Zum Tag der Deutschen Einheit sendet das Erste heute Abend die Tragikomödie "Willkommen bei den Honeckers". Immerhin, muss man sagen, denn ansonsten findet der 3. Oktober im Fernsehen so gut wie gar nicht statt. Das macht "Willkommen bei den Honeckers" aber leider auch nicht zu einem besseren Film. Angucken kann man ihn sich aber trotzdem.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock, Freier Autor

Es ist eine Szene wie aus einem 90er-Jahre-Werbespot für eine Kaffeemarke. Ein älteres Ehepaar sitzt am gemütlichen Kaffeetisch und plaudert mit einem jungen, adretten Mann im grauen Strickpullover. Es fehlt nur noch der Werbejingle, der den Kaffee als einen Genuss für Alt und Jung anpreist.

Aber diese Szene ist alles andere als aus einem Werbespot, denn bei den älteren Herrschaften handelt es sich tatsächlich um das Ehepaar Margot und Erich Honecker.

Und der adrette, junge Mann ist der frisch gebackene Boulevard-Journalist Johann Rummel, der sich mit diesem Gespräch fast am Ende einer langen Reise angekommen sieht.

Denn irgendwann beginnt der alte Mann zu erzählen und das Tonbandgerät unter dem Pulli des jungen Mannes zeichnet alles auf.

Der 3. Oktober - war da was?

Stellen Sie sich vor, es ist Tag der Deutschen Einheit und niemand bekommt es mit. Blickt man am heutigen Feiertag ins Fernsehprogramm, könnte man den Eindruck gewinnen, dass zumindest bei den Programmplanern der 3. Oktober auf breites Desinteresse stößt.

Lediglich das Erste räumt dem Einheitsfeiertag einen Platz zur besten Sendezeit ein und sendet heute Abend um 20.15 Uhr die Tragikomödie "Willkommen bei den Honeckers".

Sie erzählt die wahre Geschichte eines jungen ostdeutschen Kellners, der in der Nachwendezeit unbedingt Journalist werden möchte.

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Bisher hat er sich mit ein bisschen Wagemut lediglich ein paar Autogramme und ein Exklusiv-Interview mit Heino ergaunert. Für den richtigen Einstieg in den Journalismus soll er aber auch eine richtige Story liefern, eine mit "Hass und Liebe".

Und was wäre da besser als ein Interview mit dem gerade meist gehassten und zugleich von seinen Anhängern noch immer meist geliebten Diktator Erich Honecker.

Der sitzt gerade im Kurzzeit-Exil in Moskau und wartet auf sein weiteres Schicksal. Also setzt Johann Rummel (Maximilian Meyer-Bretschneider) einen Brief an das ehemalige DDR-Oberhaupt auf, in dem er glühende Verehrung vorgaukelt.

Mit Chuzpe zum Diktator-Interview

Damit beginnt ein wohl einzigartiges Schelmenstück, in dem der ehrgeizige Rummel immer mehr Tricks auspackt, um ein Exklusivinterview mit Erich Honecker zu ergattern.

Bis zum Kaffeekränzchen bei den Honeckers bleibt aber Einiges in seinem Leben auf der Strecke: sein bester Freund, die große Liebe und zu guter Letzt auch der seriöse Journalismus. Und irgendwann sitzt er dann tatsächlich am Kaffeetisch mit den Honeckers.

Mit "Willkommen bei den Schti's" gelang 2008 eine wirklich grandios witzige Komödie. Zumindest mit dem Titel "Willkommen bei den Honeckers" will man wohl an diesen Erfolg anknüpfen. Humoristisch gelingt das leider nur in Teilen.

Etwa ganz am Anfang, als sich Johann mit seinem Freund Maik (Max Mauff) als Kellner verkleidet zu einem Exklusivinterview mit Heino mogelt.

Mit Zettel und Stift steht er vor dem bekannten Sänger und fragt ihn: "Wenn Sie eine berühmte Person der Weltgeschichte wären, wer würden Sie sein?" Da gelingt es dem Film, einen schönen, weil subtilen Humor zu entfalten.

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Doch statt sich damit zufrieden zu geben, eine Komödie zu sein, will "Willkommen bei den Honeckers" noch mehr.

Und so kann sich der Film am Ende nicht so recht entscheiden, was er denn sein soll: Komödie, Liebesgeschichte, Politdrama, Schelmenerzählung oder noch ein bisschen Geschichtsaufarbeitung.

Eine gute Wahl: Martin Brambach und Johanna Gastdorf als die Honeckers

Ginge es um ein leichteres Thema als die SED-Diktatur mit ihrem Schießbefehl, wäre das auch leichter zu verkraften gewesen.

Aber die persönlichen Schicksalsschläge mit Mauertoten, Berufsverboten oder durch den Überwachungsstaat sind zu wertvoll, als dass man sie einer Komödie so ohne Weiteres beimischen kann. Zumindest nicht so, wie es hier passiert.

"Willkommen bei den Honeckers", das klingt jedenfalls nach einem Ausflug zu einem rüstigen und gutmütigen alten Ehepaar. Aber das waren die Honeckers mit Sicherheit nicht.

Das alles macht "Willkommen bei den Honeckers" zwar nicht zu einem Film, den man sich getrost sparen kann, aber eben auch nicht zu einem, den man unbedingt sehen muss.

Auf der Haben-Seite steht aber unbedingt die Leistung von Martin Brambach und Johanna Gastdorf, die das Ehepaar Honecker spielen.

"Es gibt sicher Dinge, die nicht schön waren, es wurden Fehler gemacht, natürlich", sinniert Brambach als Honecker im chilenischen Exil über die Mauertoten.

"Aber niemand hat diese Menschen gezwungen, die DDR zu verlassen. Mussten die denn unbedingt ihre Heimat verlassen? Die wussten doch, was ihnen blüht."

Da bekommt man auch nach so langer Zeit noch vor Schrecken eine Gänsehaut.

"Willkommen bei den Honeckers", am 3. Oktober um 20.15 Uhr im Ersten.
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