Kurz vor Weihnachten kommt Walt Disney mit "Vaiana" zurück auf die Weltbühne. Der digitale Zeichentrick-Film erzählt das Südsee- Abenteuer einer jungen Prinzessin, die aufbricht in die grenzenlose Weite. Großes Kino für große Gefühle – und das auch noch ganz ohne Schnee!

Eine Kritik
von Michael Dirk Scholz

Der neueste Animationsfilm von Walt Disney spielt auf einer weit abgelegenen Insel im Südpazifik. Die Eingeborenen, die auf dem Vulkan-Atoll Motunui leben, gehören zum Volk der Polynesier, die vor langer Zeit die mutigsten Seefahrer der Welt waren. Niemand weiß warum die ehemaligen Abenteurer plötzlich sesshaft wurden.

Auf dem Eiland wagt sich jedenfalls kein einziger der Bewohner über das Riff hinaus, das die Insel umgibt. Bis auf Prinzessin Vaiana (Stimme im Original: Auli’i Cravalho/deutsche Stimme: Lina Larissa Strahl), die Tochter des Häuptlings Tui. Die 16-Jährige liebt das Wasser und kann einfach nicht verstehen, dass es verboten ist, auf das offene Meer hinaus zu schwimmen.

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Eines Tages gibt es in den Lagunen plötzlich keine Fische mehr und Teile des Atolls beginnen zu sterben. Vaiana bleibt nichts anderes übrig, als zu einer Seefahrt aufzubrechen, um ihr Volk zu retten. Sie ist nicht allein, der verrückte Hahn "Heihei" gerät als blinder Passagier mit an Bord ihres winzigen Schiffes und ist von nun an ihr ständiger Begleiter. Und auch das Meer ist auf zauberhafte Art und Weise auf ihrer Seite.

Die Prinzessin macht sich auf die Suche nach dem Halbgott Maui, der im Original von Dwayne Johnson gesprochen wird (deutsche Stimme: Andreas Bourani). Maui ist ein riesiger Muskelprotz, dessen Körper vollständig mit Tattoos bedeckt ist. Er ist ein Gestaltwandler, ein verlorener Halbsterblicher mit einem übergroßen Ego, der zunächst überhaupt nicht daran denkt, Vaiana zu helfen. Doch nach einer Weile werden sie zu besten Freunden. Die beiden ungleichen Helden begeben sich schließlich gemeinsam auf eine Fahrt ins Unbekannte.

Toller Look, mitreißende Musik

Wie sieht der perfekte Disney-Weihnachtsfilm aus? Eigentlich würde man eisige Landschaften vermuten. Doch "Vaiana" spielt in der traumhaften Inselwelt des Süd-Pazifiks, und natürlich ist da weit und breit keine einzige Schneeflocke zu sehen. Das Wesentliche an Weihnachtsfilmen ist aber vor allem eine rührende Story. Und genau dies gelingt den Disney-Filmemachern.

Die Regisseure John Musker und Ron Clements erschaffen eine plüschige, extrem bunte, warme Südsee-Meereswelt, die einen sofort vergessen lässt, dass es draußen nass und kalt ist. Figuren wie die süße Prinzessin, den witzigen tollpatschigen Hahn und den störrischen Halbgott hat man schnell ins Herz geschlossen, man leidet mit ihnen und will wissen, wie die Geschichte endet.

Der Look der Charaktere ist super plastisch, wie lebendig gewordene Knetmasse – die Gesichter erinnern an Bug-Faces, an Käfer mit riesigen, weit geöffneten Augen. "So wie wir den Ozean und die Insel im Film zeigen wollten, war Computeranimation zwingend notwendig", sagt Ron Clements. Laut John Musker habe alles im Film außerdem einen "bildhauerischen Ton – die Inseln, der Himmel, die Berge, selbst die Charaktere".

Natürlich sollte man erwähnen, dass "Vaiana" ein getarntes Musical ist, mit Filmmusik von Tony-Preisträger Lin-Manuel Miranda ("Hamilton") und Grammy-Preisträger Mark Mancina, da ja nicht jeder ein Fan von singenden Südseebewohnern ist. Doch die Musik steht nicht wirklich im Fokus – das Geschehen wird vor allem durch die ziemlich lustige und spannende Handlung voran getrieben.

Ein Film für die ganze Familie

"Vaiana" ist ausnahmsweise mal kein Liebesfilm – er erzählt eher eine Art Entwicklungs-Story und beantwortet die Frage, wo man wirklich herkommt. Nach "Lilo und Stitch" (2002) ist "Vaiana" auch erst der zweite Disney-Film, der im Pazifik spielt.

Wie bei allen Produktionen aus dem Hause Disney haben bei "Vaiana" sowohl Kinder als auch Erwachsene Spaß. Das gilt besonders für den Vorfilm "Herz oder Kopf" von Leo Matsuda, der mit grandiosem Humor den inneren Kampf eines Arbeiters zeigt, der hin- und hergerissen ist zwischen Herz und Verstand.

Nach Best-Bewertungen auf Rotten Tomatoes und überragenden Kritiken von Variety und Hollywod Reporter, gilt "Vaiana" jetzt schon als möglicher Kandidat für eine Oscar-Nominierung als bester Animationsfilm. Der Film beendet für den Disney-Konzern außerdem das erfolgreichste Jahr der Firmengeschichte - unter anderem dank "Star Wars", "Findet Dory" und eben "Vaiana" mit Einnahmen von mehr als 6 Milliarden Dollar.

"Vaiana – Das Paradies hat einen Haken" startet am 22. Dezember in den deutschen Kinos