - als Coach - die erste "The Voice"-Siegerin.
Wie ernst die Coaches den Abend aller Abende nahmen, sah man allein schon an der Fest-Garderobe. Selbst Sido hatte den üblichen Ballonseiden-Trainingsanzug gegen feinen Zwirn eingetauscht. "Du siehst aus, als könnte man bei dir ein sehr gutes Schnitzel bestellen", spottete Kollege Mark Forster, der sich modisch vergriffen hatte.
Nicht ganz so viel Wirbel um sein Äußeres wollte Rea Garvey aufkommen lassen. Allerdings trug der olle Ire die Haarpracht erstmalig offen. Vielleicht auch, weil er sich - in Konkurrenz zur späteren ersten Frauen-Siegerin Alice - eine feminine Note geben wollte. Rea und und sein Schützling Erwin kamen ja auch weit.
Allerdings schaffte es Erwin, der Comeback-Man, der schon bei "DSDS" angetreten war und dort nicht siegen konnte, eben doch nur auf den ungeliebten zweiten Platz - und das mit einem Riesen-Abstand auf die Siegerin. Claudia heimste 46,39 Prozent aller Anrufe an. Erwin landete bei nur 17,36 Prozent.
Bei der Zuteilung eines Stars hatte Erwin über die Vermittlung von Coach Rea den Iren Dermot Kennedy ("Power over me") abbekommen. Gemeinsam performten sie den Song "Outnumbered" im Duett. "Ich bin aufgetaut", sagte Erwin da noch. "Meine Schüchternheit war weg." Gereicht hat das trotzdem nicht.
Allerdings: Auch ein Weltstar wie Dua Lipa, die mit Sidos Schützling Freschta eine ziemlich atemberaubende Tanznummer zum Hit "Don't Star Now" hinlegte, half dann letztlich doch nicht entscheidend weiter. Freschta hatte vermutlich die prominenteste Unterstützerin. Trotzdem wurde sie am Ende nur Fünfte.
Ähnlich erging es auch der kessen Fidi: Mark Forsters Finalistin durfte ein sehr romantisches Duo mit Superstar James Arthur singen. Gereicht hat es nur für Platz vier. Immerhin durfte Fidi das wohl schrägste Kompliment der Show in Empfang nehmen: Arthur bezeichnete sie als "eine coole Gurke".
Für ihren Star-Song hatten die Show-Verantwortlichen Claudia die rothaarige Sängerin Freya Ridings zugeteilt, die die kleine Asiatin um einen Kopf überragte. Vielleicht deswegen auch die Idee, den Star ans Klavier zu setzen. "Deine Stimme ist wundervoll", jubelte auch Freya Ridings über Claudia.
Akurate Scheitel, Fliegen und ein Frack: Ganz viel Spaß hatte zumindest Lucas Rieger (rechts) mit seinem Star-Duett. Ihm hatten die Verantwortlichen Max Raabe zugeteilt. "Da habe ich kurz die Fassung verloren", erzählte Lucas von dem Moment, als er das realisierte. Er ist glühender Max-Raabe-Fan.
Ohnehin wäre ein Sieg von Lucas Rieger die große Sensation gewesen. Der Musik-Nostalgiker erlebte in der Staffel eine Achterbahnfahrt und kam erst über einen Umweg ins Halbfinale. Am Schluss wurde er trotz einer ungewöhnlich anspruchsvollen "Happy"-Version nicht wirklich glücklich - als Dritter.
Man erinnere sich: Eigentlich war Lucas im Team Sido gestartet. Nach seinem Rauswurf dort landete er auf der "Resterampe" von Comeback-Coach Nico Santos. Mit dem sang er im Finale den neuen "Unloved"-Song. Und der begeisterte plötzlich Sido. "Von allen Coaches war das der beste Song des Abends." Na prima!
Jeweils drei Songs führten die fünf Finalisten in der Live-Show in Berlin auf - darunter einen Song, den die Talente von ihren Coaches geschrieben bekamen. Für "Goodbye" hatte sich Alice Merton tief in die Seele ihres Schützlings eingefühlt. Claudia musste über ein Jahr ohne ihre Familie klarkommmen.
Auch bei Freschta lohnt sich der verklärende Blick zurück. Nachdem er die Frau mit der kraftvollen Stimme in sein Team bugsiert hatte, tönte Sido gegenüber seinen Mit-Coaches damals vom Sieg im Finale. Auch dort sah er Freschta als schärfste Konkurrentin von Claudia. Was für ein Trugschluss!
Tatsächlich machte der Balladen-Power von Claudia dann doch überraschend Erwin Kintop Konkurrenz. Er hatte sich für seinen Cover-Song nämlich an ein ganz heißes Eisen gewagt: "Someone like you" von Adele. Und das in der Männer-Variante. "Mutig, mutig", staunte selbst Moderator Thore Schölermann.
Doch, wie gesagt, an Claudia führte dann eben doch kein Weg vorbei. "Es war mir einen Ehre, dein Coach zu sein", jubelte Alice Merton ganz zum Schluss. Immerhin war das offenbar ein Geben und Nehmen zwischen den beiden. "Sie ist auch ein tolles Vorbild für mich", sagte Alice über die Siegerin.
Bleibt abzuwarten, wie sehr sich der "Voice"-Sieg für Claudia Emmanuela Santos bezahlt macht. Und was aus ihrer Karriere wird, die nun mit einem Raketen-Star erst begonnen hat.
"Ich würde viel Geld ausgeben, um sie auf Konzerten zu sehen", sagte eine überglückliche Alice Merton (rechts) nach ihrem fulminanten Sieg mit Claudia. Kann ja nicht schaden.