Selbst die sonst so zurückhaltende Nachrichtenagentur dpa schreibt von einer "Show im Ballermann-Stil". Für seine Moderation von "Wetten, dass..?" muss Markus Lanz derzeit gehörig Prügel einstecken. Aber mal ehrlich: vollkommen zu Recht.

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Happy Birthday, Markus Lanz

Wir feiern Markus Lanz' Geburtstag mit einem Best-of seiner Eigenarten.

Von "Unterhaltung jenseits der Gürtellinie" ist in der Presse die Rede, von "Zeitverschwendung" und der "schlechtesten Episode der Show aller Zeiten": Die Wogen gehen hoch nach der Mallorca-Ausgabe von "Wetten, dass..?".

Pack den Vorschlaghammer aus

Seit Markus Lanz "Wetten, dass..?" übernommen hat, ist des Öfteren Fremdschämen angesagt. Gerard Butler schüttet sich Eiswürfel in die Unterhose, Cindy aus Marzahn rappt über Geschlechtsverkehr und Lanz zieht sich wahlweise aus oder badet in Schokolade. Nicht nur die Kritiker, auch das Live-Publikum scheint von dessen jüngstem Auftritt vor den Kopf gestoßen. Der Moderator brüskierte gar seine nicht gerade auf den Mund gefallene Co-Moderatorin und fiel erneut eher durch Zoten auf denn durch gute Unterhaltung.

Dabei kann niemand behaupten, der Mann sei schlicht inkompetent. Ob in größerer Talkrunde oder vor kurzem im Interview mit Amanda Knox: Lanz weiß ganz genau, wie man mit Menschen redet. Vielleicht ist die dezent angestaubte ZDF-Show auch einfach nicht das richtige Format für ihn. Klar: Moderationsstil ist immer auch Geschmackssache. Auch Lanz' Vorgänger Thomas Gottschalk hatte hin und wieder mit Meckereien der Kritiker zu kämpfen. Dem einen liegt eine freche Schnauze à la Stefan Raab, der andere hält es lieber mit zurückhaltendem Humor im Stile von Johannes B. Kerner. Aber können Quotentiefs lügen?

Neuer Tiefststand erreicht

13,6 Millionen Menschen schauten am 6. Oktober bei der Premiere des neuen Moderators zu, danach ging es praktisch stetig bergab. Schon zur zweiten Show schalteten drei Millionen Zuschauer weniger ein. "Ihnen bleibt erspart, worauf auch Tom Hanks gerne verzichtet hätte", ätzt die "Bild"-Zeitung und ruft eine Lanz-Krise aus.

Ende März unterschritt "Wetten, dass..?" erstmals die angeblich von ZDF-Intendant Thomas Bellut intern vorgegebenen 8 Millionen Zuschauer, mittlerweile ist man bei 6,74 Millionen angelangt. Das ZDF weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass die Sendung "in der Zuschauergunst an diesem Tag deutlich auf dem ersten Platz" war. Schlimm genug, wenn so viele an einem sonnig-lauen Sommerabend nichts Besseres zu tun haben.

Geissens statt Jacksons

Fakt ist jedoch: Lanz' Gäste fühlen sich unwohl - oder kreuzen erst gar nicht mehr auf. Nach der Absage von Paris Jackson, ihrem Bruder Prince Michael Jr. und Pamela Anderson, fehlte es "Wetten, dass..?" an Glamour.

Stattdessen zu Gast waren die Geissens - ein Ehepaar, das vielen Zuschauern höchstens aus dem Trash-TV bekannt sein dürfte. Der große Star der jüngsten Ausgabe war Ex-Moderatorin Michelle Hunziker, die verriet, dass ihr Verlobter auf Knien um ihre Hand angehalten habe. Glückwunsch! Aber Hollywood geht anders.

Das ZDF sollte handeln

Beim ZDF will man von einer Krise indes nichts wissen. "Saisonale Schwankungen, insgesamt geringere Sehbeteiligungen im Sommer oder sommerliches Wetter, wie gestern Abend, machen die Quotendiskussion schwierig", erklärte Showchef Oliver Fuchs gegenüber der "Bild"-Zeitung. 28,4 Prozent Marktanteil seien trotz der geringen Quote ein sehr guter Wert.

Trotzdem sei es jedem unbenommen, wenigstens hin und wieder mahnend den Zeigefinger zu erheben, wenn es um Shows im öffentlich-rechtlichen Fernsehen geht. Schließlich gibt es da so etwas schön Sperriges wie einen Bildungsauftrag. Ganz unabhängig davon wünscht sich doch jeder nur das eine: gute Samstagabend-Unterhaltung. "Die Welt" fordert "Lieber Stefan Raab, bitte übernehmen Sie - sofort!"

Ende Mai hatte Lanz über sein Ende im Rampenlicht spekuliert. Zehn, zwölf Jahre wolle er noch vor der Kamera stehen. Im Interview mit "TV Movie" erklärte der Moderator: "Man darf den Leuten ja nicht auf den Keks gehen. Du darfst nicht so lange warten, bis alle hinter deinem Rücken heimlich aufatmen." Möglicherweise ist der Tag schon etwas früher gekommen, als erwartet. (ank)