Poledance für die Million? Schräger Moment bei "Wer wird Millionär?"

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TV-Unterhaltung von der Stange kann man Günther Jauch nicht vorwerfen. In der aktuellen Folge von "Wer wird Millionär?" spielte eine Stange jedoch eine tragende Rolle ...

Scheuer Blick, konservatives Outfit und bodenständiger Beruf: Wer sich schon in den ersten Fernsehabend-Minuten ein Bild von "Wer wird Millionär?"-Kandidatin Nele Pöllmitz machte, kam später nicht aus dem Staunen raus. Die Revisorin tanzt gern an der Stange. Jauch nutzte die Poledance-Show auf der Bühne für schlüpfrige Bemerkungen. Zu Unrecht!
Erst bei der 4.000-Euro-Marke brauchte Nele Pöllmitz den ersten Joker. Der 50:50-Joker ging für die nächste Antwort drauf. Die 16.000 Euro erspielte sie mit ihrem Papa als Telefonjoker: Im Song "Baker Street" ertönt eines der berühmtesten Saxophon-Soli der Musikgeschichte. Musik war das Stichwort für Jauchs Überleitung zur Überraschung des Abends.
"Apropos Musik", so Jauch, "Sie sollen eine begeisterte Poledance-Darstellerin sein." Der Moderator fragte, ob sie das "im heimischen Schlafzimmer oder auf dem Kiez" mache. Die Kandidatin lächelte die Unterstellung höflich weg: "Weder noch." Im Hintergrund wurde eine Tanzstange auf der Bühne angebracht. Jauch hoffe zu Recht auf eine Darbietung.
Poledance sei der beste Ganzkörpersport, erklärte Nele Pöllmitz. "Ganzkörpersport?", plapperte Jauch ungläubig nach. Die junge Dame versicherte, es gehe ihr nicht um Erotik, sondern um Fitness. "Sie werden beim Poledance schnell Erfolge sehen", versprach sie. "Ich kenne viele Männer, die sehr schnell Erfolge beim Poledance sehen", kalauerte Jauch.
Jauch putzte für die Kandidatin die Stange. Lasziv sieht anders aus, doch immerhin ein Zuschauer wünschte sich eine Zugabe. Jauch zierte sich. Nele Pöllmitz führte dagegen drei Poledance-Figuren vor und machte dabei eine gute Figur. Jauchs zweifelhaftes Kompliment: die Frage, ob sie damit nicht mehr Geld verdienen könne als mit der Revisorenstelle.
Wer Nele Pöllmitz zu Beginn des Abends für eine graue Maus gehalten hatte, wurde eines Besseren belehrt. Das einzig Konservative an der Blondine war ihr Investitionswunsch: Das erspielte Geld wollte sie als Startkapital fürs Eigenheim nutzen. Bei 16.000 Euro endete ihre Reise zur Million allerdings, bevor sie richtig Fahrt aufnehmen konnte.
"Frauenpower heute bei 'Wer wird Millionär?'", stellte Jauch fest. Sandra Waschkies war die Schnellste bei der nächsten Auswahlrunde. Die Fotografin wählte die Risikovariante. Will heißen: vier Joker, dafür keine Absicherung bei der 16.000-Euro-Marke. Die 8.000-Euro-Frage: "Welchen Titel verpassten die Medien im Juli der Britin Carrie Symonds?"
Next Princess, Best Grandma, First Girlfriend oder Miss Brexit? Die Kandidatin glaubte Letzteres. Das Publikum stimmte mit knapper Mehrheit zu: 52 Prozent glaubten an "Miss Brexit". Aber hatte Sandra Waschkies vielleicht das Publikum mit ihrer Vermutung unbewusst beeinflusst? "Es ist ja nicht 'betreutes Gewinnen' hier", meinte Jauch kaltherzig.
Carrie Symonds ist die aktuelle Lebensgefährtin des britischen Premiers Boris Johnson, berichtete Jauch. Die Kandidatin freute sich. Allerdings zu früh. Die Medien gaben ihr den Spitznamen "First Girlfriend" - weil das Paar unverheiratet ist. Waschkies kam aus der Nähe von Siegen, konnte aber nicht siegen. Sie fiel hart auf 500 Euro. Wie bitter!
"Endlich auch mal wieder ein Mann hier vorne", begrüßte Jauch Christian Bildersheim aus Böblingen. Der Single arbeitet als Controller bei der Sparkasse. "Ich bin den ganzen Tag vor dem Computer", berichtete er. Als Ausgleich macht er allerdings kein Poledance. Bei der 4.000-Euro-Frage stand er zum ersten Mal auf dem Schlauch.
"Ich stehe gerade auf dem Schlauch, das ist daheim mit der Chipstüte doch ein bisschen anders", bekannte er. Das Publikum rettete ihn. "Ich habe Gehirngulasch", beschrieb Christian Bildersheim sein Innenleben. Ein paar Joker später stand er dennoch vor der 64.000-Euro-Frage.
"Für das Saatgut welches hierzulande beliebten Produkts riskieren zahlreiche Menschen in Georgien ihr Leben?" Buchsbaum, Nordmanntanne, Yuccapalme oder Rhododendron? Der Telefonjoker wusste nur, dass er nichts wusste. Der Kandidat machte bei 32.000 Euro den Deckel zu. Jauch war überzeugt: Da wäre mehr drin gewesen.
Als es nichts mehr zu gewinnen oder verlieren gab, half Jauch dem Kandidaten auf die Sprünge. "Die Zapfen der Nordmanntanne sind da ganz oben, die armen Kerle klettern dann hoch und so viele fallen da runter", dozierte der Moderator. "Die Frage ist nicht eindeutig", beschwerte sich der Kandidat. Einspruch abgelehnt, der nächste bitte!
Chantal Weindorf hatte im Gegensatz zur ersten Kandidatin kein ungewöhnliches Hobby, sondern eine ungewöhnliche Macke: "Putzen und Desinfizieren sind ihre Leidenschaften", las Jauch vor. "Den Bildschirm hätte ich gern vorher desinfiziert", gab sie zu. Die Regie versicherte, das Studio würde ständig geputzt. Jauch wurde daraufhin gemein.
"Was man sich bei diesem versifften Boden gar nicht vorstellen kann", ätzte Jauch. Dann schoss er gegen die Dame aus Ingelheim. "Ehrlich gesagt ein bisschen gaga", diagnostizierte der Moderator. Bei 400 Euro war Schluß. Allerdings nur, weil die Tröte signalisierte: Fortsetzung folgt! Vielleicht putzt Jauch nach der Stange ja das ganze Studio ...