Frank Thelen ist Multimillionär. Das war aber nicht immer so. Im Vox-Format "Der Vertretungslehrer" berichtete der "Höhle der Löwen"-Investor am Dienstagabend seinen Schülern, wie er in jungen Jahren hochverschuldet war und sein Körper streikte.

Christian Stüwe
Eine Kritik
von Christian Stüwe, Freier Autor

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Lehrermangel, unmotivierte Schüler, Schulen in Problembezirken, an denen Kriminalität ein großes Thema und geregelter Unterricht kaum möglich ist: Schulen in Deutschland sorgten in den letzten Jahren eher selten für positive Schlagzeilen, Lehrerinnen und Lehrer gelten als besonders burnout-gefährdet.

Gut, dass Frank Thelen die harte Realität des Paukerdaseins erspart blieb. Der aus der "Höhle der Löwen" bekannte Investor übernahm im Vox-Format "Der Vertretungslehrer" am Dienstagabend eine Doppelstunde an der Christophorusschule in Königswinter.

Die Privatschule hat einen Gymnasial- und Realschulzweig und ist ein Kompetenzzentrum zur Hochbegabtenförderung. Thelens Unterrichtsstunden fanden an einem Samstagvormittag statt, mit offenbar ausgesuchten Schülern zwischen 15 und 19 Jahren, die etwas andere Probleme haben als der Durchschnittspennäler.

Da war zum Beispiel Pfarrerssohn Frederic, dessen Intelligenzquotient so hoch ist, dass er ihn lieber für sich behält. Oder die 15-Jährige Jaqueline, die Klavier spielt, singt und Musicaldarstellerin werden will. Und schließlich der 18-Jährige Lukas, der seit seiner Kindheit Ballett tanzt und deswegen hin und wieder mal von seinen Mitschülern aufgezogen wurde.

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Angeregte Lernatmosphäre statt lautem Reality-TV

Thelen diskutierte mit den Schülern über ihre Träume und Ziele in einer Atmosphäre, die eher einem Seminar an einer Privatuniversität glich, als einer durchschnittlichen Schulstunde in Deutschland. So manch ein Lehrer, der den rauen Alltag des Bildungssystems gewöhnt ist, dürfte frustriert abgeschaltet haben.

Insgesamt scheint das Format, das für eine Reality-TV-Sendung außergewöhnlich ernst und ruhig daherkommt, aber gut anzukommen. Anfang des Jahres gab es eine Pilot-Folge mit dem ehemaligen Schwergewichtsboxer Wladimir Klitschko, nun bringt der Sender den "Vertretungslehrer" in Serie.

Nach Thelen wird in der nächsten Woche Youtuberin Daggi Bee über Hass im Internet dozieren, im neuen Jahr werden dann Hundeprofi Martin Rütter und Thomas Gottschalk ihr Geschick als Aushilfslehrer beweisen. Klar ist, dass es dabei nicht wirklich darum geht, den Schülern etwas zu vermitteln. Sinn der Sendung ist es, die Prominenten in einer neuen Rolle zu zeigen.

Thelen wird nicht von allen erkannt

Wobei das mit der Prominenz so eine Sache ist. Jerome Boateng, Fabian Hambüchen oder Stefan Raab hatten sich die Schüler als Vertretungslehrer gewünscht, als Thelen den Klassenraum betrat, blickte er in teilweise fragende Gesichter. "Ich glaube, so ungefähr 40 Prozent haben mich erkannt", gab sich der 43-Jährige keinen Illusionen hin, was seinen Bekanntheitsgrad bei der jungen Generation angeht.

Trotzdem kam Thelen mit seinen Lektionen zum Leben im Allgemeinem, Glück und Rückschlägen gut bei den Schülern an. "Der Zeitpunkt, an dem ihr jetzt seid, ist der magischste Zeitpunkt eures Lebens. Jetzt steht euch das ganze Universum offen", erklärte der Selfmade-Mann und gab Tipps, wie die Schüler ihren Platz im Leben finden können.

Thelen war in jungen Jahren hochverschuldet

Er selbst hatte es nicht leicht dabei. "Ich bin in einfachen Verhältnissen groß geworden und hatte hohe Schulden. In eurem Alter bin ich von der Schule geflogen", berichtete Thelen von seiner schwersten Zeit: "Ich habe irgendwie den Start ins Berufsleben geschafft und dann den schlimmsten Fehler meines Lebens gemacht. Ich habe für fast eine Million Euro privat gebürgt."

Doch die erste Firma, für die Thelen gebürgt hatte, ging pleite. Der Jungunternehmer war plötzlich hochverschuldet. Der Leidensdruck war so groß, dass Thelens Körper streikte und er unter anderem unter heftigem Nasenbluten litt.

Aber Thelen kämpfte sich zurück und ist längst Multimillionär. "Macht etwas, wofür ihr brennt. Nur so kommt ihr aus so einem Loch heraus", gab er den Schülern mit auf den Weg.

Am Ende durften die Schüler dann präsentieren, wie sie sich ihre Zukunft vorstellen. Und plötzlich wehte ein Hauch von der "Höhle der Löwen" durch das Klassenzimmer. Etwa als die 19-jährige Daliah erzählte, dass sie Japanisch lerne und es ihr Traum sei, japanische Produkte im Rahmen einer Messe dem deutschen Markt vorzustellen.

Thelen bot an, Kontakte zur Community der japanischen Geschäftsleute in Düsseldorf herzustellen, Daliah war begeistert. "Dann haben wir einen Deal", freute sich der Frank Thelen - und hörte sich plötzlich gar nicht mehr wie ein Vertretungslehrer an.