• Die Krise der Weltwirtschaft wirkt sich auf die Reallöhne der Arbeiter aus.
  • Erstmals seit 2008 sinken die Reallöhne weltweit im Durchschnitt.
  • Die Weltarbeitsorganisation hat Lösungsvorschläge.

Mehr News zum Thema Wirtschaft

Erstmals seit 2008 sind die Reallöhne nach einer Analyse der UN-Weltarbeitsorganisation (ILO) weltweit gesunken. Gründe seien die hohe Inflation und der Wirtschaftsabschwung, die teils auf den russischen Krieg gegen die Ukraine und die Energiekrise zurückzuführen seien, berichtete die ILO am Mittwoch in Genf. 2008 hatte sie erstmals über die Entwicklung von Reallöhnen berichtet.

Die monatlichen Löhne sanken nach ILO-Angaben in den ersten sechs Monaten 2022 weltweit real um 0,9 Prozent. Ohne China, wo das Wachstum der Reallöhne höher sei als in den meisten Ländern, wären es minus 1,4 Prozent gewesen. In Ländern mit höheren Einkommen sei der Negativtrend besonders stark gewesen: für die EU nennt die ILO im ersten Halbjahr 2022 minus 2,4 Prozent, für die USA und Kanada minus 3,2 und für Osteuropa minus 3,3 Prozent.

Senkung der Mehrwertsteuer könnte helfen

In vielen Ländern drücke die Inflation auf die Kaufkraft der Mindestlöhne. Sie würden oft unzureichend angepasst. Die steigenden Preise träfen vor allem ärmere Menschen. Eine mögliche Maßnahme sei, die Mehrwertsteuer auf lebenswichtige Güter zu reduzieren, eine andere, Familien mit wenig Geld Gutscheine zu geben.

Die explodierenden Lebenshaltungskosten träfen in vielen Ländern Geringverdiener, die bereits durch die Corona-Pandemie große Einkommensverluste hatten, schreibt die ILO. "Einkommensungleichheit und Armut werden zunehmen, wenn die Kaufkraft der Geringverdiener nicht erhalten bleibt", sagte ILO-Generaldirektor Gilbert Houngbo. Wenn der erhoffte Aufschwung nach dem Einbruch durch die Pandemie ausbleibe, könne das zu sozialen Unruhen führen, warnte er. (dpa/lko)

Neubauwohnung

Alarmierende Zahlen: Inflation droht Wohnungsbau zum Erliegen zu bringen

Kommunen und Wohnungswirtschaft warnen vor einem Stopp beim Neubau günstiger Miet- und Sozialwohnungen. Faktoren gibt es viele. Einer davon sind die steigenden Zinsen und Baukosten. (Foto: imago/Rene Traut)