(kom/jfi) - Ist Griechenland noch zu retten? Selbst Griechen, die direkt mit der Rettung ihres Landes befasst sind, haben da offenbar ihre Zweifel: Ein hochrangiger Politiker soll unlängst eine Million Euro aus seinem Privatvermögen ins Ausland geschafft haben. Das sagte der stellvertretende Staatsanwalt des Obersten Gerichtshofs in Athen, Panagiotis Nikoloudis, der auch für die Bekämpfung der Schattenwirtschaft zuständig ist.

Der Finanzinspektor wollte jedoch keine genauen Angaben zur Person des Politikers machen. Ärgerlich nur, dass die Überweisung im Mai vergangenen Jahres getätigt worden sein soll - ausgerechnet zu jenem Zeitpunkt als Finanzminister Evangelos Venizelos das griechische Volk bat, den griechischen Banken ihr Vertrauen auszusprechen. Sie sollten ihr Geld auf den griechischen Konten halten und nicht ins Ausland bringen.

Viele Parlamentarier sehen nun die Gefahr einer Verallgemeinerung und forderten den Politiker auf sich öffentlich zu stellen. Nicht ohne Grund: Die politische Lage in dem von der Pleite bedrohten Land ist prekär und die Entrüstung der Bürger groß. Eine Passantin meinte gegenüber dem griechischen Fernsehsender Alpha: "Unsere Politiker interessieren sich nicht für dieses Land, sondern nur für ihr eigenes Wohl. Ich frage mich, was ihre Kinder tun werden? Werden sie nicht in diesem Land leben? Das ist ein Skandal".

Die Abgeordneten sehen das natürlich anders: Aus der Koalitionsregierung hieß es, dass die Summe in Höhe von einer Million Euro legal ins Ausland gebracht worden sei. Allerdings sehe man ein ethisches Problem. "Was aber legal ist, ist gleichzeitig auch nicht moralisch", so der Parlamentarier Argyris Aggelou im Fernsehen.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte beim politischen Aschermittwoch der CDU kein Verständnis gegenüber den Griechen, "die viel Geld haben" und ihr "Geld schon längst im Ausland auf dem Konto" gebracht haben. Schließlich treffe es nur die "einfachen Leute", die ohnehin bereits Kürzungen ihrer Mindestlöhnen hinnehmen müssen.

Laut der griechischen Sonntagszeitung "Proto Thema" haben rund 500.000 Griechen in den vergangenen anderthalb Jahren Geld ins Ausland gebracht. Besonders hohe Beträge seien auf französische, luxemburgische, britische und Schweizer Konten geflossen. Insgesamt beziffert sich die Summe aus 1,2 Millionen Überweisung auf 20 Milliarden Euro.

Die Sonntagszeitung "Ethnos tis Kiriakis" erwähnt in einem Bericht, dass die Immobilienbranche im Ausland gerade durch griechische Interessenten aufblüht. Besonders in London seien viele Häuser und Apartment-Wohnungen verkauft worden. Ein griechischer Makler sagte dem Blatt: "Wir bekommen selbst von Rentnern anfragen, die nach einer günstigeren Wohnung im Ausland suchen".

Reiche Politiker, Unternehmer, Journalisten und Mitglieder der High Society geben zwischen 700.000 bis 1,5 Millionen Euro für Villen, schweizer Chalet-Hütten und Häuser in großen Metropolen wie Berlin, Frankfurt, München oder London aus.