• Der Deutsche Mieterbund warnt vor der Lage auf dem Wohnungsmarkt und spricht von einer dramatischen Situation.
  • Die Ampel-Koalition wird ihr Ziel von 400.000 neuen Wohnungen im Jahr verfehlen.
  • Ein Bündnis, dem auch der Mieterbund angehört, fordert ein Sondervermögen in Höhe von 50 Milliarden Euro für den sozialen Wohnungsbau.

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Der Deutsche Mieterbund und die Baugewerkschaft IG BAU haben vor drastischen Verwerfungen am deutschen Wohnungsmarkt gewarnt. "So laut wie jetzt haben die Alarmglocken des Wohnungsmangels lange nicht mehr geschrillt: Die Situation auf dem Wohnungsmarkt wird immer dramatischer", sagte Mieterbundpräsident Lukas Siebenkotten den Zeitungen der "Funke Mediengruppe" (Donnerstag).

"Vor allem beim Angebot an geförderten bezahlbaren Wohnungen werden wir einen heftigen Einbruch erleben". Bund und Länder müssten das Ruder jetzt herumreißen. "Oder wir erleben ein ungeahntes Desaster auf dem Wohnungsmarkt", so Siebenkotten weiter.

Ein Bündnis aus Mieterbund, Baugewerkschaft sowie Sozial- und Branchenverbänden fordert angesichts der Wohnungskrise ein Sondervermögen in Höhe von 50 Milliarden Euro für den sozialen Wohnungsbau. Mit den Mitteln solle der zu erwartende "Kollaps auf dem sozialen Wohnungsmarkt" abgewendet werden, teilte die Initiative am Donnerstag mit. Rund drei Viertel der Summe sollte der Bund aufbringen, den Rest die Länder. "Und das möglichst rasch", hieß es.

Ampel-Koalition verfehlt Ziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr

Die starke Zuwanderung, insbesondere von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine, hat zuletzt für Druck auf den Immobilienmarkt in Deutschland gesorgt, wo Wohnraum ohnehin knapp ist. Zudem stockt der Wohnungsbau, weil sich viele Menschen das Bauen angesichts gestiegener Zinsen und teurer Materialien nicht mehr leisten können. Bundesbauministerin Klara Geywitz hat bereits eingeräumt, dass die Ampel-Koalition ihr Ziel von 400.000 neuen Wohnungen im Jahr verfehlen wird.

Auch das Ziel beim Bau von Sozialwohnungen wurde nicht erreicht. Im vergangenen Jahr sind dem Bündnis zufolge lediglich rund 20.000 Sozialwohnungen neu gebaut worden. Das Ziel der Bundesregierung sieht eigentlich den Bau von jährlich 100.000 bezahlbarer Wohnungen vor.

Denn jedes Jahr fallen auch zahlreiche Wohnungen aus der sogenannten Sozialbindung heraus. Um den Bau zu beschleunigen, fordert das Bündnis neben dem Sondervermögen die Absenkung der Mehrwertsteuer für den sozialen Wohnungsbau von 19 auf sieben Prozent.

An den Umfragen des Meinungsforschungsinstituts Civey kann jeder teilnehmen. In das Ergebnis fließen jedoch nur die Antworten registrierter und verifizierter Nutzer ein. Diese müssen persönliche Daten wie Alter, Wohnort und Geschlecht angeben. Civey nutzt diese Angaben, um eine Stimme gemäß dem Vorkommen der sozioökonomischen Faktoren in der Gesamtbevölkerung zu gewichten. Umfragen des Unternehmens sind deshalb repräsentativ. Mehr Informationen zur Methode finden Sie hier, mehr zum Datenschutz hier.

IG BAU: "Keiner wird kommen, wenn er hier nicht wohnen kann"

Harald Schaum, stellvertretender Bundesvorsitzender der IG BAU, sprach angesichts des Wohnraummangels von einem Konflikt hinsichtlich der Fachkräftestrategie der Bundesregierung. "Wohnen und Arbeiten - das gehört zusammen. Keiner wird kommen, wenn er hier nicht oder nur zu horrend hohen Mieten wohnen kann", sagte Schaum den Funke-Zeitungen.

"Es gibt ein gewaltiges Dilemma: Der Wohnungsbau ist ein ganz wesentlicher Schlüssel für die Beschäftigungssituation und damit für das Funktionieren der Wirtschaft in Deutschland." (dpa/lh)

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Teaserbild: © IMAGO/teamwork/Achim Duwentäster