Da soll noch einer sagen, Lehrer seien Sicherheitsmenschen. Weil er kurz nicht über die Folgen seines Mutes nachdachte, machte Kandidat Tom Grimm am Montagabend aus einer sonst eher risikoarmen Ausgabe "Wer wird Millionär?" doch noch das versprochene "Zocker-Special".

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"Gute Reise und Glückwunsch zu 16.000 Euro", gratuliert Günther Jauch seinem Kandidaten, dem Polizeibeamten Heinz-Dieter Herrmann. Dann friemelt sich der Moderator das Sakko zurecht und verliest den wartenden Nachfolge-Kandidaten die neue Eingangsfrage. Alles ganz sachlich und höflich.

Ja, die Zeiten sind offenbar vorbei, in denen Zocker noch in schummrigen Kneipen an Spielautomaten für ein paar Pfennige die Zitronen hochdrückten oder in zwielichtigen Hinterzimmern ganze Vermögen über den Pokertisch gingen. Heute kann man ganz legal bei Günther Jauch zocken, sogar als Polizist. Früher war mehr Zwielicht.

So richtig gezockt hat Heinz-Dieter Herrmann nämlich auch nicht, doch der Reihe nach. Der 52-Jährige kommt beim "Zocker-Special" nach der vergangenen Ausgabe zur Wiedervorlage auf den Ratestuhl, steht bei 2.000 Euro. Zunächst weht noch ein Hauch Zockerei durchs Studio: Für 8.000 Euro will Jauch wissen: Im Bowlingregelwerk heißt es "Die 10 Pins stehen in einem ..."?

Zur Auswahl stehen: A) rechtwinkligen Trapez B) gleichschenkligen Rhombus C) gleichseitigen Dreieck D) halbkreisförmigen Bogen

Heinz-Dieter Herrmann ist kein Zocker

Polizist Herrmann ist unsicher, nach einigem Überlegen gibt er seinem Bauchgefühl nach und tippt auf das gleichseitige Dreieck – und hat Glück. Das ist ihm auch bei der 16.000-Euro-Frage am Ende treu, aber nur, weil er auf's Zocken verzichtet. Jauch wollte wissen, welche Partei in den vergangenen 30 Jahren mehr als zehn Parteivorsitzende hatte. Das Publikum hilft Herrmann bei der Antwort aus, die SPD war's.

Damit sind für den Polizisten laut Zocker-Regelwerk alle weiteren Joker weg und deshalb scheut Herrmann auch bei der nächsten Frage das Risiko: "Wer bestimmte kürzlich, dass fünf seiner sieben Enkel ab sofort nicht mehr zum Königshaus gehören?", lautete die 32.000-Euro-Frage, zur Auswahl standen: A) König Carl Gustaf B) Queen Elizabeth C) König Harald D) Königin Margarethe.

Herrmann fällt auf, dass es nur ein Mann sein kann, denn es steht "seiner" und nicht "ihrer" in der Frage. Doch Jauch sagt dazu nichts und trotz dieser Erkenntnis lässt es Herrmann lieber sein und räumt höflich den Ratestuhl. Ja, früher war mehr Zwielicht.

Auch Kandidat Alexander Embach hat seinen Zocker-Sinn an diesem Abend zuhause gelassen. Zum Glück, denn Embach quält sich bereits bei den ersten Fragen. Bei 2.000 Euro will Jauch wissen, was Polizisten an Passanten zum Schutz vor Taschendieben verteilen: Kunstschnee, Glöckchen, Tannenzweige oder Pfeffernüsse.

Günther Jauch spielt Taschendieb

Bei Embach klingelt's einfach nicht, auch nicht das Glöckchen und so hilft ihm Jauch mit einem kleinen Rollenspiel. Der Moderator mimt den Taschendieb und Embach soll als Passant herausfinden, was wohl gegen Taschendiebe helfen könnte.

Kurz darauf hilft Embach aber auch kein Rollenspiel mehr, er muss den ersten und damit auch einzigen Joker anbrechen. Nicht zuletzt deshalb scheut Embach dann bei der 16.000-Euro-Frage ebenfalls das Risiko, will seiner Freundin zu Weihnachten schließlich den gewünschten gelben Regenmantel schenken. Deshalb haut Embach völlig ohne Zockerei in den Sack und verlässt das Studio mit 8.000 Euro.

Und so hätte das "große Zocker-Special" diesmal seinen Namen völlig zu Unrecht getragen, wäre mit Tom Grimm nicht wenigsten ein Kandidat dabei gewesen, der auch einmal etwas Risiko eingeht. Zur Ehrenrettung der anderen Kandidaten muss man sagen, dass Grimm bei den höheren Fragen auch alle Joker zur Verfügung hatte, also eher etwas riskieren konnte.

Günther Jauch: "Ich hätt's mich nicht getraut"

"Sie sind mir ein bisschen zu geschmeidig hier durchgekommen", urteilt Jauch nach den ersten paar Fragen und in der Tat hat Grimm nicht sonderlich viel Mühe, auch wenn er die Antworten nicht immer mit Sicherheit weiß. "Souverän aber unspektakulär", so Jauchs Urteil.

Auch sonst besticht der 31-jährige Lehrer mit dem 1970er-Jahre-Schnorres nicht unbedingt durch eine große Show. Da hilft es auch nur wenig, dass Grimm aus seinem Geräusche-Repertoire vorträgt und zeigt, wie er mit Schweinequieken kleine Kinder zum Lachen bringen kann.

Dass diesmal er selbst etwas zum Lachen hat, liegt nicht an Schweinegeräuschen, sondern an Grimms Wagemut. Die 125.000-Euro-Frage stellt sich nämlich als ziemlich haarig heraus: "Im Gegensatz zur Formel 1 gibt es nach dem legendären 'Indianapolis 500' für den Sieger statt Champagner …? A) Ein Glas Orangenlimo B) Eine Flasche Milch C) Eine Dose Bier D) Hustensaft"

Grimm weiß es nicht, auch sein Telefonjoker ist ratlos. Also kommt noch einmal der 50:50-Joker zum Einsatz, übrig bleiben die Milch und der Hustensaft. "Nehmen wir B), eine Flasche Milch", schießt es plötzlich aus Grimm heraus und auch Jauch ist über so viel Mut erstaunt: "Ich hätt's mich nicht getraut."

Da dämmert es wohl auch Grimm, was alles auf dem Spiel steht: "Ich ärger' mich auch gerade ein bisschen". Muss er nicht, denn tatsächlich bekommt der Sieger nach dem Rennen einen Schluck aus der Milchflasche und Grimm nun 125.000 Euro. Danach ist für den Lehrer nämlich Schluss, mehr Risiko will er nicht mehr eingehen. Aber dass er ein Zocker ist, hat er an diesem Abend ja auch bereits bewiesen.

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"Wer wird Millionär?" Darunter leidet Jauch noch heute

Das Thema Knöpfe beschäftigte einen Kandidaten beim großen "Wer wird Millionär?"-Zocker-Special am Montag Abend. Bei Günther Jauch riss dieses Stichwort eine Wunde aus der Kindheit auf. Er plauderte aus dem Grundschul-Nähkästchen.