Das Ultimatum der Eurogruppe an Athen, im Schuldenstreit bis Ende der Woche einzulenken, beschäftigt am Dienstag die internationale Presse. Fast alle schätzen die Lage als gefährlich ein. Wir haben die Schlagzeilen zusammengetragen.

Griechenland

"Kathimerini": "Ultimatum der Eurogruppe", titelt die konservative Traditionszeitung "Kathimerini". Athen habe bereits "die Zone betreten", die zu "einem Unfall" (Austritt aus der Eurozone) führen könnte, warnt das Blatt. Es gebe genügend "Falken" (in der Eurozone), die ein Exempel mit dem Rauswurf Griechenlands statuieren wollen, heißt es.

"Ethnos": Das Boulevardblatt "Ethnos" titelt: "Zusammenstoß - Ultimatum aber auch ein Fenster (offen) für eine Lösung".

"I Avgi": Die Parteizeitung des regierenden Linksbündnisses "I Avgi" titelt: "Torpedo Schäubles". Er habe die Bemühungen für eine für alles Seiten komfortable Lösung untergraben. "Wir lassen uns nicht erpressen" antwortet Athen, schreibt das Blatt.

"Eleftheros Typos": Die konservative Zeitung "Eleftheros Typos" meint: "96 Stunden Frist für ein Abkommen oder (...) Unfall."

"Ta Nea": Das Traditionsblatt der politischen Mitte "Ta Nea" titelt: "Die Verhandlung geht in die Verlängerung", Athen schließt nicht aus, dass es doch noch zu einer Einigung kommen könnte.

USA

"The New York Times": "Die Pattsituation zwischen Griechenland und seinen europäischen Gläubigern erreichte am Montag ein neues Tief, als europäische Beamte Athen ein Ultimatum stellten: Stimmt bis Freitag einem Rettungsprogramm zu oder verliert die finanzielle Unterstützung, die euer Land braucht, um eine Staatspleite zu verhindern."

"USA Today": "US-Aktienprognosen sanken am Dienstag, nachdem die Gespräche zwischen Griechenlands neuer, radikal linker Regierung und ihren europäischen Gläubigern abgebrochen wurden. Dies stärkte die Befürchtung, dass Athen aus dem Euro aussteigen könnte."

"The Huffington Post": "Die europäischen Kreditgeber stellten Griechenland am Montag ein Ultimatum. Sie sagten, das Land müsse eine zentrale Voraussetzung in den Rettungsaktionsgesprächen bis zum Ende dieser Woche akzeptieren oder sich seinen Schuld-Verpflichtungen alleine stellen - eine Aussicht, von der viele auf den Finanzmärkten denken, dass sie Griechenland wenige Optionen lässt, außer aus dem Euro auszusteigen."

Großbritannien

"The Independent": "Griechenlands Gespräche mit den Euro-Schuldherren brechen zusammen, während das 'Desaster' näher kommt. Die Hoffnungen auf einen Deal mussten einen Schlag einstecken, nachdem einige Finanzminister, Deutschlands Wolfgang Schäuble eingeschlossen, Bedenken zu Griechenlands neuer Verhandlungstaktik geäußert hatten."

"The Telegraph": "Griechenland ist auf Kollisionskurs mit den europäischen Schuldnern, nachdem die Notfallgespräche am Montagabend in Bitterkeit endeten, was die größte politische Krise seit Einführung des Euros auslöste. Die linke Syriza-Regierung reagierte wütend auf die Forderungen der Eurozone, dass sie sich an ihren verrufenen Einschränkungsplan halten sollen. Athen beschrieb den vorgelegten Entwurf als 'absurd und inakzeptabel'."

Italien

"La Stampa": "Am Ende der dritten Runde steht Alexis Tsipras in der Ecke des europäischen Rings. Sein Finanzminister Gianis Varoufakis hat sich einem Kompromiss verweigert und mit den Kollegen der Eurogruppe gebrochen. Wenn er nicht noch einen geheimen Trumpf auf Lager hat, bleiben für Griechenland nur zwei Auswege: Den Weg unbeirrt weiter gehen, am 28. Februar das internationale Rettungsprogramm auslaufen lassen, ohne Geld auf eine Lösung hoffen, die die Pleite abwendet. Oder es kann die Einladung aus Brüssel annehmen, eine weitere Sitzung und die flexible, aber an Bedingungen geknüpfte Verlängerung des Hilfsprogramms beantragen, um Zeit zu gewinnen."

Lettland

"Neatkariga Rita Avize": "Was nun geschieht, erinnert an ein Pokerspiel. Die neue griechische Linksregierung verlangt, dass Europa in mehreren wesentlichen Punkten Zugeständnisse macht. Europa ist bereit, Zugeständnisse zu machen, aber nur, wenn die Griechen nicht bluffen. Umgekehrt ist Europa nicht dazu bereit, wenn die Griechen bluffen. Wer sagt, ob die neue griechische Regierung blufft oder nicht? (...)

