Namen wie Minub al-Masri, Saad Hariri oder Naguib Sawiris kennen nur Insider. Doch sind der Palästinenser, der Libanese und der Ägypter selbst für westliche Verhältnisse steinreich. Diese Milliardäre stammen aus ärmlichen Verhältnissen und führen jetzt ein Leben in Saus und Braus.

Neben der Liebe zum luxuriösen Leben unterhalten einige der Superreichen auch Stiftungen und wohltätige Organisationen. Die wirtschaftlichen Schwergewichte spendieren ihrem Land Kindergärten, Gesundheitszentren oder Flughäfen.

Damit leisten die Milliardäre beachtliche Aufbauhilfe für ihre Länder und verfolgen doch auch eigene Ziele wie Imagepflege und gute Beziehungen zur Politik. Auf den nächsten Seiten können Sie über Wirtschaftsbosse aus armen Ländern zwischen Selbstlosigkeit und Eigennutz lesen.

"Ich bin kein Weihnachtsmann", gesteht Carlos Slim Helu. Als Manager könne er mehr helfen, indem er Jobs und Wohlstand schaffe, sagte der Mexikaner 2007 der Nachrichtenagentur Reuters. Damit vertritt der zweitreichste Mensch der Welt eine ganz andere Meinung wie etwa Bill Gates (Platz 3) und Warren Buffet (Rang 1). Die beiden Amerikaner spenden viel von ihren Dollar-Milliarden und wollen so der Krankheit Malaria den Garaus machen.

Doch hält sich der Mexikaner mit libanesischen Wurzeln nicht an sein Credo. Im armen Mexiko investierte Helu alleine 2007 rund 70 Millionen US-Dollar in 250.000 Laptops, die er an einheimische Kinder weitergab. Ein Jahr später sollen es insgesamt eine Millionen weitere Geräte werden, die zuerst an Schulen aber auch an Büchereien gehen.

Seine Idee sieht vor, dass die mobilen PCs von den Büchereien ausgeliehen werden. Außerdem will der Chef der Telekommunikationsfirmen Telmex und Telcel Schulen beim Aufbau von Funknetzen helfen.

Noch eigennütziger geht Helu in der Altstadt von Mexiko-Stadt vor. Er sorgt zwar dafür, dass das Weltkulturerbe erhalten bleibt, aber gleichzeitig kauft sich der Geschäftsmann im großen Stil ein. Viele der Pyramiden, Kathedralen, Klöster und Paläste gehören jetzt dem 60-fachen Milliardär.

Der Palast von Minub al-Masri könnte in seiner Pracht in der Nähe von Pisa, Florenz oder Mailand beheimatet sein. Das weitläufige Gebäude steht jedoch neben den Ruinen eines Samaritaner-Tempels auf dem "Berg des Segens", hoch oben über Nablus im Gazastreifen. Das luxuriöse Heim ist mit antiken Möbeln und wertvollen Kunstwerken ausgestattet, die fast alle aus dem Abendland des 16. und 17. Jahrhunderts stammen.

Doch mag der Milliardär Minub al-Masri nicht nur schöngeistige Kunst, sondern ist auch an handfester Politik interessiert. "Mein einziges Ziel ist, einen palästinensischen Staat mit Jerusalem als Hauptstadt zu erleben, der Seite an Seite in Frieden und Harmonie mit Israel lebt", erzählte er dem bayerischen Rundfunk.

al-Masri macht in der palästinensischen Stadt unter anderem in Kartonage. Dafür übernahm er das marode Unternehmen "The National Carton Industry" und brachte es auf Vordermann. Das Unternehmen für Papp-Produkte gehört zur Padico-Holding, die in Gaza von außerordentlicher Bedeutung ist. "Wir haben derzeit 2.000 Angestellte und etwa 30.000 Aktionäre. Inzwischen profitieren fast 500.000 Menschen von unserer Firma, entweder direkt oder auch indirekt. Das heißt, dass wir inzwischen rund ein Viertel der palästinensischen Wirtschaftsmasse stellen", kennt al-Masri die Bedeutung seiner Padico-Holding.

Kurz nach dem Tod des Libanesen Rafik Hariri schätzten Finanzexperten das Vermögen der gesamten Hariri-Familie auf 16,7 Milliarden US-Dollar. Der Klanchef war am 14. Februar 2005 bei einem Autobomben-Anschlag ums Leben gekommen. Seit 1989 hatte sich Rafik Hariri politisch für die Aussöhnung der Bürgerkriegsparteien eingesetzt.

Mehrere Jahre war er Ministerpräsident, fiel jedoch hauptsächlich durch eine hohe Staatsverschuldung auf. Nach seinem Tod übernahm der Sohn Saad Hariri das politische Erbe und gilt seitdem mit seiner Firma Saudi Oger als sehr einflussreich. Den Kritikern geht das Engagement zu weit: Die Familie soll Immobilien- und Infrastrukturprojekte an eigene Firmen vergeben und so in die eigene Tasche wirtschaften.

