(kom) - Der Eurovision Song Contest steht für schrille Kostüme, kitschige Volkstänze und skurrile Bühnenshows. Doch Europas populärstes Musikevent wird von der Eurokrise überschattet. Immer mehr Länder müssen ihre Teilnahme am Grand Prix aus finanziellen Gründen absagen.

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Hier ist es richtig teuer

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Es ist schon eine Ironie: "Euphoria" heißt der Siegertitel des 57. "Grand Prix Eurovision de la Chanson", den die schwedische Sängerin Loreen in Baku sang. Doch statt Euphorie macht sich Melancholie beim Musikwettbewerb breit. Vielen Ländern ist nicht nach Feiern zumute. Zwei haben schon abgesagt, weitere könnten folgen.

Neben Polen kündigte auch Portugal vor wenigen Wochen an, dass keine finanzielle Möglichkeit bestehe, am Eurovision Song Contest teilzunehmen. Das harte Sparprogramm, das die Regierung von Pedro Passos Coelho beschlossen hat, umfasst auch den staatlichen Fernsehsender RTP. Die Anstalt soll privatisiert werden, sogar von der Schließung des zweiten Programms ist die Rede. Für den Eurovision Song Contest bleibt da kein Geld übrig. Die Eurokrise bringt eine harte Rezession mit sich, die sich eben auch auf den Konsum und schließlich auch auf die Werbeeinnahmen auswirkt. Portugal wird zwar aus Malmö berichten und die Show übertragen, nur für eine Teilnahme reicht das Geld eben nicht aus. Zirka 130.000 Euro müssen die Portugiesen für die Senderechte bezahlen.

Auch Griechenland debattiert über einen Teilnahmeverzicht beim Eurovision Song Contest. Wie Portugal wollen die Hellenen den Grand Prix aus Malmö lediglich übertragen. 120.000 Euro soll die Gebühr für die Übertragung kosten, so der Programmchef des griechischen Staatsfernsehens, Jonny Kalimeris. "Dieses Geld können wir noch aufbringen", behauptet er im griechischen Hörfunk.

Eurovision soll Tourismus ankurbeln

Die Ministerin für Tourismus, Olga Kefalogianni, gibt sich als Befürworterin der musikalischen Vertretung beim Eurovision Song Contest. Der Zeitung "Paron" sagte die konservative Politikerin, dass der Wettbewerb als Werbeplattform genutzt werden könne und müsse. Die angeschlagene Reisebranche könne davon profitieren. Sponsoren sollen die Kosten übernehmen, zuerst müssten diese aber gefunden werden. Ähnliches gilt auch für das krisengeschüttelte Zypern. Entsprechende Gerüchte werden im Staatsfernsehen der kleinen Insel im Mittelmeer bislang zwar nicht kommentiert, Intendant Makis Symeou gab aber bekannt, man prüfe alle Optionen sorgfältig.

Was kostet die Teilnahme?

Reisekosten der Delegation aus jedem Land, Akkreditierung und Nutzung der Marke "Eurovision Song Contest" treiben die Kosten der aktiven Teilnahme in die Höhe. Der Preis steigt, sobald Rechnungen für Promotion oder Requisiten anfallen. Auch Personal für die Bühnenpräsentation wird benötigt. Choreographen gehören hier genauso dazu wie Gesangslehrer.

Als Irland mit den "Jedwards" im Jahr 2012 antrat, investierte der staatliche Sender RTE knapp 260.000 Euro. Ein Großteil (etwa 80.000 Euro) ging für Übernachtung und Verpflegung der 17-köpfigen Delegation drauf. Die Promotion kostete 30.000 Euro. Die britische BBC gab 2012 für Engelbert Humperdincks Auftritt sogar 380.000 Euro aus.

Die Briten gehören, genauso wie Deutschland, zu den "Big Five", den fünf Grand-Prix-Hauptinvestoren. Die beiden Länder müssen gemeinsam mit Spanien, Frankreich und Italien beim jeden Eurovision Song Contest tiefer in die Tasche greifen. Die "Big Five" beteiligen sich zu einem bestimmten Prozentsatz an den Gesamtkosten der Show. Die genaue Höhe dieser Beteiligung ist allerdings unbekannt.

Was kostet der Eurovision Song Contest?

Knapp 50 Millionen Euro ließ sich die aserbaidschanische Fernsehanstalt die Ausrichtung des Wettbewerbs im Jahr 2012 kosten. So viel will man in Schweden für die Veranstaltung 2013 nicht ausgeben. Spekuliert wird, dass SVT, die öffentlich-rechtliche Fernsehgesellschaft Schwedens, "nur" zwölf Millionen als Budget festlegt. Als Veranstaltungsort sei Malmö aus Kostengründen der Hauptstadt Stockholm vorgezogen worden, behauptet das Boulevardblatt "Expressen". Das kleinere Stadion in der südschwedischen Stadt sei günstiger zu haben als die Stockholm Arena.

Hauptsponsor wieder aus Deutschland

Aus dem Hause Henkel kommt auch im Jahr 2013 der Hauptsponsor der Musikveranstaltung. Die Marke Schwarzkopf ist seit 2009 finanzieller Unterstützer des Grand Prix. Über die Höhe der Zahlungen kann jedoch nur spekuliert werden. Zur Orientierung: In Großbritannien unterschreibt Schwarzkopf einen 2,5 Millionen Euro teuren Vertrag für das Sponsoring der britischen Ausgabe von "Big Brother". Die Sendung wird durchschnittlich von zwei Millionen Menschen gesehen. Beim Eurovision Songcontest werden 100 Millionen Zuschauer erreicht. Neben der deutschen Beautymarke ist auch der schwedische Telekommunikationsanbieter TeliaSonera AB Hauptsponsor.

Der Eurovision Song Contest findet 2013 im Mai statt. Das Finale steigt am 18. Mai, die beiden Halbfinalshows werden jeweils am 14. und 16. Mai ausgetragen.