Während der griechische Einfluss auf die Eurozone als Ganzes nicht signifikant ist, besteht die größte Gefahr darin, dass der griechische Präzedenzfall zu einem lawinenartigen Vertrauensverlust in den Bankensektor in der gesamten EU führen könnte. Die tatsächlichen Risiken, welche sich aus Griechenlands möglichem Handeln ergeben können, sind ein wichtiges Argument, um eine vernünftige Lösung für einen Ausweg aus der Krise zu finden."

Österreich

"Der Standard": "Tsipras hat mit einigen Punkten die Finger in die Wunden von Eurozone und Währungsfonds gelegt. Dass Griechenland unter der schweren Schuldenlast nicht alleine aufstehen kann, das bestätigt jeder vernünftige Ökonom. Doch letztlich gibt es keinen Nachlass der Kreditgeber ohne Gegenleistung, und die heißt: Grundlegende Reformen der Volkswirtschaft können nicht rückgängig gemacht werden. Mit der Wiedereinstellung von Beamten und dem Stopp von Privatisierungen hat Athen eine Linie überschritten, für die es in der Währungsunion verständlicherweise kein Verständnis gibt. Wenn Athen nicht zur Vernunft kommt, wird sich Tsipras demnächst vor einem Scherbengericht wiederfinden."

Deutschland

"Focus Online": Die Lage Griechenlands wird immer heikler: Dem Land geht das Geld aus, doch das jüngste Treffen in Brüssel ging ohne Einigung zu Ende. Die Griechen lehnten das Angebot der Euro-Länder als 'absurd' ab. Nun stellt die Eurogruppe ein Ultimatum bis Ende der Woche. (...)

Dienstag, 17. Februar, 06.25 Uhr: Die griechische Regierung hat die Gespräche mit den anderen Euro-Ländern platzen lassen. Doch der Nobelpreisträger Paul Krugman sieht die Schuld für die andauernde Finanz- und Verhandlungskrise auf der anderen Seite. In einem Blog für die 'New York Times' schreibt Krugman, die Eurogruppe lege es auf einen Staatsbankrott Griechenlands an, um ein Exempel für andere Pleitestaaten zu statuieren. Die Verhandlungsführung ließe nur zwei Vermutungen zu, so Krugman: Entweder die Eurogruppen-Vertreter seien 'einfach Trottel' oder - und das hält Krugman für wahrscheinlicher - 'sie haben sich entschieden, Griechenland endgültig über die Kante zu schubsen'. Der Mangel an Weisheit sei verblüffend und erschreckend."

"Spiegel Online": "Die wohl größte Untertreibung des Tages klang so: 'Ein leichtes Gefühl von Enttäuschung' habe sich ausgebreitet, als während der Sitzung der Eurofinanzminister kaum Fortschritte im Schulden-Showdown mit Griechenland erkennbar gewesen seien, sagte Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem in Brüssel. Doch nach diesen ironischen Worten war es vorbei mit der Diplomatie. Dieses Treffen der Euro-Finanzminister endete in einer klaren Kampfansage von 18 Eurostaaten an die neue griechische Regierung. Nimm es oder lass es bleiben, so lautete der Inhalt."

"Bild": "Athen droht die Pleite und die Griechen pokern - Varoufakis und seine irre Griechen-Logik: Griechischer Finanzminister lässt den Rettungs-Gipfel für sein Land platzen, dann erklärt er sich kompromissbereit. (...) Nicht einmal drei Stunden saßen die Euro-Finanzminister zusammen, da erklärte die Griechen-Regierung die Gespräche in Brüssel für gescheitert."

"Die Welt": "Kurz bevor Varoufakis in einem kleinen, stickigen Raum vor die Presse trat, hatte die Euro-Gruppe die harte Linie öffentlich vertreten. 'Es gab eine klare Meinung in der gesamten Euro-Gruppe, dass die griechische Regierung den nächsten Schritt gehen muss', hatte Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem erklärt. 'Wir können diese Woche noch nutzen, aber das ist es.'

Der Unmut unter den 18 Euro-Partnern Griechenlands ist mittlerweile groß. Griechenland ist mit 240 Milliarden Euro bei den internationalen Geldgebern verschuldet. Doch die neue Regierung von Alexis Tsipras ist nicht mehr bereit, die mit den Finanzhilfen einhergehenden Sparauflagen zu akzeptieren."

"Neue Osnabrücker Zeitung": "Man weiß nicht, worüber man sich mehr wundern soll: die Unfähigkeit griechischer Politiker, ein funktionierendes und konkurrenzfähiges Staatswesen zu schaffen und Korruption zu bekämpfen. Oder die Dreistigkeit, mit der Regierungschef Alexis Tsipras und sein Finanzminister Gianis Varoufakis ausgerechnet jene Partner unter Druck zu setzen versuchen, die ihr Land massiv unterstützen. Die Schwierigkeiten, sich mit der Eurogruppe zu einigen, sind nur ein weiterer Beleg für die Realitätsferne der neuen griechischen Regierung. Ohnehin sind die Wahlsieger längst entzaubert. Immer deutlicher wird, dass sie keinen Plan haben - und schon lange kein Ass im Ärmel, mit dem sie das Blatt wenden könnten."

Zusammengestellt von Florian Reichhard, mit Material der dpa