Im Schuldendrama um Griechenland gibt es endlich eine Entscheidung: Die Gläubiger haben Verhandlungen über weitere Hilfspakete zugestimmt. Aber wie viel hat Athen an finanzieller Unterstützung in der Vergangenheit bereits bekommen? Und von wem? Ein Überblick.

Griechenland hat einen gigantischen Schuldenberg: Mit insgesamt 320 Milliarden Euro stand das Land bei seinen Gläubigern bislang in der Kreide: eine Summe, die fast 180 Prozent des eigenen Bruttoinlandsproduktes entspricht. Jetzt kommen noch einmal rund 86 Milliarden Euro an weiteren Hilfen hinzu. Das macht insgesamt mehr als 400 Milliarden Euro. Seit Mai 2010 unterstützen die internationalen Geldgeber Griechenland, um eine Staatspleite abzuwenden. Als Gegenleistung verpflichteten sich die Griechen, harte Sparmaßnahmen und Reformen durchzusetzen.

Die Euro-Staaten und der IWF

Grundlage für die bisher geleisteten Hilfen sind unter anderem zwei Hilfspakete von den Euro-Ländern und dem Internationalen Währungsfonds, die vor allem Bürgschaften für die griechischen Kredite beinhalten.

Fragen und Antworten zur Einigung auf dem Euro-Gipfel.

Das erste Hilfspaket

Das erste Hilfspaket für Griechenland wurde im Mai 2010 beschlossen. Insgesamt bekam Athen 73 Milliarden Euro: 52,9 Milliarden von den Euro-Ländern und 20,1 Milliarden Euro vom IWF. Deutschland bürgte für 15,17 Milliarden Euro.

Im Gegenzug verpflichtete sich die griechische Regierung unter dem damaligen Ministerpräsidenten Giorgos A. Papandreou zu einschneidenden Reformen mit dem Ziel, das Haushaltsdefizit zu verringern und die gesamtwirtschaftlichen Fehlentwicklungen zu korrigieren. Dazu zählten unter anderem eine deutliche Kürzung der griechischen Sozialleistungen sowie Steuererhöhungen.

Das zweite Hilfspaket

Nachdem sich herausstellte, dass das erste Rettungspaket nicht ausreichend gewesen war, beschlossen die 17 Euroländer auf einem EU-Gipfeltreffen im Juli 2011 ein weiteres Rettungspaket für Griechenland. Das erklärte Ziel: Bis 2020 sollte Griechenland wieder ohne finanzielle Hilfen aus dem Ausland auskommen.

Das zweite Hilfsprogramm für Griechenland umfasste 163,7 Milliarden Euro. 153,7 Milliarden davon hat Griechenland bereits bekommen. Das Geld stammt mit 144,6 Milliarden Euro aus dem Rettungsschirm EFSF, den Rest steuert der IWF bei.

Im Gegenzug für die Finanzhilfen hat sich Griechenland zu Einsparungen und Reformen ebenso wie zu mehr Kontrollen und der Einrichtung eines Sperrkontos verpflichtet.

Außerdem wurde im März 2012 ein Schuldenschnitt für Griechenland beschlossen, der vor allem private Gläubiger betraf. Nach intensivem politischen Druck erklärten sie, freiwillig auf 50 Prozent ihrer Forderungen an Athen zu verzichten. Dadurch sank der Schuldenberg Griechenlands um 105 Milliarden Euro. Weil die Wirtschaftsleistung allerdings weiter dramatisch schrumpfte, stieg die Schuldenquote - gemessen am Anteil des Bruttoinlandsprodukts - rasch wieder über den Stand vor dem Schuldenschnitt.

Im November 2012 gestand die Euro-Gruppe Griechenland außerdem eine weitere Erleichterung ihrer finanziellen Last zu. Unter anderem verlängerte sie die Laufzeiten der Kredite um 15 auf 30 Jahre, senkte die Zinsen oder stundete sie auf zehn Jahre.

Die Europäische Zentralbank

Als dritte im Bunde unterstützt die Europäische Zentralbank Griechenland finanziell, sie ist inzwischen der größte Gläubiger Griechenlands. Seit Mai 2010 hat sie Schätzungen zufolge griechische Staatsanleihen im Wert von mehr als 50 Milliarden Euro gekauft.

Seit Februar dieses Jahres akzeptiert die EZB einen Großteil der Papiere allerdings nicht mehr, so dass die griechischen Banken auf teure Notkredite angewiesen sind. Den Umfang der so genannten Ela-Kredite muss die EZB genehmigen, er war zuletzt auf rund 89 Milliarden Euro angehoben worden.