"Wer wird Millionär?": Ging bei dieser Sendung alles mit rechten Dingen zu?

Skurrile Kandidaten, abwesende Telefonjoker, eine Publikumsjoker-Treffsicherheit von 100 Prozent - beim Moderator führten Ungereimtheiten zu einer Verschwörungstheorie.

War dieser Kandidat ein Lockvogel der versteckten Kamera? Jauch verstieg sich in Verschwörungstheorien. Doch der Emdener arbeitet als Werkfeuerwehrmann in einem Chemiewerk. Auch das Publikum war Jauch suspekt: Mit einer Trefferquote von 100 Prozent waren die Gäste sich ungewöhnlich einig. Es ging um 300 Euro: "Im Wein liegt die ...?" Wahrheit.
Nachdem Joachim Lauterbach sich bereits bei der 300-Euro-Frage extrem lang aufgehalten hatte, nahm er sich auch für die 500-Euro-Hürde viel Zeit. "Welche Eigenschaft wird einem Schrei oftmals zugeschrieben?" Lauterbach bestellte erstmal ein Bier und trank mit Jauch. Der Moderator gab ihm sein Glas: "Zur Reserve". Der Kandidat nahm dankend an.
Schmal, eckig, spitz oder scharfkantig standen zur Wahl. Als die mitgereiste Ehefrau anbot, einen Schrei zu imitieren, erlaubte Jauch überraschenderweise diese Hilfestellung. Der Kandidat aber rätselte weiter. Scharfkantig vielleicht? Nach dem ersten Glas Bier traute er sich: spitz. "So eine Sendung hat man nicht alle Tage", meinte Jauch.
"Das geht mir alles zu schnell mit Ihnen", machte Jauch einen Scherz auf Kosten des Kandidaten. Ein Spielteppich wurde ausgerollt und der Moderator ließ sich die Regeln des Murmelns erklären. Das Finale wurde auf allen vieren gespielt. Jauch empfahl RTL, über ein neues Show-Format zum Thema nachzudenken. Natürlich verlor er gegen den Profi.
Nachdem schon bei den anderen Kandidaten des Abends die Joker nicht ans Telefon gegangen waren, ging auch jetzt bei den ersten beiden Versuchen nur die Mailbox ran. "Leute, das ist versteckte Kamera hier heute", glaubte Jauch. Der dritte Telefon-Joker half auf 4.000 Euro. In drei Wochen geht es für Lauterbach weiter.
Alexander Löwe aus Leuna in Sachsen-Anhalt war der Überhangkandidat aus der Montagsfolge. "Auf dem Kyrill-Pfad wandelt man im Sauerland auf den Spuren eines ...?" Das Publikum verhalf ihm zu 8.000 Euro. 79 Prozent im Studio waren sich sicher: Orkans. Bei der 16.000-Euro-Frage nutzte er den 50:50 Joker.
"Korrekt formuliert stellt man fest: Nicht immer ist ...?" Zur Wahl standen nun noch: das Gleiche dasselbe oder: dasgleiche das Selbe. Löwe wollte einen Telefonjoker nachschieben. Zwei der möglichen Ratgeber seien Anästhesisten, erklärte er. "Noch einen können wir nicht brauchen. Sie sind schon das lebende Narkotikum im Moment", beleidigte ihn Jauch.
Kurios: Bei allen erstgewählten Telefonjokern des Abends ging zunächst die Mailbox ran. Immerhin die zweite Wahl, ausgestattet mit Doktortitel, war firm in der Rechtschreibung. Die Reise zur Million endete dennoch bei 32.000 Euro. Der Kandidat war mehr als zufrieden: "Es reicht für mich", freute Alexander Löwe sich.
Florian Nyhoff aus der Grafschaft Bentheim in Niedersachsen hatten einen Spleen, auf den Jauch ihn ansprach: "Sie laufen jeden Tag mit Frottee-Schlafanzug rum?" Nyhoff klärte auf: "Erst Abends, im Büro noch nicht." Jauch zitierte etwas holprig den verstorbenen Modezar Karl Lagerfeld: "Wer eine Jogginghose anzieht, hat mit dem Leben abgeschlossen."
Nachdem er bereits den Telefonjoker (natürlich ging zunächst die Mailbox ran) und den Publikumsjoker verbraucht hatte, wünschte sich Nyhoff bei der 32.000-Euro-Marke: "Können wir mal eine Fußballfrage machen jetzt?" Gefragt war jedoch, woher man Munkustrap, Grizabella, Victoria, Demeter, Rum Tum Tugger, Bustopher Jones und Jenny Fleckenreich kennt.
Mary Poppins, Der Zauberer von Oz, Cats, Die Schöne und das Biest? Jauch kam dem Kandidaten entgegen und bot als fünfte Antwort "Premier League" an. Eine Dame aus dem Studiopublikum wusste: Cats. Jauch machte den Kandidaten nun ein skurriles Wettangebot: "Ab wie viel Euro wären Sie bereit hier im Schlafanzug aufzutreten?"
Die beiden einigten sich auf die 125.000-Euro-Marke. Doch zum Auftritt im Frottee-Schlafanzug kam es nicht mehr: Florian Nyhoff ging mit 32.000 Euro. Ein Teil soll in seinen Sohn investiert werden. Den hat er nach einem Ortsschild benannt: Kalle. "Ich bin froh, dass wir nicht durch Korschenbroich gefahren sind", scherzte er.
Hier lacht sie noch: Die Krankenschwester Christiane Statz legte einen souveränen Start hin. Dann war für 2.000 Euro gefragt, wer für einen Ehrengast auf seiner Hochzeit kritisiert wurde. Das Publikum wusste: Mesut Özil für Recep Erdogan. Jauch blieb beim Thema Politik: "Sie haben mit Helmut Kohl Erbsensuppe gegessen", zitierte er.
Die Anekdote selbst war weniger aufsehenerregend als das Entrée: Christiane Statz war 1985 als Karnevalsprinzessin ins Kanzleramt eingeladen worden und habe mit Kohl ein nettes Treffen erlebt. Aufsehenerregender war ihr Wagemut bei der 4.000-Euro-Frage.
"Was wird im Schreibwarenhandel häufig gleich mit Textvorschlägen verkauft?" Zur Wahl standen Schulhefte, Tagebücher, Trauerkarten, Bewerbungsmappen. "Das können eigentlich nur die Bewerbungsmappen sein", fand die Kandidatin. Jauch versuchte, sie zu warnen: "Und wenn sie es nicht sind?" Die Kandidatin dachte noch mal nach.
Dann blieb sie bei ihrer These. Und staunte: Richtig waren die Trauerkarten. Sie fiel von 4.000 auf 500 Euro. "Sie machen mir den Eindruck, das Leben geht weiter", tröstete Jauch. "So lange man nicht so viele Trauerkarten schreiben muss, ist es eh lebenswert." Die Kandidatin stimmte zu. Als Krankenschwester kennt sie sicher den Wert der Gesundheit.