Bei "Wer wird Millionär - Das Lehrer-Schüler-Special" fühlt Günther Jauch dem deutschen Bildungswesen auf den Zahn. Drei Schulen spielen ums große Geld. Dabei offenbaren sich zum Teil erstaunliche Kompetenzschwerpunkte.

Jedes Rateteam hat die Chance auf den Maximalgewinn von einer Million Euro. Die Spielregeln sind wie üblich, nur dass anstelle eines Kandidaten für jede Schule ein Rateteam, bestehend aus einem Lehrer und einem Schüler, antritt. Der Pädagoge wird dabei von den Schülern selbst auserkoren und der erspielte Gewinn fließt in ein vorher gemeinsam festgelegtes Schulprojekt. Zur Unterstützung der Teams sitzen jeweils etwa 20 Schüler im Publikum. Wie bei Begleitpersonen sonst auch üblich, dürfen diese aber nicht als Zusatzjoker fungieren. Nur beim Publikumsjoker dürfen sie mit antworten.

LSD-Zwerg trifft Fels in der Brandung

Das erste Lehrer-Schüler-Team kommt von der Carl-Schomburg Gesamtschule aus Kassel. Als Spezialgebiet gibt die quirlige Lehrerin Julia Wöllenstein (39), die sich selbst als "Zwerg auf LSD" beschreibt, überraschenderweise Promi- und Klatschthemen an. In der Schule unterrichtet sie hingegen Englisch, Religion und Kunst und leitet zudem die Theatergruppe, hat von Hollywood-Star Martin Freeman aber noch nie gehört. Der 16 Jahre alte Realschüler Bela Lempp soll ihr "Fels in der Brandung" sein. Verkehrte Welt bei Jauch. Die interessante Mischung scheint jedoch aufzugehen. Souverän und ohne Joker marschiert das Gespann bis zur 16.000-Euro-Frage. Danach purzelt jedoch bei jeder weiteren Frage ein Joker bis zur 125.000-Euro-Frage: "Welches Bauwerk wird Pressemeldungen zufolge in einer aktuellen Bilanz mit 27 Euro bewertet?"

Berliner Reichstag

Kölner Dom

Pariser Eiffelturm

Kolosseum in Rom

Nachdem auch der Telefonjoker ratlos ist, geht das Duo aus Essen mit 64.000 Euro, die in den Ausbau des Theaterraums der Schule fließen sollen, nach Hause.

Im "Jackpot-Special" bei Jauch gewinnt ein 35-Jähriger über 900.000 Euro.

Jauch in den Förderverein

Als zweites begibt sich Dagmar Ahlers (42) mit dem 17 Jahre alten Abiturienten Roman Röhl vom Elisabeth-von-Thüringen-Gymnasium aus Köln auf den Ratestuhl. Die Besonderheit der Schule ist das "Projekt Inklusion", weshalb der Gewinn in einen behindertengerechten Ausbau des Schulgebäudes fließen soll. Die Latein- und Geschichtslehrerin mit klassischer Gesangsausbildung gilt als Kumpeltyp (wird von Roman "versehentlich" geduzt), der sich bei Bedarf jedoch auch gut durchsetzen kann. Allerdings nicht, wenn es um Naturwissenschaften geht. Bei der 4.000-Euro Frage erwischt Jauch die Pädagogin eiskalt: "Hat ein Dreieck einen 90-Grad- und einen 30-Grad-Winkel, dann hat der dritte Winkel ...?"

45 Grad

60 Grad

auch 90 Grad

auch 30 Grad

Ahnungslosigkeit auf ganzer Linie. Auch der Abiturient scheint mit Trigonometrie auf Kriegsfuß zu stehen, obwohl er als Lieblingsfächer Physik, Technik und Naturwissenschaften angegeben hat. Deshalb muss Jauch eifrig nachhelfen. Sollte Roman heil durchs Abi kommen, weiß er, bei wem er sich bedanken darf. Stattdessen bedanken sich Lehrerin und Schüler nach der 16.000-Euro-Frage mit einer innigen Umarmung bei ihrem verdutzten Publikumsjoker, der wusste, dass Rosenkohl mehr Vitamin C enthält als eine Zitrone. Bei 64.000 Euro ist dann aber Schluss: "Wofür wurden 2014 insgesamt 67.763 private Anträge in Deutschland gestellt?"

Asyl

Rente mit 63

Einsicht von Stasiakten

Elterngeld

Da der barrierefreie Schulausbau etwa 150.000 Euro veranschlagen würde - unter anderem ein Aufzug zur im ersten Stock gelegenen Turnhalle ist nötig - schlägt Jauch einen Förderverein vor. Zur Erheiterung des Publikums kontert Roman: "Treten Sie doch dem Förderverein bei. Wir nennen den dann auch Günter-Jauch-Aufzug."

Sportfrage? Mordfrage!

Trotz der teils erschreckenden Defizite seiner Vorgänger macht Reinhard Vogt (63) einen gefassten Eindruck, als er zum Schluss das Podium betritt. Der Mathe- und Physiklehrer vom Heinrich-Hertz-Gymnasium in Erfurt hat die 18-jährige Anne Salzwedel dabei, die er durch seinen Unterricht sogar für die Leistungskurse Mathe und Physik begeistern konnte. Als einziges Team entscheiden sich die Erfurter gegen den Zusatzjoker und setzen mit naturwissenschaftlichem Kalkül auf Sicherheit. Trotz leichter Schwächen in Punkto Hip-Hop-Slang klettert das Duo souverän zur 16.000-Euro-Absicherung. Die Fußball-Frage für 32.000-Euro fällt allerdings nicht in das Spezialgebiet der Kandidaten: "FC ... 04 rahmt nicht nur bei Schalke den Vereinsnamen, sondern auch beim Fußball-Zweitligisten ...?

Ingolstadt

Aalen

Sandhausen

Darmstadt

Da sich auch unter ihren Telefonjokern kein absoluter Fußball-Experte befindet, muss bei dieser Frage zusätzlich noch der Publikumsjoker dran glauben. Ein ungünstiger Umstand, der bei mathematisch-analytischer Betrachtung durch eine andere Telefonjoker-Zusammensetzung wohl hätte vermieden werden können. Somit bleibt bei der 64.000-Euro-Frage kein Joker mehr übrig, um die (korrekte) Ahnung zu bestätigen, dass sich der Mariannengraben östlich der Philippinen befindet. Für eine bessere Schalldämmung des Big-Band-Proberaums sollten aber auch 32.000 Euro locker reichen.

(lug)