Auf der anderen Seite ist die Hariri-Familie für ihre Stiftung bekannt. Seit 1979 unterstützt die wohltätige Gesellschaft Studenten mit Stipendiaten und begleitet Absolventen auf ihrem Karriereweg. Die Stiftung unterhält Kindergärten, Schulen und Gesundheitszentren. Außerdem setzt sich die "Hariri Foundation" auch für die libanesische Kultur ein. So fördert sie die einheimische Schriftsteller-Szene und renoviert historische Gebäude wie die große Omari-Moschee in Sidon.

Eine ähnliche Familie wie die Hariris gibt es in Ägypten: Seit 1972 erlebt der Orascom-Konzern und die Sawiris-Familie einen beständigen Aufschwung. Das Oberhaupt Onsi Sawiris hat sich im Alter von 80 Jahren mittlerweile fast komplett aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen und überlässt die Leitung seinen drei Söhnen.

Nassef kümmert sich um die Baugeschäfte, Samih um den Tourismuszweig. Der erfolgreichste Sawiris-Spross ist aber Naguib, der die Telekomgeschäfte leitet. Auf der aktuellen Forbes-Liste kommt er mit einem Vermögen von 12,7 Milliarden US-Dollar auf Platz 60.

Wie die Hariris haben auch die Sawiris ihre eigene Stiftung. In Kooperation mit dem Frauen- und Kinderhilfswerk "Center of the Egyptian Family Development" vergab die Organisation bis Ende 2005 etwa Mikro-Kredite. Im nordägyptischen Aswan gewährten die Sawiris in drei Jahren 910 Kredite, davon 765 an Frauen. Diese eröffneten mit ihrem Geld Bäckereien, Schneidereien oder setzen andere Geschäftsideen um.

In der Kleinstadt El Nashda unweit von Kairo unterstützte die Stiftung den Bau einer Plastik-Recycling-Firma. In Zusammenarbeit mit der Roten-Kreuz-Gesellschaft "Egyptian Red Crescent Society" und der Umweltschutzorganisation "Association for the Protection of the Environment" entstanden 60 Arbeitsplätze.

Aber wie den reichen Libanesen wird auch der ägyptischen Sawiris-Familie vorgeworfen, sich über Beziehungen zu Politikern Vorteile verschafft zu haben.

Nicht weniger umstritten ist der Milliardär Kirk Kerkorian. Der Amerikaner mit armenischen Wurzeln fiel in den letzten Jahren durch seine Klagen gegen den "ungleichen Zusammenschluss" von Daimler und Chrysler auf. Zwei Mal versuchte der mittlerweile 90-Jährige, Chrysler zu kaufen. Im April 2007 bot Kerkorian 4,5 Milliarden US-Dollar für den Autobauer.

Zurzeit ist der Kalifornier mit einem geschätzten Vermögen von 16 Milliarden Dollar auf Platz 41 der Forbes-Liste. Schon in den 90er-Jahren versuchte er, Chrysler zu übernehmen. Damals lag die Kaufsumme ungefähr fünf Mal so hoch. Chrysler stufte das Angebot als feindlich ein und suchte nach einem strategischen Partner, den es mit Daimler gefunden hatte. Im Gegensatz zu Helu, al-Masri, der Hariri- und der Sawiris-Familie kommt Kirk Kerkorian aus keinem armen Land, sondern aus dem erfolgsverwöhnten Kalifornien, doch hat der superreiche Selfmademan armenische Wurzeln.

Obwohl er nie im Heimatland seiner Eltern gelebt hat, zeigte er sich nach dem Erdbeben in der armenischen Region Gyumri 1988 sehr spendabel. Laut der Internetseite "Armenian Assembly of America" soll Kerkorian insgesamt 200 Millionen US-Dollar für den Wiederaufbau zur Verfügung gestellt haben. Damit konnte unter anderem die Handelsstraße vom Iran über Armenien zur georgischen Schwarzmeerküste wieder hergestellt werden.

Milliardäre wie Kirk Kerkorian sind es gewohnt, große Macht auszuüben. Doch in armen Ländern haben die einheimischen Superreichen noch weitmehr Einfluss. Mit ihrer Wirtschaftskraft, die in ihrer Heimat einen gewichtigen Anteil am Bruttoinlandsprodukt stellt, sind sie die ersten Ansprechpartner für die nationale Politik. So entsteht oft eine Kungelei, bei der Umwelt- oder Minderheiteninteressen in den Hintergrund gedrängt werden.

Im Gegensatz dazu stehen die Stiftungen und sozialen Engagements der Milliardäre. Durch ihren Einsatz entstehen Arbeitsplätze und wird die Kultur sowie das Gesundheitswesen gefördert. Staaten wie Mexiko, Ägypten oder Armenien profitieren von ihren Wirtschaftsstars. Doch ist auch klar, dass die Superreichen mit ihrem Einsatz knallharte Interessen verfolgen.