Schönefeld (dpa) - Er verkündet den ersehnten Eröffnungstermin für das schwierige Projekt Hauptstadtflughafen - und drei Tage später seinen Abgang. Es muss viel passieren, um einen wie Mehdorn so weit zu bringen.

Tatsächlich: Es gibt den Tag, an dem auch einer wie Hartmut Mehdorn die Nase voll hat. Vorbei die Scherze, mit der der knorrige Manager gern seine Hartleibigkeit zur Schau stellte, zum Beispiel: "Ich gehöre zu den kleinen Dicken, die was aushalten." Chef am neuen Hauptstadtflughafen - das ist eine der härtesten Aufgaben, die die Republik Managern zu bieten hat. Man hat Mehdorn das in den vergangenen Wochen angesehen. Nun ist der Posten wieder zu vergeben.

Nach 20 Monaten auf der berüchtigten Baustelle in Berlin Schönefeld wirft Mehdorn hin, er kapituliert vor dem Klima des Misstrauens, das das Projekt umgibt - das für manchen Politiker noch immer Spielball war, um tagesaktuell Punkte zu sammeln. Doch auch Mehdorn hat dieses Klima mit herbeigeführt. Nun wird ein fähiger Nachfolger schwer zu finden sein.

Aufsichtsrat mit Hartmut Mehdorn unzufrieden

"Sie haben mich geholt, jetzt müssen sie mich auch aushalten", tönte Mehdorn, als Brandenburgs Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ihn im vorvergangenen Frühjahr als ihren neuen Mann in Schönefeld präsentierten. Da lachten die damaligen Länderchefs. Doch dem Napoleon-Bewunderer Mehdorn war es ernst, er ging tollkühn ans Werk. Sein erster Tabubruch kam am ersten Arbeitstag: Lasst uns den Flughafen Tegel offen halten! Da hatte er sich die ersten Feinde gemacht.

Es folgte Reibereien um den Schallschutz für die Anwohner, die im dicht besiedelten Umfeld des neuen Großflughafens an der Berliner Stadtgrenze nicht gut ankamen - und die vor allem brandenburgische Politiker aufbrachte, vor der Landtagswahl im September.

Immer wieder fühlten sich Aufsichtsräte von Mehdorn unzureichend informiert. Ein Bericht des Bundesrechnungshofs vom Frühjahr ließ sich auch so verstehen, als ließen sie sich mitunter von dem erfahrenen Manager an der Nase herumführen. Mehdorns neueste Ideen lasen sie zuerst in der Zeitung, darunter einen Testbetrieb in einem Seitenflügel des neuen Terminals - den der Aufsichtsrat stoppte.

Hartmut Mehdorn: Ein Manager alter Schule

Doch auch Mehdorn musste erfahren, dass ihm immer wieder Verantwortliche Knüppel zwischen die Beine warfen. "Insgesamt hat es Mehdorn uns nicht immer leicht gemacht, aber wir haben es ihm auch nicht immer leicht gemacht", bekennt Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD).

Vor allem der Bund war schlecht auf Mehdorn zu sprechen, weil er im internen Machtkampf Horst Amann wegbiss, den Technikchef, den das Bundesverkehrsministerium vor Mehdorns Engagement als Hoffnungsträger geholt hatte. Ein Rücktritt aber kam für Mehdorn nie infrage. "Die Frage überspringen wir, weil das nie stattfindet", sagte er einmal.

Der 72-Jährige gilt als Manager alter Schule. Pflichtbewusstsein habe ihn bewogen, die Aufgabe in seinem Alter noch zu schultern, verriet er mal. Von Patriotismus sprach gar Peter Ramsauer (CSU), damals Herr im Bundesverkehrsministerium. Jenes Haus, dass jetzt schon per Headhunter einen Mehdorn-Ersatz gesucht haben soll. Bestätigt wurde das nicht.

Nachfolge-Frage ist offen

Es wird diese Eskalation im Streit um eine externe Überprüfung von Mehdorns Arbeit gewesen sein, die den Unbeugsamen zum Rücktritt brachte. Er warf dem Ministerium "Inquisition" vor.

Die vorweihnachtliche Friedens-Demonstration des Aufsichtsrats am vergangenen Freitag im brandenburgischen Motzen konnte das nicht kitten: "Alle Unterstützung" sicherte das Gremium Mehdorn noch zu, der gerade einen Zeitplan zur Eröffnung des Flughafens spätestens Ende 2017 präsentiert hatte. Dann kippte der Aufsichtsrat Mehdorns Antrag, Unternehmensberater weiter zu beschäftigen, die seit eineinhalb Jahren seine Schaltzentrale auf der Baustelle managen.

Treibende Kraft war der neue Berliner Regierungschef Michael Müller (SPD). Dessen Vorgänger Wowereit war Mehdorn zwar manchmal auch in die Parade gefahren - aber wenn es drauf ankam, hielt er zum Geschäftsführer. "Ich freue mich auf jeden Fall, dass ich bei der Eröffnung dabei bin", sagte Mehdorn in einer Sitzungspause am Freitag vielsagend. "In welcher Form? Das ist heute nicht entscheidend."

Wer der Nachfolger wird, ist offen. Namen wie der des Köln-Bonner Flughafenchefs Michael Garvens werden immer wieder genannt - und sind damit wohl schon verbrannt. Mehdorns neuer Technikchef Jörg Marks, der den neuen Zeitplan für die Eröffnung mit entworfen hat, käme auch infrage. Offen ist, ob der Mann, der zuvor als Siemens-Manager jahrelang in zweiter Reihe tätig war, dem Aufsichtsrat Paroli bieten könnte. Entsprechend überrumpelt wirkt Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke am Tag des Rücktritts: "Ob das so schnell gehen musste, das ist fraglich."