(mac) Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Januar um 302.000 auf 3,082 Millionen gestiegen. Die Arbeitslosigkeit unter Ausländern ist sogar doppelt so hoch wie unter Deutschen - Tendenz steigend. Das kann sich ein Land, das Zuwanderung braucht, eigentlich nicht leisten.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) ist der Ausländeranteil unter Hartz-IV-Empfängern gestiegen. Lag der Anteil der ausländischen Bürger an den Hartz-IV-Empfängern 2006 noch bei 18,2 Prozent, stieg er auf jetzt knapp 18,8 Prozent - fast jeder fünfte Bezieher von staatlichen Hilfen zum Lebensunterhalt ist Ausländer, erklärt BA-Sprecherin Ilona Mirtschin auf Anfrage dieses Portals.

Von den rund 82 Millionen Bürgern in Deutschland erhalten circa 5,1 Millionen Deutsche Hartz-IV - das entspricht einer Quote von rund 9,5 Prozent. Von den in Deutschland lebenden 6,7 Millionen Ausländern erhalten rund 1,2 Millionen Unterstützung für den Lebensunterhalt - das ist ein Anteil von 16,1 Prozent.

Ein paar Zahlen

Laut dieser Studie stammen die meisten Hartz-IV-Empfänger aus der größten ausländischen Bevölkerungsgruppe - der türkischen. Türken stellen rund 391.000 Hartz-IV-Empfänger, gefolgt von Italienern (rund 63.000), Polen (etwa 56.000), Irakern (circa 52.000) sowie von Menschen aus der Russischen Föderation (rund 51.000). Wie Mirtschin weiter sagt, steigt die Zahl der ausländischen Langzeitarbeitslosen seit 2006 kontinuierlich an.

Für Professor Klaus Zimmermann, dem Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) und früheren Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), ist diese Entwicklung Ergebnis einer verfehlten Integrationspolitik. Denn "soweit wir unter Migranten einen höheren Anteil von Arbeitslosen feststellen können", so der Arbeitsmarktforscher, hänge dies mit einer fehlenden Zuwanderungssteuerung zusammen. Bereits in den 1960er und 1970er Jahren habe die Politik "viel zu wenig Anstrengung unternommen, die Migranten zu integrieren".

Doch dies ist nur einer der Aspekte. Wo sind andere Ursachen der steigenden Arbeitslosigkeit unter den ausländischen Bevölkerungsschichten zu suchen und wie kann dagegen vorgegangen werden?

Es gibt auch diese Zahlen: Laut einer Erhebung des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) zahlen die in Deutschland lebenden Ausländer mehr in die deutschen Sozialkassen ein, als sie aus diesen erhalten. Vor allem türkische Immigranten sind zunehmend auch erfolgreich unternehmerisch tätig. Dadurch beschäftigen sie selbst viele Arbeitnehmer – darunter auch Deutsche. Unterm Strich leisten die etwa 6,7 Millionen ausländische Bürger mehr Abgaben, als Ausländer an staatlichen Hilfen beziehen, darunter Hartz-IV-Leistungen. Auch Zimmermann bestätigt diese These und widerspricht zugleich dem ehemaligen Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD). Sarrazin ist der Ansicht, dass Ausländer mehr aus der Staatskasse nehmen, als sie wieder einzahlen. Laut Zimmermann wurde jedoch "einmal berechnet, dass bei den Ausländern in Deutschland das Gegenteil der Fall ist. Um die Zahlungsfähigkeit der öffentlichen Haushalte zu gewährleisten, müsste jeder Deutsche rund 100 Euro im Jahr mehr zahlen, wenn es die ansässige ausländische Bevölkerung nicht gäbe."

Ein Zukunftsszenarium für 2050

Trotz dieser Fakten sind Ausländer stärker von Arbeitslosigkeit betroffen als Deutsche. Genauer gesagt, ungefähr doppelt so häufig. Die deutsche Bevölkerung wiederum schrumpft immer weiter, was die Zuwanderung ausländischer Bürger unentbehrlich macht. Laut einer Studie der Vereinten Nationen zu der Bevölkerungsentwicklung in Deutschland müssten jährlich circa 324.000 Zuwanderer nach Deutschland kommen, um die Bevölkerungszahl zu halten. Zukunftsszenarien der Vereinten Nationen gehen für Deutschland allerdings nur von einem durchschnittlichen jährlichen Zuzug von 200.000 Ausländern nach Deutschland aus - damit wird die Bevölkerungszahl vermutlich von 82 auf rund 73 Millionen sinken. Ohne Einwanderung gäbe es Mitte des Jahrhunderts sogar nur noch rund 59 Millionen Einwohner zwischen Freiburg und Flensburg.

Ursachen der hohen Arbeitslosigkeit

Eine der Ursachen für Arbeitslosigkeit ist der Asylstatus vieler Ausländer. So dürfen Asylbewerber ein Jahr lang in Deutschland nicht arbeiten - erst danach stehen sie der Arbeitsvermittlung zur Verfügung.

Viele Migranten arbeiten in schlecht bezahlten Berufen. Um wenigstens das Existenzminimum zu verdienen, sind sie gezwungen, als so genannte Aufstocker ihren Lohn mit ergänzenden Hartz-IV-Leistungen zu verbessern.

Integration, Anerkennung und Verantwortung

Für den ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) ist das A und O einer gelungenen Integration das Beherrschen der deutschen Sprache. Eine 2011 erschienene Studie des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zur Verbesserung der Jobchancen von Migranten durch Integrationskurse bestätigt Stoibers These: Während zu Beginn solcher zwölf Monate dauernden Integrationskurse nur zehn Prozent der Teilnehmer eine Vollzeitstelle hatten, waren es nach dem erfolgreichen Abschluss des Kurses ganze 34 Prozent.

Viele Immigranten haben in ihren Heimatländern gute berufliche Qualifikationen und Abschlüsse erworben. Nach Schätzungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung leben in Deutschland etwa 800.000 Immigranten mit ausländischem Abschluss. Diese Qualifikationen werden auf dem deutschen Arbeitsmarkt jedoch häufig nicht anerkannt. Mit der Folge, dass inzwischen in vielen Branchen qualifizierte Fachkräfte fehlen. Dieses Jahr wurde deswegen ein "Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen" verabschiedet. Das neue Gesetz soll den deutschen Arbeitsmarkt für qualifizierte Zuwanderer attraktiver machen und zugleich die bereits hier lebenden arbeitslosen Fachleute in Lohn und Brot bringen.

Eltern in der Pflicht

Einer der wichtigsten Aspekte der Debatte ist und bleibt jedoch die Verantwortung der Eltern für ihre Kinder. Denn die "Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht", heißt es in Artikel 6 des Grundgesetzes. In ausländischen wie deutschen Familien sollten Mama und Papa ihren Kindern daher eine fundierte Schulbildung angedeihen lassen.