Die Griechen haben sich bei dem Referendum mit deutlicher Mehrheit gegen das Sparprogramm ausgesprochen. Während die Linke das Ergebnis begrüßt, nennt die CSU die Regierung Tsipras Erpresser. Für CDU und SPD ist klar, dass es nun noch schwerer wird, sich mit der griechischen Regierung zu einigen. Wirtschaftsminister Gabriel stellt sogar weitere Verhandlungen infrage.

Die CSU hat mit scharfen Worten auf das Referendum in Griechenland reagiert. "Wir müssen jetzt besonnen reagieren, aber klar ist: die linken Erpresser und Volksbelüger wie (Ministerpräsident Alexis) Tsipras können mit ihrer schmutzigen Tour nicht durchkommen", erklärte Generalsekretär Andreas Scheuer am Sonntagabend. Tsipras und seine Linksregierung habe dem Volk vorgegaukelt, es gäbe Euros ohne Reformen. Das Referendum kommentierte er mit den Worten: "Kali nichta, Hellas - Gute Nacht, Griechenland!"

Es ist der Tag der Entscheidung: Die Griechen haben in einem Referendum über die Sparpolitik abgestimmt. Ministerpräsident Alexis Tsipras hat für ein "Nein" geworben, die Griechen sind ihm mit deutlicher Mehrheit gefolgt. Die Entwicklungen rund um das griechische Referendum in der Ticker-Nachlese.

Die Linke wertet das Referendum in Griechenland hingegen als Sieg für die Demokratie in Europa gewertet. "Die Griechinnen und Griechen haben sich zum zweiten Mal gegen die katastrophale Politik der sozialen Kürzungen und der wirtschaftlichen Verwüstung gewehrt", erklärte Parteichef Bernd Riexinger nach den ersten Ergebnissen, die auf ein klares Nein der Griechen zu den Reformforderungen der Geldgeber hindeuteten.

"Sie haben Nein zu weiterer Austerität gesagt, Nein zu einer falschen Medizin, die immer nur kränker macht", sagte Riexinger weiter. Das Votum legitimiere die Verhandlungsführung der linken Regierungspartei Syriza von Ministerpräsident Alexis Tsipras, die als Schwesterpartei der Linken in Deutschland gilt. "Die Verhandlungsführer müssen jetzt umgehend an den Tisch zurückkehren und den demokratischen Willen der griechischen Bevölkerung respektieren", forderte Riexinger.

CDU erteilt drittem Hilfspaket erstmal eine Absage

Der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionschef Ralph Brinkhaus sieht nach dem Referendum schlechte Chancen für weitere Hilfspakete für Griechenland. "Für uns galt immer die Devise und gilt immer noch: Hilfen gegen Reformen", sagte er im ZDF. "Wenn diese Reformen nicht geliefert werden von der griechischen Regierung und wenn die griechische Regierung jetzt die Rückendeckung ihres Volkes dazu hat, dann wird es tatsächlich schwierig, weitere Hilfspakete auf den Weg zu bringen."

Ähnlich äußerte sich der stellvertretende SPD-Fraktionschef Carsten Schneider. Ein Nein sei "ein sehr, sehr schwieriges Ergebnis". Er stellte in Frage, ob man dann mit der griechischen Regierung überhaupt noch verhandeln könne. Er verwies auf "Aufstachelungen" des Ministerpräsidenten Alexis Tsipras und seines Finanzministers Gianis Varoufakis. "Ich weiß nicht, wie man noch gemeinsamen Boden dann finden kann."

Grünen-Chef Cem Özdemir hat sich besorgt geäußert. Die Probleme des hoch verschuldeten Landes würden so oder so auch künftig die Probleme Europas bleiben, sagte er am Sonntag im "Bericht aus Berlin" der ARD. "Man kann Griechenland nicht wegsprengen von Europa."

Sigmar Gabriel: Verhandlungen kaum vorstellbar

Die erste Reaktion aus der Bundesregierung auf das Votum der Griechen kommt von Vizekanzler und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Der SPD-Chef reagierte mit scharfer Kritik. Dem "Tagesspiegel" sagt er, dass der griechische Premier seinem Volk vorgegaukelt habe, mit einem "Nein" werde die Verhandlungsposition Griechenlands gestärkt.

In Wahrheit habe er damit aber "letzte Brücken eingerissen, über die Europa und Griechenland sich auf einen Kompromiss zubewegen konnten. Mit der Absage an die Spielregeln der Eurozone, wie sie im mehrheitlichen Nein zum Ausdruck kommt, sind Verhandlungen über milliardenschwere Programme kaum vorstellbar." Der Ball liege jetzt in Athen.

Weder Bundeskanzlerin Angel Merkel noch Finanzminister Wolfgang Schäuble haben sich bisher zu dem Ergebnis geäußert. Regierungssprecher Steffen Seibert kündigte jedoch an, dass Merkel am Montag in Paris den französischen Präsidenten François Hollande treffen wird, um über die Konsequenzen aus dem griechischem Referendum zu beraten. Zudem haben sich Merkel und Hollande für einen Sondergipfel Sondergipfel der Euro-Staaten am Dienstag ausgesprochen. Das teilte ein Regierungssprecher in Berlin am Sonntagabend nach einem Telefonat der beiden Politiker mit. (cai/dpa)