Nicht nur in München dreht sich derzeit alles um das Oktoberfest, auch bei "Wer wird Millionär?" stand am Montag alles im Zeichen des größten Volksfestes der Welt. Während Wiesn-Kellnerin Michaela Maier richtig groß aufspielte, tat sich Günther Jauch mit bayerischem Brauchtum richtig schwer.

Christian Stüwe
Eine Kritik
von Christian Stüwe, Freier Autor

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Der Fassanstich geriet zum Desaster. Bis zum zwölften Schlag zählte das Publikum noch laut mit, doch Günther Jauch war noch nicht fertig. "Ist das ein Fake-Fass?", fragte der Moderator. "Ich weiß ja, dass der Sender sparen muss. Stellen die mir hier ein leeres Fass hin?"

Aber so war es nicht, denn irgendwann sprudelte das Bier dann doch. Nach gefühlten 30 Schlägen. "O'zapft is!", rief Jauch und eröffnete das "Oktoberfest-Special" von "Wer wird Millionär?" am Montagabend.

Günther Jauch ist kein Freund der Wiesn

Jauch, in Münster geboren, ein waschechter Preiß also, wie der Bayer sagt, zudem Weinbergbesitzer, erklärte bereits mehrfach, kein großer Freund der Wiesn zu sein. Und so dilettierte er sich weiter durch die bayerische Hochkultur, versuchte mit großer Anstrengung Maßkrüge zu stemmen und im Publikum zu verteilen, während die größtenteils in Tracht gekleideten Zuschauer begeistert den "Zillertaler Hochzeitsmarsch" mitklatschten.

Ach ja, das Oktoberfest. Entweder man liebt es, oder man hasst es. Zu einer spannenden Quizrunde passt die bierselige Atmosphäre irgendwie nicht. Und so stand die Befürchtung im Raum, dass die zweistündige Show am Montagabend eine nicht sonderlich aufregende Gaudi-Veranstaltung werden könnte.

Wenn Sie sich zum ersten Mal ins Getümmel des weltberühmten Volksfestes stürzen, bereiten Sie sich am besten gut vor, um nicht sofort als Neuling erkannt zu werden.

Wiesn-Kellnerin trägt zehn Krüge

Doch dann kam Michaela Maier. Und die Wiesn-Kellnerin aus dem Schützenzelt legte einen der bemerkenswertesten Auftritte seit langer, langer Zeit hin. Die sympathische 36-Jährige konnte nicht nur zehn Bierkrüge gleichzeitig tragen, sondern auch souverän Frage um Frage beantworten. Den Zusatzjoker verbrauchte sie erst bei der 64.000-Euro-Frage und stand deshalb mit 50:50-Joker, Publikumsjoker und Telefonjoker vor der 125.000-Euro-Frage.

"Betragen die Seitenlängen bei einem Dreieck 3,4 und 5 cm, dann handelt es sich definitiv um ein...?"

A: spitzwinkliges Dreieck

B: rechtwinkliges Dreieck

C: stumpfwinkliges Dreieck

D: gleichwinkliges Dreieck

Jauch, der längst Gefallen an der Kandidatin gefunden hatte, zeichnete sogar ein entsprechendes Dreieck auf, riet aber zusätzlich zum Telefonjoker. Maier rief Mathematik-Lehrer Cajetan Bittkau an. "Fünf mal fünf sind 25, vier mal vier sind 16, drei mal drei sind neun. Das ist pythagoreisches Tripel, demnach ist das Dreieck rechtwinklig", antwortete Bittkau wie aus der Pistole geschossen. Wohl dem, der solche Joker hat. "Du bist der Allerbeste", jubelte Maier, nahm einen Schluck aus ihrer Maß und konzentrierte sich nun auf die 500.000-Euro-Frage.

500.000-Euro-Frage: Das Publikum liegt falsch

Wer veröffentlicht nahezu täglich sogenannte Permanenzen?

A: Spielkasinos

B: Sternwarten

C: Flughäfen

D: Vatikan

"Permanenzen, das habe ich tatsächlich schon mal gehört", erklärte Maier, befragte aber sicherheitshalber das Publikum. 39 Prozent der Zuschauer entschieden sich für die Sternwarten, 30 Prozent für Flughäfen. Wirklich hilfreich war das nicht. "Meine Tendenz war anders, die war 'A'", sagte die Wiesn-Kellnerin und schob den 50:50-Joker hinterher. Und schon waren die beiden Favoriten des Publikums dahin. Die Münchnerin folgte nun ihrer ursprünglichen Eingebung und entschied sich für die Spielkasinos, was tatsächlich auch richtig war.

Das mitfiebernde Publikum atmete deutlich hörbar auf, auch Jauch war erleichtert. Die Wiesn-Kellnerin hatte sich tatsächlich bis zur Millionen-Frage durchgezockt.

Welches war 1948 das erste Stück, das in der Augsburger Puppenkiste aufgeführt wurde?

A: Das doppelte Lottchen

B: Der gestiefelte Kater

C: Jim Knopf und die Wilde 13

D: Die rote Zora

Kandidatin hat eine Vermutung: Zocken oder nicht?

"Ich glaube, ich habe das schon mal gehört", sagte Maier und sorgte schon wieder für ein verblüfftes Raunen im Studio. "Ich glaube, dass es 'Der gestiefelte Kater ist'. Das ist das einzige Stück von den Gebrüdern Grimm." Und dann präzisierte sie: "Ich glaube, dass ich das mal gelesen habe, dass das erste Stück von den Gebrüdern Grimm war. Ich traue mich aber nicht. Oder traue ich es mich doch?" Dieses Hin und Her zog sich über mehrere Minuten hin, bevor die Münchnerin sich dann schließlich doch für die 500.000 Euro entschied.

Dabei war sie ganz nah dran, die Million zu gewinnen. Denn die richtige Lösung war tatsächlich "Der gestiefelte Kater", die Augsburger Puppenkiste führte das Stück am 26. Februar 1948 auf. "Scheiße", kommentierte die Wiesn-Kellnerin die Auflösung knapp. Und so lag am Ende doch ein kleiner Schatten auf dem famosen Auftritt. Immerhin kann sie sich neben den 500.000 Euro auch damit trösten, die Hauptrolle in der wohl spannendsten Folge von "Wer wird Millionär?" seit langer Zeit gespielt zu haben.

Anschauen konnte sich Michaela Maier die Aufzeichnung am Montagabend aber nicht, schließlich stand zeitgleich der Einsatz auf dem Oktoberfest an.