(kom/ak) – Ist Athen wirklich pleite? Wirft man einen Blick auf so einige Kontoauszüge der griechischen Staatsangestellten, scheint das nicht wirklich der Fall zu sein. Finanzinspektoren für die öffentliche Verwaltung haben bei stichprobeartigen Kontrollen herausgefunden, dass 13 Staatsbedienstete insgesamt stolze 25 Millionen Euro Einnahmen auf griechischen Bankkonten horten. Das berichtet die griechische Sonntagszeitung "Proto Thema" in ihrer Online-Ausgabe.

Die Einnahmen seien ungerechtfertigt, heißt es im Vorwort des brisanten Dokuments, welches dem griechischen Parlament am Freitagabend vorgelegt wurde. Ein mittlerweile pensionierter Mitarbeiter eines griechischen Ministeriums führt die Liste an, er habe ungerechtfertigte Einnahmen in Höhe von 8,9 Millionen Euro während seiner Amtszeit aufzuweisen.

Die Finanzinspektoren, die auch für die Bekämpfung der Schattenwirtschaft zuständig sind, sehen die Ursachen in der steigenden Korruption und der endlosen Bürokratie im öffentlichen Dienst. Fünf der 13 Korruptionsfälle in dem Schreiben kommen aus der Bau- und Stadtplanung. Mindestens vier Millionen Euro flossen demnach auf die Bankkonten von zuständigen Führungskräften für die Bauaufträge. Auf den Saronischen Inseln - nahe Athen - kassierte zum Beispiel ein Revierförster im höheren Dienst über acht Millionen Euro, um Anträge zum Wohnungsbau auf geschützten Waldgebieten schneller voranzutreiben.

Peinlich und zugleich skandalös ist auch das Beispiel einer Justizbeamtin, die dank ihrer staatlicher Beschäftigung und Abkassieren von Bestechungsgeld zur Multimillionärin avanciert. Auf privaten und familiären Bankkonten wurden stolze 7,9 Millionen Euro sichergestellt. Ärgerlich für das Justizministerium, dass bereits im Dezember ein Disziplinarverfahren eingeleitet wurde. Doch das zuständige Finanzamt kann dem Antrag auf Steuerhinterziehung nicht nachkommen, "es gibt zu wenig Personal". Die Inspektoren kritisieren mit erhobenen Finger die griechische Politik: Es fehle an Engagement, mit den jeweiligen Verwaltungsstellen zu kooperieren.

Schockierend sind auch weitere Korruptionsskandale, die nicht auf der Liste stehen. Laut der griechischen Zeitung "To Vima" haben Beamte der gesetzlichen Krankenkasse "IKA" den griechischen Staat um knapp zwölf Millionen Euro betrogen. Die kriminellen Angestellten vermittelten staatliche Zuschüsse an Nichtversicherte und kassierten dabei 80 Prozent "Provision". Ein erfolgreiches Geschäft, wie sich herausstellte: Die Beteiligten lebten in Saus und Braus, bezogen Luxusvillen und fuhren schicke Limousinen.