(sal/mac) – Grüner Lifestyle ist seit Längerem sehr hip. Der erste grüne Ministerpräsident ist gewählt, der Bauer liefert wöchentlich die Öko-Kiste, und dank vollbärtiger Nerdbrillen-Träger sind auch Baumwollbeutel nicht mehr "Müsli"-behaftet, sondern ein anerkanntes Großstadt-Accessoire.

Wenn die Lage nicht so ernst wäre, wäre Grün-sein also eine ganz vergnügliche Angelegenheit. Da Klimawandel, Naturkatastrophen und die Verknappung von Ressourcen aber eine ganz andere Sprache sprechen, wollen wir Sie an fünf einfache Wege erinnern, wie Sie Ihren Beitrag zum Erhalt der Umwelt leisten können – ganz bequem und ohne große Anstrengung.

Werden Sie Vegetarier!
Wenn Sie schon nicht den Tieren zuliebe Vegetarier werden wollen: Tun Sie es für die Umwelt. Die Fleischindustrie verschlingt riesige Mengen an Rohstoffen. "Allein in Südamerika sind in den letzen 40 Jahren 40 Prozent des Regenwaldes Weideflächen oder der Produktion von Futtermitteln für Tiere zum Opfer gefallen", berichtet die Tierschutzorganisation Peta.

Auch Unmengen an Wasser werden verschwendet: "Etwa 70 Prozent der erschlossenen Wasserressourcen fließen in die Landwirtschaft. Dabei ist die Fleischindustrie besonders wasserverbrauchsintensiv. In einem Kilo Fleisch stecken rund 15 Kubikmeter Wasser", so Peta.

Doch nicht nur das: Ein Großteil des Klimawandels geht auf das Konto der Fleischproduktion. Glaubt man den Zahlen der Tierschützer, werden "während der Produktion von nur einem Kilo Rindfleisch mehr Treibhausgasemissionen freigesetzt als würde man 250 Kilometer Auto fahren." Und falls Sie doch noch einen persönlichen Anreiz brauchen: Laut Studien leben Vegetarier meist länger, sind gesünder und haben eine bessere Figur.

Kaufen Sie regionale und saisonale Lebensmittel!
Kurz noch Zitronengras fürs Thai-Curry kaufen und dann noch eine Mango für den Lassi: Die Globalisierung hat uns eine wahre Geschmacksexplosion beschert, die asiatische, arabische oder südamerikanische Küche gehört für viele Deutsche längst zum Alltag. Die Einfuhr von Lebensmitteln geht allerdings zu Lasten der Umwelt. "Rindfleisch aus Argentinien hat bereits 18.000 Kilometer per Schiff, LKW und PKW hinter sich, bevor es auf unserem Teller landet", betont der Bund Naturschutz. Vor allem der Transport per Flugzeug belaste die Umwelt.

Es müssen jedoch nicht Lebensmittel aus Übersee sein, die durch lange Transportwege Schaden anrichten. Besonders abstrus wird es, wenn Nordseekrabben nach Marokko gebracht, dort gepult und dann auf dem Hamburger Fischmarkt verkauft werden. Sicherlich ist es für den Verbraucher schwierig, solch ein System zu durchschauen.

Für den Anfang hilft aber die Faustregel "regional und saisonal". Will heißen: Kaufen Sie Lebensmittel von Produzenten aus Ihrer Umgebung und achten Sie auf das aktuelle Angebot. Erdbeeren sollten also nicht im Januar gekauft werden, sondern im Juni. Auch Äpfel aus Chile müssen nicht unbedingt sein. Schöner Nebeneffekt: Regionale und saisonale Produkte sind meistens billiger.

