"Der Vertretungslehrer": Tim Mälzers ungeschönte Burnout-Beichte

Da muss erst eine Klasse voller Schüler kommen, damit sich Tim Mälzer den Burnout von der Seele redet: In "Der Vertretungslehrer" auf VOX zeigte sich der Starkoch so offen wie nie zuvor - und ließ keine unschönen Details von seinem Zusammenbruch aus.

"Ich war ehrlicher als je zuvor", gab Tim Mälzer im Anschluss an seine Unterrichtsstunde in der Doku-Reihe "Der Vertretungslehrer" offen zu. Das war wohl kaum übertrieben. Denn die Atmosphäre im VOX-Klassenzimmer verleitete den sonst so vorlauten Koch zum wahren Seelen-Striptease.
Doch wie kam es zu Mälzers unverblümter Offenheit? Eine Gruppe Abiturienten durfte am Gymnasium in Wedel bei Hamburg eine Vertretungsstunde der besonderen Art erleben. Dafür standen sie sogar extra Samstagfrüh auf, obwohl sie gar nicht wussten, welcher Promi als Lehrer kommen würde.
"Ich bin wirklich unfassbar aufgeregt. Ich mache jetzt seit zehn bis 15 Jahren nebenbei Fernsehen, und das ist heute für mich ernsthaft die größte Herausforderung", war der sonst so selbstsichere Koch überraschend kleinlaut.
Dabei hatte Mälzer vor der Schule gar keine Angst: "Ich bin immer unfassbar gerne zur Schule gegangen. Das liegt aber daran, dass ich ländlich gewohnt habe und an meiner Schule halt alle meine Freunde waren - und die Mädels, an die ich ran wollte."
So unsicher kennt man den TV-Koch mit der großen Klappe gar nicht: "Es ist mir extrem unangenehm. Ich bin ein bisschen so wie ihr, wenn ihr eine Hausaufgabe bekommt, ein Gedicht auswendig lernen müsst und das natürlich nicht gemacht habt." Damit war das Eis gebrochen.
Die Erwartungen der Schüler reichten von Kochrezepten bis gesunde Ernährung. Für den Unterricht hatte Mälzer sich jedoch ein sehr persönliches Thema ausgesucht: "Erfolgreich scheitern".
Mälzer wollte den Abiturienten seine positiven und negativen Erfahrungen mit auf den Weg geben: "Ich lerne nicht darüber, wie es funktioniert, sondern ich lerne extrem gut, wie es nicht funktioniert." Sein Credo: "Es wird nicht passieren, dass mich jemand zum Aufgeben bringt."
Als alle Schüler ihre Versagensängste aufschreiben sollten, gab auch Mälzer offen seine drei wunden Punkte zu: Mädchen, Stern und Burnout. "Es ist eine sehr gute Chemie im Raum", fühlte sich Tim Mälzer bereit, seine volle Verletzbarkeit zu zeigen. "Ich will etwas bei denen bewegen."
Überraschte Gesichter bei den Schülern. "Anstatt mich auszuruhen, hab ich gefeiert, was unfassbar dumm war, weil ich nur mir selber geschadet hab", fuhr der Koch fort und scheute sich nicht vor unschönen Details.
"Ich hab mich auf den Boden gelegt und habe geweint wie ein Fötus", beschrieb er seinen Zusammenbruch. "Der ganze Druck ist mir zu viel geworden. Ich habe komplett meine Balance verloren. Ich hatte keine Basis mehr."
"Ich habe versucht, etwas zu sein, das ich aus tiefem Herzen heraus einfach nicht bin." Aber: "Ich bin sehr froh über mein Burnout. Ich habe in sehr kurzer Zeit viel über das Leben und mich lernen dürfen, was mir mein heutiges Leben sehr viel schöner, leichter und entspannter macht."
In den sechs Wochen in der Klinik habe er bunte Bilder gemalt, Ballons beklebt, Figürchen gebastelt und dabei viel über sich gelernt: "Ich bin lauter, schneller und kreativer. Ich brauche ein Gerüst drumherum, aber ich darf nicht zu sehr gegen mich arbeiten."
Durch sein Burnout kam die Erkenntnis: "Ich kann nur ein starker Mensch für meine Umwelt sein, wenn ich selber ein richtig fettes Fundament habe. Und das kann ich nur, wenn ich an das, was ich mache, wirklich glaube."
Seine Offenheit kam bei den Schülern sehr gut an. "Wenn sie eins mitnehmen sollen, dann, dass sie sich selber wertschätzen sollen", hoffte Tim Mälzer einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben.