Sido siegessicher bei "The Voice of Germany": "Ich habe die Sendung so gut wie gewonnen!"

Kommt Hochmut vor dem Fall? Schon in der vierten "Blind Auditions"-Folge der diesjährigen "The Voice of Germany"-Staffel glaubte Rapper Sido, der Sieg sei ihm nicht mehr zu nehmen.

Knisternde Luft in der vierten "Blind Audition"-Folge von The Voice of Germany". Mit seinem Mix aus Angeberei ("Ich bin wirklich cool"), harten Sprüchen sowie Drohungen brachte Sido seine Mit-Coaches wieder einmal nahe an die Verzweiflung. "Oh, God above!", stöhnte Rea Garvey auf, als ihm Sido eine besonders schmerzhafte Schlappe zugefügt hatte.
Doch warum war ausgerechnet am Sonntagabend diesmal so viel Wut und Verzweiflung im Spiel? Licht und Schatten, Begeisterung über grandiose Sänger und eisige Enttäuschung wechselten sich ab. Besonders oft drehten sich die Coaches diesmal gar nicht um - und ließen an hoffnungsfrohen Kandidaten ihre schlechte Laune aus.
So zerplatzte etwa ziemlich brutal der Traum des oberösterreichischen Kochs Max, doch noch mit der Musikleidenschaft berühmt zu werden, die ihn von Kindesbeinen an prägt. "Ich will nicht zeigen, was ich kann, sondern wer ich bin", sagte er vor seinem Auftritt. Sido schickte ihn prompt heim: "So gut kannst du gar nicht singen." Autsch!
Ebenso frustrierend muss der Abend für den Mainzer Adrian gelaufen sein, der eine Geschlechtsumwandlung hinter sich hat. "Ich musste komplett neu singen lernen", sagte er und erhoffte sich viel. Keiner der Coaches buzzerte für ihn. Und Sido philosophierte sogar noch über Emotionen. "Ich kann nicht weinen." Geholfen hat das Adrian nicht.
Mehr Glück hatte die Wienerin Nastja, die bislang ihr Talent als Barsängerin auslebte. "Ich würde mich freuen, wenn mehr Leute wegen mir kommen und nicht nur wegen der Getränke", erzählte sie aus dem Kneipen-Alltag. Das Herz vom ollen Iren Rea öffnete das weit. "Die Bühne war deins", stammelte er - und nahm die 24-Jährige in sein Team auf.
Und auch bei der schüchternen Rettungssanitäterin Madeline, die sich mit einem Adele-Hit empfahl, punktete der einstige Reamonn-Sänger. Und das, obwohl er die 30-Jährige unabsichtlich fast beleidigte. "Du bist jemand, der jedem auf den Sack geht und singt und singt", mutmaßte er über ihr Privatleben. Doch genau so sieht es aus.
Es lag also schon viel Anspannung über den Vierer-Sesseln, als Garvey abräumte. Und wie reagieren die Coaches, wenn es Stress gibt? Mit Rumalbern, das schnell aggressiv werden kann. So machte sich Mark Forster über Garveys angebliche "Rea-Augen", denen man nicht böse sein kann, lustig. "Aber wenn er zu 'rea-den' anfängt, dann nervt's." Bämm!
Die Situation eskalierte, als ein kleiner, freundlicher Mann mit Brotberuf Rettungsschwimmer die Bühne betrat: Farman fegte mit seiner sehr selbstbewussten, enorm rasanten Rap-Darbietung eines Samy-Deluxe-Tracks gleich alle vier Coaches aus den Sesseln. Ein Hauen und Stechen um das Supertalent begann ...
Farman bezeichnete sich als Fan von "Auf-die-Fresse-Rap". Und genau mit diesem Selbstbewusstsein bretterte er über die Show hinweg. "Mit dir kann auch mal ein Rapper hier abräumen", jubelte Sido, der sich schon vorschnell in der Coach-Rolle sah. "Ich fand's Bombe." Grandios war die Spontan-Show mit Farman, zu der sich sogar Mark Forster gesellte.
