In der Griechenland-Debatte hat Jean-Claude Juncker deutliche Worte gefunden: Der EU-Kommisionschef schließt einen Austritt Griechenlands aus der EU kategorisch aus. Zugleich fordert er Verständnis für das Krisen gebeutelte Land, dem das Geld schneller ausgeht als erwartet.

Die EU-Kommission hat abermals einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone kategorisch ausgeschlossen. "Es wird niemals einen Grexit geben", sagte Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker der Zeitung "Welt am Sonntag".

Griechenland verlangt Milliardenzahlung für Nazi-Verbrechen.

"Niemand unter den politisch Verantwortlichen in Europa arbeitet an einem Austritt Griechenlands aus der Eurozone. Das Land ist und bleibt Mitglied der Währungsunion." Ein Ausstieg Athens aus der Eurozone würde nach Junckers Einschätzung zu einem nicht zu reparierenden Ansehensverlust der gesamten EU in der Welt führen.

Griechenland fordert Milliarden von Deutschland

Indes hat Griechenland erneut von Deutschland Milliarden reparatur-Zahlungen gefordert. Griechenlands Sonderbotschafter Jorgo Chatzimarkakis will als Wiedergutmachung für Nazi-Verbrechen deutsche Milliarden für eine griechische Aufbaubank.

Die Frage der Entschädigung sei "von den Vertretern der jeweiligen Bundesregierungen nach 1949 sehr geschickt unter den Teppich gekehrt worden", sagte der frühere FDP-Politiker der "Rheinischen Post" vom Samstag. Die Bundesregierung hat jedoch schon wiederholt betont, sie sehe keinen Grund für neue Forderungen Griechenlands aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Während der fast vierjährigen Besatzung hatte die deutsche Wehrmacht Dutzende Massaker in Griechenland verübt.

Chatzimarkakis war Ende 2014 von der früheren griechischen Regierung zum Sonderbotschafter ernannt worden, um den Ausstieg Griechenlands aus den Hilfsprogrammen zu begleiten. "Warum kann Deutschland nicht als späte Entschädigung eine Finanzspritze für eine neue griechische KfWleisten?", zitierte die Zeitung den Politiker. Die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) wurde nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Ziel gegründet, den Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft zu finanzieren. Chatzimarkakis hat sowohl die Staatsbürgerschaft Deutschlands als auch Griechenlands.

EU-Minister beraten am Montag über Athen

Unterdessen geht der Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras offenbar schneller als erwartet das Geld aus. Sie rief die Rentenkassen und andere öffentliche Institutionen auf, ihre Geldeinlagen an den Staat abzugeben, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Regierungskreisen erfuhr. Auch der kleinste Fehler könnte zum Zahlungsverzug führen und eine Pleite auslösen, hieß es. Auf die Auszahlung von Rettungshilfen der Europartner muss das klamme Land weiter warten. "Wir sind noch einen weiten Weg davon entfernt", sagte ein EU-Verantwortlicher in Brüssel.

Die Euro-Finanzminister werden am Montag über die Lage beraten. Insgesamt muss Athen im März Verpflichtungen im Umfang von gut 6,85 Milliarden Euro erfüllen. In den kommenden Wochen will Athen die drohende Finanzierungslücke mit kurzfristigen Anleihen überbrücken. (far/dpa)