Lassen Sie sich nichts vormachen!
Grün verkauft sich gut – das wissen auch die Konzerne. Da sich aber Profitgier und Nachhaltigkeit meistens schlecht vertragen, betreiben viele Unternehmen "Greenwashing". "Darunter versteht man das Vorgeben von Umweltzielen oder Umweltfreundlichkeit, ohne diese jedoch erreichen zu wollen oder zu können", erklärt Jürgen Knirsch, Experte für nachhaltigen Konsum bei Greenpeace. Das heißt: Werbung und PR gaukeln dem Verbraucher etwas vor, was gar nicht existiert.

Ein aktuelles Beispiel ist der Automobilkonzern VW mit seiner "Strategie 2018". "Volkswagen will bis 2018 die weltweite Nummer eins im Automobilsektor – und auch das ökologisch weltweit führende Automobilunternehmen sein", sagt Knirsch. "Es stimmt schon, dass Volkswagen einige Spritspartechniken hat, aber die sind noch nicht flächendeckend in den Fahrzeugen vorhanden und vor allem sind sie teuer als Zusatzleistungen zu kaufen", so der Experte weiter.

Wenn VW sie serienmäßig eingebaut hätte, hätten über eine Autolebensdauer von 150.000 km zwei Millionen Tonnen CO2 eingespart werden können. Oder 800 Millionen Liter Kraftstoff. Oder 1,2 Milliarden Euro – zugunsten der Autofahrer. Angesichts des Rekordgewinns und Rekordumsatzes, den VW 2011 eingefahren hat, wäre es für den Konzern ein Leichtes gewesen, die Spritspartechniken kostenlos anzubieten. Also: Lassen Sie sich nicht einlullen. Oder glauben Sie, dass McDonald's nun gesünder und nachhaltiger ist, nur weil der Fast-Food-Konzern sein Logo von rot auf grün umgeändert hat? Eben.

Seien Sie frech!
Information ist das A und O von Umweltschutz. Information verleiht aber auch Selbstbewusstsein. Jürgen Knirsch empfiehlt Verbrauchern, zu verhandeln: "Sagt, Ihr wollt die Umwelt schützen, aber Ihr seht nicht ein, dass Ihr den Preis dafür bezahlt." Wer sich etwa einen VW mit weniger CO2-Emmissionen kaufen wolle – so ein Fahrzeug gibt es nur mit Aufpreis – solle auf den Rekordgewinn und Rekordumsatz des Unternehmens verweisen und den Normalpreis einfordern.

Außerdem gilt: Immer nachfragen! Woher kommt das Produkt? Unter welchen Bedingungen wurde es produziert? Kann das Unternehmen seine Aussagen über das Produkt belegen? "Auch wenn Sie keine Antwort bekommen, gilt die Devise: Steter Tropfen höhlt den Stein", so Greenpeace-Experte Knirsch.

Achten Sie auf Gütesiegel!
Vor größeren Anschaffungen ist es selbstverständlich, sich über den Kühlschrank oder die Waschmaschine der Wahl umfassend zu informieren. Im Supermarkt steht jedoch keiner stundenlang vor dem Regal, studiert die Zutatenliste und befragt die Verkäufer.

"Im Lebensmittelbereich können Sie dank der Bio-Verordnung der EU "bio" per se vertrauen – vor allem, wenn Sie auf die zusätzlichen Siegel der Anbauverbände achten", sagt Knirsch. Bei Textilien oder Kosmetik sei das etwas schwieriger, dort gebe es bisher keine einheitlichen EU-Richtlinien.

Allerdings helfen verschiedene Labels bei der Orientierung. Der "Blaue Engel" zum Beispiel ist laut eigener Aussage das "erste und bekannteste Umweltzeichen der Welt" und bewertet verschiedenste Produkte - von Abfallsäcken bis Wasserkocher ist alles dabei. Weitere vertrauenswürdige Siegel sind unter anderen das "Europäische Umweltzeichen", "Fairtrade", "Lebensbaum" , "Öko-Test" , "Stiftung Warentest" und "Rainforest Alliance". Einen Überblick gibt es hier.