Den Startschuss für die improvisierte Rap-Show auf der Bühne hatte ausgerechnete der Rocker Rea gegeben. Er wollte Sido herausfordern und sehen, "ob der Student der Meister ist" - oder etwa doch nicht? Als sich Farman für einen der Coaches entscheiden musste, gab's eine folgenschwere Entscheidung.
Sido war schon aufgesprungen, um Rap-Kollege Farman zu umarmen. Doch der wählte völlig unerwartet - Mark Forster! "Das ist ein bedeutender Tag", jubelte der Chart-Pop-Sänger. "Das ist der Sieg des Kleinen Mannes." Außerdem drehte Forster komplett durch - und hüpfte frech auf Sidos Sessel herum. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten.
"Mark, es ist ok, dass du dich freust", grummelte Sido über den kleinen Triumph seines Kollegens, der sich über den Neuzugang Farman freute. "Aber mit den Füßen auf meinen Stuhl - dafür gibt's Ärger", tobte Sido. Er schwor Mark Forster vor einem Millionenpublikum Rache. "Wenn's nicht in der Show passiert, dann backstage." Ui, ui, ui.
Tatsächlich spürte man, dass Mark Forster die Drohung ernst nahm. Er wählte zu seinem Sessel nun stets einen Weg, der hinter Sidos Rücken vorbeiführte. "Es ist gesunder Respekt", witzelte Rea Garvey über Marks sichtbare Angst. "Es ist Respekt wegen seiner Gesundheit."
Tatsächlich ergab sich rasch die Chance, Mark Forster zu demütigen. Dann nämlich, als sich der 2,04-Meter-Hüne Jannik aus Solingen ausgerechnet mit einem Mark-Forster-Song auf der Bühne vorstellte. "Das kann auch ganz schön in die Hosen gehen", hatte er selbst gefürchtet. Doch dann drehten sich gleich drei Coaches um. Und Sido plante Teuflisches.
Mit dem "Flash mich"-Song hatte Jannik Mark, Alice und eben Sido rumgekriegt. Und natürlich sah es schon wegen der Lied-Wahl nach einem programmierten Sieg für Team Forster aus. Doch dann rollt Sido eines seiner Angebote aus, denen man in Mafia-Filmen nicht widersteht. "Du könntest mir einen Gefallen tun. Wir könnten Mark einen reindrücken."
Aber nein, noch eine Schmach für Sido: Auch Jannik wählte den Weg zu Mark. Der hatte sich zuvor erfolgreich rangeschleimt - auch über ein spontantes Duett mit dem wirklich großen Talent. "Ich bin sehr gehrt, dass du einen Song von mir genommen hast." Sido unkte nur noch, dass Janniks Darbietung endlich "'ne hörbare Version" war.
Interessierte es da überhaupt noch, was Alice Merton, die auffallend blasse Sesselinhaberin der aktuellen "TVOG"-Staffel, tat? Sie holte Kaan, angehender Frauenarzt mit Glasauge, in ihr Team. Entscheidungsqualen gab's keine. Nur Alice hatte sich für ihn umgedreht. "Ich wüsste nicht, welche Songs man dir aussuchen sollte", trat Sido nach.
Doch dann kam's zu dem großen Finalmoment, der alle Kräfteverhältnisse auf den Kopf stellte. Publikum und Coaches mussten für Standing Ovations aufspringen, als Fretscha aus der Schweiz mit ihrer Whitney-Houston-Nummer "I Look To You" die Halle zum Kochen brachte. "Es gibt ganz, ganz selten so außergewöhnliche Stimmen wie deine", jubelte Sido.
Sido war "restlos begeistert". Mark versprach Fretscha jetzt schon das Finale. Und Rea entdeckte ein besonders weites Herz und die Großzügigkeit. "Mir wäre es egal, wer sie hört, Hauptsache sie gewinnt die Show", sagte er. Und dann entschied sich die Heißumworbene - ausgerechnet für Sido. "Du machst mich unglaublich glücklich", so der Rapper.