Welcher ehemaliger Staatskonzern Erfolg hat und welcher nicht

Oft gelten die Privatisierungen von Staatskonzernen als neoliberale Projekte, die Kapital vernichten, Arbeitsplätze ins Ausland verlagern und den Standort Deutschland beschädigen. Doch das muss nicht sein. Einige Privatisierungen der deutschen Wirtschaftsgeschichte waren echte Erfolgsgeschichten.

Volkswagens Privatisierung beginnt 1960, nur 40 Prozent Anteil verbleiben vorläufig beim Bund und dem Land Niedersachsen. 1961 steht der Börsengang an. Der Autobauer aus Wolfsburg ist mit einem Umsatz von fast 200 Milliarden Euro der weltweit größte Autohersteller mit Tochter-Marken wie Porsche, Bentley, Bugatti, Audi und Lamborghini.
1966 werden erstmals Lufthansa-Aktien an der Börse gehandelt. In den 80er Jahren verringert der Bund seine Beteiligung. Ab 1997 ist das Unternehmen vollständig privatisiert. Die Privatisierung der Lufthansa gilt als eine Erfolgsgeschichte. Seit 2017 ist Lufthansa wieder die größte Fluggesellschaft Europas.
1965 wird der staatliche Mischkonzern VEBA teilprivatisiert,1987 werden die letzten Aktien des Bundes veräußert. Im Jahr 2000 fusioniert VEBA mit dem Staatskonzern VIAG. Es entsteht mit E.on nach dem Verkauf von Ruhrgas Industries 2005 ein Energieriese, der durch die Übernahme von Innogy wieder solide Gewinne einfährt.
Mit der Postreform II wird 1995 die Deutsche Telekom AG gegründet. Beim Börsengang 1996 erwerben viele Deutsche die als "Volksaktien" beworbenen Anteile. Viele verlieren mit dem Platzen der Dotcom-Blase 2000 ihre Ersparnisse. Knapp 32 Prozent der Aktien verbleiben beim Bund. Dennoch ist der Konzern heute Europas größtes Telekommunikationsunternehmen.
Die Deutsche Post AG wird 1995 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Fünf Jahre später geht das Unternehmen an die Börse. Über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hält der Bund heute noch etwa 21 Prozent der Anteile. Der Staatskonzern wurde zu einem effizienten, weltweit aktiven Dienstleister, der Milliardengewinne verbucht.
Mit der Bahnreform vom Januar 1994 wird die DB in eine private Rechtsform überführt, bleibt jedoch im Besitz des Staates. Die Pläne eines Börsengangs werden mit der Finanzkrise 2008 auf Eis gelegt. Es handelt sich bei der DB also um eine Hybridform: ein privat geführter Konzern in Staatshand. 
Der britisch-amerikanische Investor Apex bietet für die Bundesdruckerei eine Milliarde Euro, die er sich über Kredit besorgt. Er will schnelle Rendite sehen, es gibt Sparprogramme und Entlassungen. Schon zwei Jahre später droht der privatisierten Bundesdruckerei die Insolvenz. 2009 wird sie wieder voll verstaatlicht.
Neue Themen
Top Themen