Wut auf Deutschland: Wegen der zähen Verhandlungen mit Griechenland ist die Bundesrepublik massiv in die Kritik geraten. Frisches Geld soll es nur unter strengen Bedingungen geben. Im Internet machen sich Twitter-Nutzer Luft über Kanzlerin Angela Merkel und Wolfgang Schäuble. Vor allem Schäuble bekommt unter dem Hashtag #thisisacoup sein Fett weg.

Das Ringen um eine Einigung mit Griechenland zehrt an den Nerven. Unter harten Auflagen wollen die Euro-Partner Athen vor der Pleite retten. Doch der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras kämpft mit harten Bandagen – ebenso die Bundesregierung, die einen Grexit auf Zeit ins Spiel brachte. Dafür erntet Wolfgang Schäuble massiv Kritik. Vor allem im Internet gerät der deutsche Finanzminister in die Schusslinie. Unter dem Hashtag #thisisacoup ("das ist ein Coup", sinngemäß auch: "Das ist ein Putsch"), der laut Twitter bereits hunderttausendfach verbreitet wurde, erntet der Minister böse Kommentare.

Hauptargument der Kritiker war, dass die Euro-Partner unter Führung Deutschlands die griechische Regierung ihrer Souveränität beraubt hätten. Auf besondere Ablehnung stieß in diesem Zusammenhang die Idee eines außerhalb Griechenlands angesiedeltem Privatisierungsfonds, in den Staatsvermögen im Volumen von rund 50 Milliarden Euro eingebracht werden sollte.

"Verdeckter Staatsstreich"

Der erste Tweet der Kampagne kam vom Profil eines Nutzers mit dem Namen Sandro Maccarrone, der Lehrer in Barcelona sein soll. "Der Vorschlag der Eurogruppe ist ein verdeckter Staatsstreich gegen das griechische Volk", hieß es zur Erklärung des Hashtags am Sonntagabend.

In den folgenden Nachrichten wurde den Gläubigern von Dutzenden Twitter-Nutzern vorgeworfen, Griechenland erniedrigt und die Demokratie verletzt zu haben. Einige riefen zum Kampf gegen europäische Institutionen auf. Mehrfach wurden Parallelen zum Zweiten Weltkrieg und der deutschen Besatzung Griechenlands gezogen. Vom Profil @MisoPhotography" kam die Fotomontage, in der die blaue EU-Flagge in die Ecke einer Deutschlandfahne eingeklemmt wurde.

"Was diese Bundesregierung anrichtet, ist einfach nur beschämend", schreibt ein deutscher User. "So viele Goethe-Institute kann man gar nicht bauen, um den Schaden dieses Wochenendes wieder zu beheben", kommentiert ein anderer.

Von Sonntagabend bis Montagnachmittag gab es mehr als 335.000 Twitter-Nachrichten mit dem Hashtag #ThisIsACoup, und stündlich kamen Tausende weitere hinzu. Der Strom der Protest-Tweets riss auch nach der Einigung auf dem Eurogipfel nicht ab. Das als Gegenbewegung gedachte Schlagwort #ThisIsnotACoup kam laut Webanalysedienst Topsy nur auf einige hundert Treffer. Der amerikanische Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman kritisiert in einem Kommentar in der "New York Times" ebenfalls die harte Haltung der EU gegenüber Griechenland in der Schuldenkrise. Die Liste der Forderungen der Eurogruppe nennt er "verrückt". Laut Krugman liegt der Hashtag #thisisacoup genau richtig: Das Vorgehen der Eurogruppe gehe über Strenge hinaus "in schiere Rachsucht, in kompletter Zerstörung nationaler Souveränität, ohne Hoffnung auf Abhilfe". "Es ist vermutlich als Angebot gedacht, das Griechenland nicht annehmen kann - nichtsdestotrotz ist es ein grotesker Verrat an allem, wofür das europäische Projekt eigentlich stehen sollte". (far/dpa)