Shoppen, backen, heiraten – das sind Themen, die die Frauenwelt bewegen. Der neue TV-Sender TLC bringt das ach so komplizierte weibliche Wesen ganz einfach auf den Punkt. Ab Donnerstag ist der deklarierte Frauensender auch hierzulande frei empfangbar und verspricht perfekt zugeschnittene Unterhaltung für das schöne Geschlecht. Damit bekommt der 2006 in ähnlicher Mission gestartete Sender Sixx eine Konkurrentin; die Männerplattform DMAX ein östrogengeladenes Pendant. Und was haben die Zuschauer(innen) davon?

Mittlerweile gibt es Fitnessstudios, Zigarettenmarken und sogar rosa Überraschungseier extra für Frauen. Warum also nicht auch einen TV-Sender? Getreu dieser Logik ruft Discovery Networks Deutschland mit TLC feminines Fernsehen ins Leben. Ein Blick ins angekündigte Programm verrät, dass diese Maßanfertigung nicht viel mehr ist als blankes Stereotypen-Programm.

Tussi-TV statt Frauenthemen

Morgens eine Kochshow, abends ein Modemagazin - die TLC-Erfolgsformel für zufriedene Zuschauerinnen ist einfach. Hauptsächlich beschränken sich die Formate auf non-fiktionale Unterhaltungsprogramme, die vom amerikanischen Muttersender übernommen werden. Keine Spielfilme, keine Serien. Dafür aber jede Menge Klischees und schlechtes Voice-over. Bei "Mein Traum in Weiß" kann man exzentrische Kundinnen bei der Wahl des richtigen Brautkleides zuschauen, bei "Fashionistas - Shoppen mit Stil" werden hysterische Kandidatinnen zum Kleiderkauf durch ein Einkaufszentrum gehetzt.

Dieses reine "Reality TV" unterscheidet TLC von seiner Konkurrentin Sixx, wo auch fiktionale und vor allem weniger genderspezifische Formate wie z.B. "Elementary" laufen. Doch insgesamt kennt man fast alle TLC-Formate in Deutschland bereits unter anderem Namen oder auf einem anderem Sendeplatz.

"Hier kommt Honey Boo Boo"

Besonders tief in die Trash-Kiste greift TLC mit der Sendung "Hier kommt Honey Boo Boo". Die Doku-Soap über das Leben der sechsjährigen Alana Thompson alias Honey Boo Boo zeigt eine durchweg übergewichtige US-Familie, deren jüngste Tochter regelmäßig an Schönheitswettbewerben teilnimmt. Dabei machen sich nicht nur alle Familienmitglieder regelmäßig zum Horst, sondern das kritische Thema Kinder-Misswahlen wird verherrlichend dargestellt.

Der Verdacht, der Sender wolle zum Senderstart möglichst viele Zuschauer mit solchen Skandal-Formaten abschöpfen, liegt nahe. Sicher ist: Eine weitere Plattform für fragwürdige und stereotype Formate hätte Deutschland sicher nicht gebraucht. (evo)

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