Jurist Jan Stroh gewinnt bei "Wer wird Millionär" die Quiz-Million!

RTL feierte das 20-jährige Bestehen seines Quiz-Klassikers "Wer wird Millionär?" Der Sender ist nun um sehr viel Geld ärmer. Einer der souveränsten Kandidaten aller Zeiten holte sich nahezu spielend den Hauptgewinn. Das war bei seiner Vergangenheit auch kein Wunder.

Wie die Zeit vergeht! Am 3. September 1999 ging "Wer wird Millionär?" bei RTL erstmals auf Sendung. 20 Jahre darauf feierte der Kölner Sender runden Geburtstag. Das Besondere am "Jubiläums-Special": Alle Fragen wurden irgendwann in den vergangenen 20 Jahren schon einmal gestellt. Da kam es nicht aus heiterem Himmel, dass ein neuer Quiz-Millionär gekürt wurde.
Dass alle Fragen im Laufe der Zeit schon einmal gestellt worden waren, machte das Spiel nicht zwangsläufig einfacher. Kandidaten wie die BWL-Studentin Julia Abspacher hätten sich mehr als 35.000 richtige Antworten aus dem inzwischen sehr großen "Wer wird Millionär?"-Fragenfundus merken müssen.
Etwa ein Bestechungsversuch? Kandidatin Abspacher überreichte Günther Jauch rasch eine Süßigkeit. Doch dieses "Geschenk" hatte historischen Hintergrund. Die Studentin erzählte: "Als Kind bekam ich von meinem Opa für jede richtige 'Wer wird Millionär'-Antwort einen Keks."
Der erste Keks, nein, die ersten 50 Euro waren aber auch leicht verdient. Günther Jauch wollte wissen: "Tri tra trullala, der Kasperle?" ... nein, macht nicht etwa die Gretel klar. Sondern, natürlich, "ist wieder da". So wie bei dieser Frage aus einer Sendung von 2002 hätte es für Kandidatin Abspacher ganz lange weitergehen können.
Das tat es aber nicht. Die Reise zur Million war für Abspacher bei 2.000 Euro beendet. Sie scheiterte an dieser Frage: "Das nach der Ein-Euro-Münze im Durchmesser nächstkleinere Exemplar ist die ...?" Ihre Antwort "50-Cent-Münze" war falsch. Die Crux: Die 50-Cent-Münze ist größer als der 1-Euro-Silberling. Richtig wären die 20 Cent gewesen.
Mit Jan Stroh bekam Günther Jauch einen wahren "Wer wird Millionär?"-Experten auf den Stuhl gesetzt. Jauch hätte sofort gewarnt sein müssen. Der Jurist wusste bereits bei der ersten Frage "Die dümmsten Bauern haben die dicksten ...?", dass diese einst bei einem Prominenten-Special vor 20 Jahren gestellt worden war.
Der Hamburger Stroh hat ein besonderes Hobby. Nachdem er sich 15 Jahre vergeblich bei "WWM" beworben hatte, richtete er sich in seinem Keller ein eigenes Quiz-Studio ein. Dort gibt er dann den Jauch und spielt die Sendung nach. Strohs Gäste, zumeist Nachbarn und Freunde, bleiben immer etwas länger, weil er ihnen Alkohol anstatt Wasser spendiert.
Frage an den Top-Experten: Jauch wollte - wohl nicht ganz ohne Eigennutz - außer Konkurrenz wissen, wer weltweit der älteste "WWM"-Quizmaster sei? Stroh musste nicht lange nachdenken. Der 35-Jährige deutete sogleich auf Jauch und sagte: "Sie!" Jauch dankte die Lobhudelei in eigener Sache mit einem kräftigen Schluck aus dem Wasserglas.
"Das wird jetzt echt gefährlich hier", fürchtete Jauch bereits vor der 16.000-Euro-Frage. Strohs Sicherheit und Detailwissen machten dem Entertainer Angst. Hintergrund: Der Kandidat hat nach eigener Aussage jede "WWM"-Folge der letzten 20 Jahre gesehen. Folgerichtig lautete seine Ansage auf dem Weg zur Million: "Ich kenne wirklich viele Fragen!"
Verdient kam Jan zu einem Haufen Geld. Er kann es gut gebrauchen, träumt er doch von einem Trip ins ferne Australien. Stroh gewann souveräner als jeder WWM-Kandidat vor ihm die begehrte Million. Er ist damit der 15. Hauptgewinner (inklusive Prominenten-Specials) und der nächste Jauch-Millionär seit Dezember 2015. Stroh wusste, dass das Grimm'sche Märchen "Hans im Glück" eben nicht mit dem traditionell-bekannten Worten "Es war einmal ..." beginnt.
Da kam Jauch in die Bredouille. Mit Ilona Katharina Werner aus München saß eine Kandidatin vor ihm, die nach eigener Aussage mal unsterblich in den Quizmaster verliebt gewesen sei. Diese Zuneigung ist mittlerweile etwas verblasst. Werner hält sich heute lieber an einem Glas frischen Champagners als an einem 63-Jährigen fest.
Und erst recht wird die Grundschullehrerin nun wissen, wie sie ihren nächsten Espresso mit heißem Milchschaum denn trinken wird. Als "Capucino", "Cappucino", "Capuccino" oder "Cappuccino"? Bestellen bitte also mit Doppel-P und Doppel-C. An dieser Frage scheiterte Werner. Mit nur traurigen 500 Euro ging sie nach Hause.
Auch Viktoria Kranz, ebenfalls aus München, hatte die Chance auf die Million. Über sie wusste Jauch: "Als Kind musste die Medizinstudentin immer ganz still sein, wenn 'WWM' beim Abendessen lief." Sensation übrigens: RTL schauen bildet offenbar doch! Kranz hat ihr Abitur mit dem Notenschnitt 1,3 abgeschlossen.
Ein hervorragender Schulabschluss, wenn auch in Rheinland-Pfalz, schützt vor herrlichen Versprechern nicht. Die 24-Jährige sollte beantworten "Für welche Nummer muss man bei einem Telefon mit Wählscheibe den längsten Weg 'zurücklegen'?" Generation Handy war verzweifelt und sagte: "Ich kann nicht bei jeder Frage einen Pulver verjokern."
"Fußball-Kenner" Waldemar Hartmann lag diesmal, anders als noch im Jahr 2013, richtig, als bei ihm das Telefon klingelte. "Waldi" wurde bei 16.000 Euro von Kranz angerufen und gefragt: "Womit musste ein heute 36-Jähriger mehr als die Hälfte seiner Lebenszeit klarkommen?" Antwort: "Fußballmeister: FC Bayern!" Richtig! Nur bei der "Bild" war man enttäuscht. Hätte "Waldi" danebengelegen, die Zeitung hätte ihren tollen Schmäh-Titel gehabt.
Über diese Summe kam die Kandidatin jedoch nicht hinaus. Damit aber kann sie ihr Studium der Psychologie sehr gut finanzieren. Und Günther Jauch wird womöglich nach Kranz' erfolgreichem Abschluss noch immer "Wer wird Millionär moderieren. Auf die nächsten 20 Jahre!