Schüchtern sind die Anderen: Bei der TV-Show "The Voice Senior" in Sat.1 überzeugen die Kandidaten nicht nur durch tolle Auftritte, sondern vor allem durch altersbedingte Gelassenheit. Bei den Sing Offs am Sonntagabend wurden da schon mal die Rollen neu verteilt und aus Schülern Lehrer.

Mehr zu "The Voice" finden Sie hier

Wo "The Voicee" draufsteht, ist auch "The Voice" drin. Zumindest konnte man sich darauf bisher immer verlassen, schließlich bietet das durchchoreografierte Format nicht allzu viel Platz für Überraschungen.

Geschichtchen über die Kandidaten, Auftritte, Clownereien von Mark Forster, unnötig lange Entscheidungsfindungen – bei "The Voice" folgt alles einem ganz genauen Plan. So genau, dass die Emotionen des Publikums und der Coaches zum Teil wirklich gruselig zusammengeschnitten sind.

Das war auch bei "The Voice Senior" oft genug so, bis die Talente bei den Sing-Offs am Sonntagabend ein wenig Ecken und Kanten in das durch und durch runde Format klopften.

Denn beim Original der Show war es bislang so, dass die zumeist jungen Kandidaten genauso wissbegierig wie folgsam die Ratschläge ihrer Coaches aufsogen.

"Ich singe F-Dur. F wie Friedrich!"

Das war mit einigen der älteren Kandidaten bei den Sing Offs nicht zu machen. Vor allem die Herren Forster und Sasha bekamen die Eigenständigkeit ihrer Kandidaten bei den Proben zu spüren.

Als Erster gab Sashas Kandidat Michael Dixon, seines Zeichens Professor für Gesang an der Universität der Künste Berlin, bei seiner Interpretation von "Whats the World Needs Now" dem Pianisten bei den Proben Anweisungen, wie dieser zu spielen habe.

Ganz ähnlich erging es dem Pianisten bei Sashas Rock 'n' Roller, Walter Golczyk. Dem war das Klavier-Tempo bei "Roll Over Beethoven" eine Spur zu langsam: "Gibst du ein bisschen mehr Speed", bat er den Pianisten und schon nahm das Ganze Chuck-Berry-Charakter an.

Auch Giselle Rommel nahm kein Blatt vor den Mund. Die 78-jährige Düsseldorferin hatte bei den Proben ganz genaue Vorstellungen: "Entschuldigung, das ist nicht die richtige Tonart. Ich singe F-Dur. F wie Friedrich! Du musst das auch ein bisschen zügiger spielen", bat Rommel den Pianisten um Korrektur seiner Spielweise."

Die Erklärung ihrer direkten Ansprache hatte Giselle Rommel auch parat: "Wenn ich etwas mache, dann entwickle ich ja auch Ehrgeiz. Ich bin auf jeden Fall guten Mutes. Ich möchte ins Finale."

So viel Ehrgeiz in Ehren, doch trotz aller Eigenständigkeit gilt auch in Senioren-Variante: Am Ende entscheiden die Coaches, wer ins Finale kommt. Mit fünf Kandidaten sind Yvonne Catterfeld, Mark Forster, Sasha und die Herren Alec Völkel und Sascha Vollmer von The BossHoss in die Sing Offs gegangen, mit nur jeweils zwei davon dürfen sie ins Finale.

"Moon River" auf Deutsch?

Sasha entschied sich aus seinem Team für Dan Lucas, der mit "Don't Stop Believin" von Journey noch einmal die 1980er ins Studio sang. Außerdem durfte Gabriele Treftz mit ins Finale, auch wenn sie bei ihrem Auftritt ein wenig den Text vergaß.

Das war aber in gewisser Weise auch nachvollziehbar, denn die 78-Jährige haderte schon bei den Proben damit, dass sie eine eingedeutschte Version von "Moon River" singen sollte: "Ich find ihn ein bisserl schnulzig. Inhaltlich war ich ein bisschen abgelehnt", befand die Kosmetikerin. In der Tat konnte man keinen triftigen Grund erkennen, warum der Klassiker auf Deutsch gesungen werden sollte. Trotzdem geht es für Treftz ins Finale.

Dort trifft sie dann auf Janice Harrington, die vielleicht den Auftritt des Abends hinlegte. Mit einer ebenso selbstbewussten wie sympathischen Attitüde heizte Harrington auf der Bühne die Damen an: "Ein Mann ist wie ein Bus, wenn ihr einen verpasst, kommt irgendwann der nächste", witzelte die 76-Jährige, ehe sie mit ihrer Version von "Hound Dog" über die Bühne fegte.

Ebenfalls aus Team Catterfeld dabei ist Fritz Bliesener, der mit viel Gefühl und seinen typisch geschlossenen Augen "Il Mare Calmo della Sera" sang. Team Mark wird durch Joerg Kemp ("Auf anderen Wegen" von Andreas Bourani) und die resolute Giselle Rommel ("Musik liegt in der Luft") aus Düsseldorf vertreten.

Die Jungs von The BossHoss setzen im Finale dagegen auf Oper und Hardrock. Für Sascha Vollmer und Alec Völkel gehen Willi Stein ("Torna A Surriento") und Wolfgang "Thunderwolf" Schorer ("Smoke On The Water") ins finale Rennen. Das steigt am Freitag, den 4. Januar um 20.15 Uhr bei Sat.1.

"Rest in Peace 1993-2018": Den Sender Viva gibt es nicht mehr. Wie angekündigt wurde er am Silvestertag mittags abgestellt. Viva endete so, wie es einst begann - mit den Fantastischen Vier.